37-Jähriger gesteht Alkoholprobleme / Therapiebeginn kurz vor Verhandlung

Mann fährt alkoholisiert Auto, „um Nachschub zu holen“

Rahden - Von Anika Bokelmann. „Was soll ich da noch abstreiten?“, fragte der Angeklagte vor dem Amtsgericht Rahden, nachdem seine Anklageschrift verlesen worden war. Er gab vor den Juristen nicht nur zu, dass er unter Alkoholeinfluss und ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren war, sondern stand auch offen zu seinem „enormen Alkoholproblem, das sich durch Ihr Leben zieht“, so die Staatsanwältin.

Dem 37-jährigen Rahdener wurde nun zur Last gelegt, dass er im November vergangenen Jahres unter dem Einfluss alkoholischer Getränke nicht mehr sicher am Straßenverkehr teilgenommen hatte und er zudem nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis gewesen sei. Nachdem die Beamten den Mann an dem Abend angehalten hatten, entnahmen sie ihm eine Blutprobe, die schließlich bewies, dass der Angeklagte mit 1,35 Promille unterwegs war.

„Da hatte ich etwa eine halbe Kiste Bier getrunken“, erinnerte sich der Angeklagte. Er habe Nachschub holen wollen, so der 37-Jährige, der sich selbst als Alkoholiker bezeichnete. Daher sei er zu einer Tankstelle nach Espelkamp gefahren. „Da macht man sich keine Gedanken mehr, ob man noch fahren darf. Auf dem Rückweg wurde ich angehalten“, schilderte er den Novemberabend.

Ein Blick auf das Vorstrafenregister des arbeitslosen Rahdeners warf der Staatsanwältin zufolge „kein gutes Bild auf die Vergangenheit“ des 37-Jährigen und offenbarte, dass er schon mehrfach im Straßenverkehr auffällig geworden war: Neben Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und mehrfacher Trunkenheit am Steuer, die 2012 zum Führerscheinentzug geführt hatte, führte Richter Schnasse weiter zwei Diebstahldelikte auf sowie fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung und in einem Fall zusätzliche Körperverletzung. „Ich leiste meine Sozialstunden auf dem Friedhof ab“, erklärte der Angeklagte zu den Strafauflagen.

Eine Woche vor der Verhandlung habe er sich bei der Therapie angemeldet, berichtete der Angeklagte weiter. „Ich will jetzt einen Neuanfang“, so der Rahdener, der sein „massives Problem“ auf die Trennung von seiner Noch-Ehefrau vor sechs Jahren schob. „Ich bekomme seitdem nichts mehr auf die Beine“, bedauerte er seinen Zustand.

Zwar beurteilte die Staatsanwältin die Therapie als Pluspunkt, doch kritisierte sie auch den „Aktionismus“ des Rahdeners – „der Denkanstoß hätte schon eher erfolgen müssen“, rügte sie den Angeklagten. Da die bisherigen Geldstrafen der Meinung der Juristin zufolge keine Änderung gebracht hatten, beantragte sie eine Freiheitsstrafe von drei Monaten zur Bewährung auszusetzen. Weiter plädierte sie für 150 Arbeitsstunden und eine 24-monatige Führerschein-Sperrfrist. Weitestgehend schloss sich Richter Schnasse der Meinung an und verhängte schließlich eine dreimonatige Freiheitsstrafe mit einer Bewährung von zwei Jahren sowie die geforderte Sperrfrist. Zudem muss der Angeklagte binnen eines Jahres 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

„Das ist der Tat und Schuld angemessen“, so Schnasse, der für den 37-Jährigen eine „günstige Sozialprognose“ sah. „So viele Chancen werden Sie nicht mehr bekommen. Beim nächsten Mal könnte es anders aussehen“, machte der Richter abschließend deutlich.

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