Rund 80 Interessierte und Dr. Bert Honsel

Ortsgespräch in Pr. Ströhen: Nicht alle Wünsche erfüllbar

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Dr. Bert Honsel informiert über aktuelle für Pr. Ströhen relevante Themen.

Pr. Ströhen - Von Anja Schubert. „Die Teilnehmerzahl zeigt, dass das Interesse an dem, was im Dorf passiert, groß ist“, freute sich Ortsvorsteherin Bianca Winkelmann angesichts der rund 80 Interessierten beim Ortsgespräch mit Bürgermeister Dr. Bert Honsel am Mittwochabend im Gasthaus Buschendorf.

Gut ein Dutzend Themen sprachen Honsel, Bauamtsleiter Dieter Drunagel und Winkelmann an und beantworteten unter den Nägeln brennende Fragen. Mit Christian Kammeier, Torsten Kuhlmann und Wolfgang Henke waren auch die Pr. Ströher Ratsherren vertreten.

Bevor es zu den einzelnen Schwerpunkten ins Detail ging, stellte Honsel die Rahmendaten des Haushalts 2017 vor. „Denn das ist die Basis, um vieles zu verstehen.“ Mehr Ausgaben als Einnahmen hätten die Gesamtverschuldung auf rund 18,5 Millionen Euro anwachsen lassen. Die Zahl selbst sei unschön, doch da seien andere Kommunen noch wesentlich schlechter dran. „Doch wir müssen einen Nothaushalt vermeiden und können daher nicht alle Wünsche, wie wir gerne würden, erfüllen“, so Honsel.

In Sachen Bauland blickte Drunagel auf die vergangenen 25 Jahre zurück. 43 Neubauten seien bis 2014 entstanden, die Siedlungen Bargs Kamp, Johann-Christof-Klasing-Straße und Hackelbarg neu angelegt und Lücken bebaut worden. Neun Bauplätze sind noch vorhanden, weshalb die Verwaltung Ausweisungsbedarf sieht. 

Man führe diesbezüglich derzeit Gespräche mit dem Kreis, der Bezirksregierung in Detmold und verschiedenen Eigentümern, so Drunagel. Auch zur Bereitstellung von Mietwohnungen für junge Paare gebe es Verhandlungen, zu denen sich Drunagel aber noch nicht konkret äußern wollte.

Die Ausweisung neuer Gewerbeflächen kommt laut Bauamtsleiter ebenfalls voran. Die Bezirksregierung habe die Änderung des Flächennutzungsplans für die rund zwei Hektar große Erweiterungsfläche zwischen dem Industriegebiet am Bahnhof und der B 239 genehmigt. „Für 2017 ist der Bau einer Stichstraße veranschlagt“, so Drunagel. 

Es sei im Flächennutzungsplan auch weiter ein Kontingent für Baugebiete und Gewerbe enthalten, unterstrich Drunagel mit Blick auf den neuen Landesentwicklungsplan (LEP), der am 24. Dezember in Kraft treten soll. „Wir dürfen nicht über Bedarf ausweisen, haben aber für Pr. Ströhen ein gutes Kontingent.“ 

Die Ansiedlung von Schwerindustrie auf dem Land werde schwieriger, nicht aber die von Gewerbe, denn der LEP schränke eine angemessene Bauentwicklung nicht ein. „Wir haben alles Mögliche getan, um auf die Situation kleiner Dörfer mit unter 2.000 Einwohnern aufmerksam zumachen“, erinnerte Bianca Winkelmann an diverse Briefe an die Landesregierung.

In Sachen Leerstand sei zu beobachten, dass dieser in Pr. Ströhen mit neun bis elf Objekten nicht anwachse. Bei der Generation 60 plus sei oft keine Nachfolgegeneration da. „Viele Leerstände werden trotz Neubauten bezogen“, so Drunagel.

Großes Interesse erregte das Thema Breitbandversorgung. Honsel berichtete über den Masterplan Breitband des Kreises, über den unterversorgte Bereiche ausgebaut werden sollen. Hierfür notwendig ist allerdings die Bewilligung von Fördermitteln, die bislang noch aussteht. Die Stadt selbst will dafür in den nächsten zwei Jahren mehr als 680.000 Euro in die Hand nehmen. 

„Wir sehen das als eine Form von Wirtschaftsförderung. Denn schnelles Internet ist eine Grundvoraussetzung für attraktives Wohnen im Außenbereich, mitentscheidend bei der Wohnortwahl und zudem ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen“, unterstrich Honsel.

Mindestens ebenso wichtig ist eine Grundschule vor Ort. Honsel verteidigte die Entscheidung für einen Schulverbund mit der Grundschule in Tonnenheide. Es sei die einzige Chance, die Schule in Pr. Ströhen langfristig zu erhalten. Auf den Einwurf des Werbegemeinschaftsvorsitzenden Hans Junchen, durch eine Verlegung der Schulgrenzen die Eigenständigkeit der Schule zu sichern, machten Honsel und Winkelmann deutlich, dass eine Grenzverlegung durch die im Schulgesetz verankerte freie Schulwahl der Eltern keine Steigerung der Schülerzahlen bewirken würde. 

„Ohne die Verbundlösung wäre diese Schule tot, denn das Land würde bei weniger als 92 Schülern keine Lehrer mehr nach Pr. Ströhen schicken“, machte Honsel unmissverständlich klar. Auch viele Eltern und die ehemalige Schulleiterin Uta Hartmeier unterstützten die Lösung.

Der Bau des Gesundheitszentrums in Rahden, das Ende 2017 öffnen soll, bedeutet nach der Schließung der Aue-Apotheke auch den Umzug von Dorfarzt Jens Gottfriedsen in das medizinische Fachzentrum. „Es gibt bei der neuen Lösung Vor- und Nachteile für alle. 

Der Weg nach Rahden ist zwar weiter, aber es wird zum Beispiel keine urlaubsbedingte Schließung mehr geben“, sagte der Mediziner. Auch wenn dessen Umzug nicht im Sinne der Pr. Ströher Bevölkerung sei, warb Junchen dafür, nicht zornig sein. Begleitet von Applaus dankte er Gottfriedsen für dessen jahrelangen Einsatz in Pr. Ströhen.

„An der Apotheke sind wir weiterhin dran. Doch es ist schwer, jemanden hierfür zu finden“, informierte Winkelmann. Die Rezeptsammelstelle, die auch von Menschen aus den umliegenden Orten genutzt werden könne, werde sehr gut angenommen.

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