Museumshof verwandelt sich in mittelalterliches Lager / Feuershow und Musik

Tränen lassen Helm rosten

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Der fünfjährige Yven aus Hartum wird zum Drachentöter ausgebildet. Mit Schwert und Schild kann er sich künftig gegen die Riesenechsen verteidigen – vorausgesetzt er trifft abseits des Mittelaltermarktes auf solche Kreaturen.

Rahden - Von Anika Bokelmann. Mittelalter pur – Gaukler und Barden, Ritter, Knappen und sogar ein Drache hatten am Wochenende den Museumshof in Rahden in Beschlag genommen und zogen somit zahlreiche Besucher auf das weitläufige Gelände im Schatten der Burgruine.

Bereits am Sonnabend ließen sich die Gäste rund 800 Jahre zurückversetzen und entdeckten in entspannter Atmosphäre an jeder Ecke etwas Neues. Zusammen mit den Recken zu Porta hatte das Museumshof-Team ein weiteres Mal das mittelalterliche Treiben in die Auestadt geholt und damit an zwei Tagen für eine gut besuchte Veranstaltung gesorgt. Auch wenn dunkle Wolken immer wieder für kritische Blicke gen Himmel sorgten, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Gerade für die Akteure waren die Temperaturen eine gute Voraussetzung – andernfalls wären die Torwachen sicher ins Schwitzen gekommen. Und Wasser ist für die Ausrüstung nicht gut, wie ein Ritter erklärte: „Wir weinen nicht, weil sonst der Helm rostet.“

Ganz ohne Rost ließen sich kleine Duelle austragen: Auf den Wiesen boten sich den Besuchern Bogenturniere und spontane Kämpfe zwischen den Gewandeten. Mit ihren schweren Rüstungen zeigten Lagerleute Schwertkämpfe und Rüstungsshows. Ein komplettes Outfit könne bis zu 40 Kilo wiegen, erklärte ein Mitglied von „Lupus Corvus“, einer Gruppe aus Bohmte, die erstmalig beim Mittelaltermarkt in Rahden dabei war. Der junge Ritter lobte vor allem das Ambiente – immerhin hatte die Gruppe ihre Zelte direkt vor der Burgruine aufgeschlagen. Sein „interessantes Hobby“ erklärte er mit der Tatsache, dass er dadurch „dem Alltag entschwinden kann“. Aus der Welt der Rüstungen berichtete er begeistert, dass die Menschen vor 800 Jahren ihre Rüstungen aus verschiedenen Teilen kombiniert hätten.

Für die Kinder hatten unter anderem die Anhänger des Lilienordens, einer Jagdgesellschaft von 1200 aus Ravensberg, Spiele mitgebracht. Als Gäste auf Rahdener Gebiet bot die freie Interessensgemeinschaft Pfeilwerfen um Edelsteine. Gefährlicher mutete der Kampf mit dem Drachen auf der großen Lagerwiese an. Dort zeigten Helden den richtigen Umgang mit verschiedenen Schwertern, um die (Metall-)Echse zu bezwingen. Für die erfolgreichen Drachentöter gab es eine Urkunde. „Geschickt bist du. Jetzt musst du noch deine Stärke trainieren“, schickte der Ausbilder die Zöglinge zu den Eltern.

Auf der Bühne begeisterten die Spielleute „Oropher des Teufels Brut“ mit Dudelsack- und Lautenklängen. Im Wechsel mit den Spielleuten „Absolem – Die Sackpfeifen des Königs“ unterhielten sie an beiden Nachmittagen und auch am Samstagabend bestimmten die Gruppen den Rhythmus des Lagers.

Mit spontanen Tänzen und Handgeklapper zollten Jung und Alt den Musikern ihren Respekt. Den Höhepunkt bildete am ersten Lagertag die Abendshow mit spektakulären Feuerdarbietungen. Beim historischen Tanz für Jedermann begleitet von „Oropher“ verwandelte sich der Museumshof dann vollends in ein mittelalterliches Spektakel.

Aber auch ohne große Shows wie dem Marktgericht war die historische Zeit allgegenwärtig: Gaukler und fahrende Völker drehten ihre Runden auf dem Museumshof und verbreiteten neben den Ständen mit Schmuck, Bekleidung und anderer Ausrüstung für Ritter und Knappen das nötige Flair.

Mittelaltermarkt in Rahden

Die Falknerei Ahrensmoor hatte eine Waldohreule und eine junge Schleiereule im Gepäck und brachte mit den Raubvögeln Interessierten die historische Jagdform näher.

Während Märchen und Meditationsgeschichten zum Entspannen einluden, boten weitere Marktbeschicker kulinarische Köstlichkeiten für einige Silber- und Goldtaler feil: Leckereien aus dem Mittelalter – natürlich frisch zubereitet, waren eine willkommene Stärkung nach einem Rundgang durch das Lager: Fladenbrote und diverse Fleischgerichte direkt vom Feuer, dazu Met, nahrhafter Gerstensaft und weitere Getränke vergangener Zeit rannen die Kehlen hinunter.

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