Rahden hat fünf Ansprechpartner für Ältere, die sich für Barrierefreiheit einsetzen

Das Leben nach dem Beruf oder ab wann ist man Senior

Der Bewegungsparcour für Senioren auf dem Spielplatz am Museumshof bietet älteren Rahdenern die Möglichkeit, sich sportlich an der frischen Luft zu betätigen.

Rahden - Von Anika Bokelmann. Mit dem Alter kommen Gebrechen und auf einmal stellt das Leben einen vor ganz neue Herausforderungen: der Weg zum Supermarkt erscheint auf einmal viel länger und ist voller Hürden; die Bänke in der Innenstadt erscheinen ungemütlich und das Interesse ist auch anders. Die Senioren in Rahden sind mit solchen Themen und anderen Problemen aber nicht allein. Es gibt fünf Ansprechpartner für die älteren Bürger.

Nach einem Ratsbeschluss aus dem Jahr 2014 sollte jede Fraktion einen Seniorenberater bestimmen. So kam es, dass Helmut Kummer (CDU, 68 Jahre), Reinhard Stuck (SPD, 69 Jahre), Hannelore Kühnen (FWG, 67 Jahre), Monika von Platen-Nimbs (FDP, 65 Jahre) und Winrich Dodenhöft (Grüne, 68 Jahre) sich vor zwei Jahren dem Thema annahmen. Allerdings sahen sie im Namen ein Problem. „Ab wann gilt man als Senior?“, fragt sich Hannelore Kühnen.

Die Ansprechpartner für ältere Bürger freuen sich über jede Form von Anregungen und Vorschlägen und wollen die Barrierefreiheit in Rahden vorantreiben: (v.l.) Hannelore Kühnen, Winrich Dodenhöft und Monika von Platen-Nimbs. Zudem gehören Helmut Kummer und Reinhard Stuck zu der Gruppe. - Fotos: Bokelmann

Daher gelten die fünf heute als Ansprechpartner für Ältere. Die Gruppe selber bezeichnet sich als „junge Generation unter den Alten“ und will insbesondere Personen ab 70 Jahren ansprechen. „Die offizielle Altersgrenze eines Seniors liegt bei 65 Jahren“, sagt von Platen-Nimbs. Daher wird die ehemalige Seniorenfeier der Stadt inzwischen auch als „65-plus-Feier“ veranstaltet – und erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. „Wir bieten ein tolles Programm und es gibt natürlich auch immer mehr ältere Bewohner“, erklärt von Platen-Nimbs. Sie weiß zudem, dass aus den benachbarten Städten wie Espelkamp viele ältere Bewohner nach Rahden ziehen würden, seitdem das Angebot an seniorengerechten und barrierefreien Wohnungen erweitert wurde. „Während es viele junge Familien nach Kleinendorf zieht, leben im Stadtzentrum viele Alte“, so die Beobachtung der Gruppe.

Neben der Feier, die als Seniorenfrühstück zum Stadtfest angefangen hatte, führen Kühnen, von Platen-Nimbs und Dodenhöft zwei weitere Projekte auf ihre Initiative zurück: Eine Bushaltestelle wurde ans Gasthaus Bohne verlegt und der Bordstein am Fußgängerüberweg beim WEZ-Markt an der Lemförder Straße wurde abgesenkt, um insbesondere Personen mit Rollatoren die Straßenquerung zu erleichtern.

Auch an weiteren Aspekten machen die drei Rahdener aus, dass ihre Heimatstadt durchaus etwas für die ältere Generation zu bieten hat. So zählt von Platen-Nimbs ein paar Veranstaltungen im Jahresverlauf auf, die dem Anspruch der Senioren gerecht werden: Aufführungen des VHS-Laienspieltheaters Schatulle, Konzerte der Heimatkapelle, Adventsfeiern und Aktionen des Museumshofs.

Zudem könne eine Kleinstadt stolz sein, ein eigenes Krankenhaus zu haben, so Kühnen. „Für Rollstuhlfahrer und Rollatoren-Nutzer ist das Gelände des Freilichtmuseums aber ein Problem“, lenkt sie dann aber ein. Denn die sandigen Wege seien für die Hilfsmittel nicht geeignet und auch andere Stellen in Stadtgebiet seien nicht barrierefrei, so das FWG-Mitglied. Vielen Bänken fehlten Arm- und Rückenlehnen oder die Sitzfläche sei zu tief, finden die Ansprechpartner laut Winrich Dodenhöft.

Daher wollen die Seniorenberater bei der Neugestaltung des Wehme-Parks darauf achten, dass die Sitzgelegenheiten dem Alter der Nutzer entsprechen. „Dort könnten auch Sportgeräte für Senioren aufgestellt werden“, überlegt Dodenhöft und lobt die Geräte auf dem Spielplatz am Museumshof.

Damit ist die Liste der Ziele für die Ansprechpartner aber noch nicht zu Ende: „Wir wollen die Barrierefreiheit vorantreiben“, unterstreicht Hannelore Kühnen und hofft auf die Unterstützung der heimischen Einzelhändler. Der Gruppe sind ferner Mängel aufgefallen, „an denen wir kaum etwas ändern können“, berichtet Kühnen mit Blick auf enge Rad- und Fußwege. „Wenn sich dort ein Radfahrer und eine Person mit Rollator begegnen, ist dort kaum noch Platz, um aneinander vorbei zu kommen“, stimmt von Platen-Nimbs zu.

Allgemein müsse sich Rahden noch an die neuen Strukturen in der Gesellschaft anpassen, führt die Liberale aus. Ihr zufolge fehlen Bekleidungsgeschäfte für die Altersgruppe 60-plus. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ärzteversorgung. „Auch wenn die Ärztekammer meint, wir seien hier überversorgt, fehlen ein Haut- und Augenarzt“, sind sich die Ansprechpartner der Senioren einig. Denn die Ärzte in Minden seien nur schwer erreichbar. „Man könnte eine regelmäßige kostenlose Busverbindung einrichten“, schlagen die Akteure vor. „Es kann nicht angehen, dass wir aufgrund unserer Lage abgehängt werden“, macht von Platen-Nimbs ihrem Ärger Luft.

Die fünf Ansprechpartner hat die Stadt als Alternative zu einem Senoirenbeirat ins Leben gerufen, erklärten die Mitglieder zum Hintergrund. „Eigentlich war es als Probe für einen Beirat gedacht“, blickt Kühnen zurück und Winrich Dodenhöft ergänzt: „Die Senioren in Rahden haben bislang nur wenig Interesse gezeigt.“ Der Grünen-Sprecher vermutet, dass dies auch der Größe der Kommune liegen könnte. „In so einer Kleinstadt kennt jeder jeden und der Bedarf an fremder Hilfe ist eher gering.“

Auf der anderen Seite seien die Ansprechpartner aber nicht ausreichend bekannt, kritisiert die Gruppe. Zwar sind sie auf der Internetseite der Verwaltung aufgeführt, aber nicht auf den ersten Blick zu finden. „Wir sind jederzeit für Wünsche offen und würden uns freuen, wenn die ältere Generation auf uns zukommt“, so die Akteure abschließend.

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