Mann interpretiert wenig Kontakt falsch

„Das war schon fast Telefonterror“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rahden/Dielingen - Sein Schwiegervater wird von den Angehörigen seiner Lebensgefährtin, einer Familie aus Dielingen, unterdrückt – davon war ein 54-jähriger Angeklagter vor dem Amtsgericht Rahden überzeugt. Sie würden ihm verbieten zu telefonieren und ihn abschotten. Bei einem Versuch, mit seinem Schwiegervater zu sprechen, schlug der Angeklagte einem Angehörigen der Lebensgefährtin ins Gesicht. Wegen dieser Körperverletzung musste er sich nun verantworten. Im Gerichtssaal stellte sich heraus: Sein Schwiegervater wollte einfach nicht mit ihm reden.

Am Tag der Tat, der 10. Januar 2014, habe er seinen Schwiegervater besuchen wollen, fing der Angeklagte an zu erzählen. Dann holte er weit aus – bis ins Jahr 1993. „Wir haben hier nicht den ganzen Tag Zeit“, unterbrach ihn Richter Hagenkötter und führte zurück zum Tattag. An diesem hätten der Sohn der Lebensgefährtin seines Schwiegervaters ihm den Zutritt zum Haus verwehrt, schilderte der 54-Jährige. Daraufhin habe er den Dielinger mit seinem Bauch angestoßen. „Dann ist der Umgefallen“, erklärte er. „Da kann ich nichts dafür, wenn er so schwach ist.“ Er ergänzte, dass sein Schwiegervater noch wach gewesen sein muss.

Es sei bereits nach 22 Uhr gewesen und er wollte ins Bett, sagte dieser. Außerdem wünsche er gar nicht so viel Kontakt mit seinem Schwiegersohn – erst recht nicht nach dem Vorfall am 10. Januar. „Er wollte nicht mit dem Angeklagten sprechen“, bestätigte der geschädigte Dielinger.

Er habe versucht, den ungebetenen Gast loszuwerden, so der Angehörige. Erst mit Worten. Als diese nichts bewirkten, wollte er ihn aus der Haustür drücken. Der Angeklagte habe dagegengehalten. „Ich hatte dann auf einmal eine Faust oder Hand im Gericht und lag auf der Treppe“, schilderte der Dielinger. Die Folgen: Prellungen und Blutergüsse.

Das sei nicht die erste ungewollte Kontaktaufnahme des Angeklagten gewesen, sagte der Geschädigte: „Es war schon fast Telefonterror, keiner wollte mehr mit dir sprechen“, warf er dem 54-Jährigen vor. Den Vorwurf, dass sein Schwiegervater unterdrückt werde, wies er zurück.

„Der Angeklagte hat eingeräumt, den Zeugen mit seinem Körper gestoßen zu haben“, sagte der Staatsanwalt. Er zweifle nicht daran, dass er auch mit der Faust zugeschlagen hat. Er mahnte, dass der Geschädigte auch tot sein könnte, wäre er ungünstig gefallen. Die Forderung des Staatsanwalts: Eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Dies deckte sich mit Hagenkötters Urteil.

Wegen des gescheiterten Besuchs saß der 54-Jährige nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. Das gleiche Verfahren wurde schonmal gegen ein Bußgeld in Höhe von 900 Euro eingestellt. Der Abgeklagte hat die Summe jedoch nicht gezahlt. „Ich kann es nicht aufbringen“, sagte er zu Beginn des zweiten Prozesses. „Viele haben weniger als sie“, merkte Hagenkötter mit Blick auf die Einkommensverhältnisse an. „Auch die kriegen das hin.“

Bevor er den Gerichtssaal verließ, fragte der Angeklagte seinen Schwiegervater leise, ob er wenigstens noch zweimal im Monat anrufen darf. „Mehr aber nicht“, antwortete dieser knapp. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

ks

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