Mann am Steuer zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt

Beifahrer kommt bei Probefahrt ums Leben

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Mediengruppe Kreiszeitung

Espelkamp/Rahden - Eine Probefahrt endete am 8. November 2014 tödlich: Nach einem missglückten Überholmanöver starb der Beifahrer eines 41-Jährigen, der seinen neuen Sportwagen auf der B239 Richtung Lübbecke testen wollte. Nachdem am ersten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Rahden nicht alle Umstände des Unfalls geklärt werden konnten, fiel gestern beim Fortsetzungstermin das Urteil für den Fahrer: Acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Am ersten Prozesstag vor drei Wochen ging es um die Frage, ob der 41-Jährige überhaupt am Steuer saß – darauf wiesen zahlreiche Spuren hin. Gestern galt es dann zu klären, ob er zu schnell gefahren ist. Laut Sachverständigem eine eindeutige Angelegenheit: Der 148-PS-Sportwagen, den der Angeklagte am Tag zuvor gekauft hatte, muss seinen Berechnungen zufolge vor dem Unfall mindestens 117 Stundenkilometer auf dem Tacho gehabt haben. Erlaubt waren 70.

Der Sachverständige hatte den Unfall rekonstruiert: Dem Fahrer war nach einem Überholmanöver ein Lenkfehler unterlaufen. Daraufhin schlug das Heck seines Mazda RX7 aus, das Auto kam von der Straße ab, überschlug sich mehrfach und durchtrennte einen rund 20 Zentimeter dicken Baum. Die befreundeten Männer – beide waren nicht angeschnallt – wurden aus dem Auto geschleudert. Der Beifahrer kam durch stumpfe Gewalteinwirkung auf seinen Oberkörper ums Leben. Der Angeklagte verletzte sich schwer.

Der Staatsanwalt warf dem Fahrer vor, dass er durch Fahrlässigkeit den Tod seines Beifahrers verursacht habe. Er betonte, dass der 41-Jährige ein „neues Fahrzeug unter dem Hintern“ hatte, „mit dem er noch nicht vertraut war“. Zudem sei er zu schnell gefahren und habe das geltende Überholverbot missachtet. Das sei „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“. Er erachtete eine Freiheitsstrafe für notwendig. Seine Forderung: Neun Monate auf Bewährung, eine Geldauflage von 1800 Euro und der Entzug sowie eine einjährige Sperrung des Führerscheins.

Die Verteidigerin des 41-Jährigen hielt eine Geldstrafe im oberen Bereich und eine Führerschein-Sperrfrist von acht Monaten für ausreichend. Sie nannte den 8. November 2014 einen „schicksalhaften Tag“ für ihren Mandanten. „An dem Tag ist durch sein Verschulden sein Freund zu Tode gekommen“, erinnerte sie. „Dieses Geschehen kann der Angeklagte nicht rückgängig machen, auch wenn er bis zum heutigen Tag an der moralischen Schuld schwer trägt.“ Zudem verwies sie auf die schweren Verletzungen, die der Angeklagte davongetragen habe. Es sei fraglich, ob er jemals wieder am Straßenverkehr teilnehmen und somit seinen Beruf als Lastkraftwagenfahrer ausüben könne.

Die Euphorie über das neue Auto und die Absicht, einem Freund etwas beweisen zu wollen, haben ihren Beitrag zu dem Unfall geleistet, vermutete die Juristin. Zudem merkte sie an, dass der Beifahrer nicht angeschnallt gewesen sei und sich somit nicht unsicher gefühlt haben könne.

Richter Hagenkötter erlegte dem Angeklagten schließlich eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf, die er zur Bewährung aussetzte. Er habe „grob fahrlässig und rücksichtslos gehandelt“, begründete er sein Urteil. Der 41-Jährige, der schon mehrfach wegen überhöhter Geschwindigkeit in Erscheinung getreten ist, muss zudem 1200 Euro zahlen. „Das Urteil soll Sie treffen und nicht ihre Familie“, begründete Hagenkötter die verhältnismäßig geringe Geldstrafe für den sechsfachen Vater.

Der Vorfall ging dem Angeklagten nahe: „Ich bereue, dass es so passiert ist. Ich bereue, dass mein Freund gestorben ist“, ließ er über seinen Dolmetscher verlauten. Anschließend stand er mehrere Sekunden schweigend im Gerichtssaal, den Blick gesenkt. „Mehr kann ich nicht sagen“, sagte er schließlich leise.

ks

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