Dagmar und Harald Voß begeistern mit ihrem Marionetten-Theater „Krise mit Luise“

Männer an die Leine

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Die Bewegungen der Marionetten waren erstaunlich präzise. Hier versucht die Puppe Luise (l.) gerade ihre Freundin Frida zu trösten.

Rahden - Von Katharina Schmidt. Wer dachte, dass Marionetten-Theater nur etwas für Kinder ist, wurde am Mittwoch im Rahdener Bahnhof eines Besseren belehrt. Dagmar und Harald Voß vom Theater „Musik und Fadenspiel“ aus Melle zeigten dort ihr Stück „Krise mit Luise“. Eingeladen hatte der Rahdener Kulturverein „Kul-Tür“ – und damit ins Schwarze getroffen. Das Stück war ausverkauft, das Publikum entzückt.

Bevor die Puppen ihren Auftritt hatten, schlüpfte Harald Voß persönlich in die Rolle des Protagonisten. „Ich bin Hugo“, stellte er sich vor und trank einen Schluck Bier. „Die sagen alle, ich hätte was gegen Frauen“, erzählte er und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „Stimmt ja auch.“ Er sei mehrmals verheiratet gewesen. Die eine sei nach Italien abgehauen, die andere habe nur „gesabbelt“. „Ja und dann...dann kam das Drama mit Luise“, leitete er das Stück ein.

Zum Abschluss ihrer Vorstellung kamen sie hinter der Bühne hervor, überließen die Show aber weiterhin den Marionetten Hugo und Luise.

Der Vorhang für die Marionetten fiel und kurze Zeit später stand Hugo als Puppe auf der Bühne, in der Hand immer noch sein Bier. In „Krise mit Luise“ liefert er sich lustige Wortgefechte mit seiner Frau Luise, inklusive fieser Streiche. Zeit mit ihr zu verbringen gehört nämlich nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. „Da geh’ ich lieber in die Bahnhofsschänke und trink mir n’ leckeres Bierchen, da habe ich nämlich mit de Weibers nichts zu tun.“ Luise klagt hingegen, dass Männer immer nur an „dat eine“ denken würden – Saufen. Durch einen hinterlistigen Plan zwingt sie ihren Gatten schließlich, seine geliebte Bierflasche gegen einen Putzwedel zu tauschen.

Das Stück begeisterte die Zuschauer in Rahden, sie prusteten los, lachten und klatschten. Es faszinierte außerdem, wie präzise Dagmar und Harald Voß ihre Figuren unter Kontrolle hatten. Mit hauchdünnen Fäden und ihren Stimmen erweckten sie Hugo und Luise sowie ein weiteres hölzernes Paar, Frida und Willi, zum Leben. Da konnte man schon mal vergessen, dass sich auf der Bühne eigentlich nur Holz bewegte. Die Puppenspieler – er wurde 1959 geboren, sie 1956 – hatten nach ihrer Ausbildung zum Erzieher angefangen, Marionetten zu bauen. Schnell merkten sie, dass diese auch gespielt werden wollen. „Krise mit Luise“ führen sie seit 1992 auf.

Der Erfolg des Stücks ermöglicht ihnen, sich einer weiteren Leidenschaft zu widmen: der Musik. Diese spielt auch bei „Krise mit Luise“ eine wichtige Rolle. So stimmt Luise mit ihrer Freundin Frida nach der Geißelung ihrer Männer „Wir sind das Hauptkommando ,Männer an die Leine‘“ an. Harald Voß alias Hugo singt hingegen geknickt: „Ohne Luise, so geht dat nicht, so macht dat doch kein Spaß.“ Eine Aussage, die nicht ganz stimmt: Denn zumindest dem Publikum in Rahden hat das Ehedrama sichtlich Spaß bereitet.

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