Landwirtschaftlicher Kreisverband fordert Exportoffensive der EU

Milchbauern in Existenznot

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Der Anblick von Kühen könnte bald seltener werden – laut dem Landwirtschaftlichen Kreisverband sind viele Milchviehhalter in ihrer Existenz bedroht.

Minden-Lübbecke - Die heimischen Milchbauern stecken laut dem Landwirtschaftlichen Kreisverband Minden-Lübbecke in einer extrem schwierigen Lage. „Bei den derzeitigen Erzeugerpreisen kann kein Bauer länger durchhalten und überleben“, meint der Vorsitzender Hermann Seeker aus Pr. Ströhen in einer Pressemitteilung. „Wenn sich die Marktlage und die Rahmenbedingungen für die Milcherzeugung nicht schnell ändern, sind viele unserer bäuerlichen Familienbetriebe mit Milchviehhaltung ernsthaft bedroht“, befürchtet er.

Die Milchpreise für Landwirte deckten nicht einmal die Produktionskosten. Zum aktuellen Preis von unter 30 Cent pro Liter könnten auch die besten Betriebe nicht kostendeckend erzeugen. Politik und Verbraucher müssten sich entscheiden, ob sie auch in Zukunft Nahrungsmittel „made in Germany“ wollen, so Seekers Botschaft.

Fleisch- und Milchmarkt spürten die Konsequenzen politischen Handelns ungedämpft. „Bei der schwierigen Lage am Milchmarkt handelt es sich nicht um ein Marktversagen, sondern um eine politische Krise“, verdeutlicht der Vorsitzende des Kreisverbands. Insbesondere das russische Importembargo und dessen Verschärfung habe dazu geführt, dass die Lage auf dem Milchmarkt angespannt sei.

Für einen Milchviehhalter mit 75 Kühen bedeute der „Russlandeffekt“ eine Erlöseinbuße von geschätzt 18000 Euro, rechnet Seeker in der Mitteilung vor. Die Einbußen könnten nicht von den Landwirten allein geschultert werden. Seeker erklärt dazu: „Wir fordern eine Exportoffensive der EU für Agrargüter und Lebensmittel, die unter anderem aus den von den Landwirten selbst aufgebrachten Mitteln der sogenannten Milch-Superabgabe finanziert werden kann.“

Der Berufsstand der Landwirte erwartet vom Sondergipfel der EU-Agrarminister am 7. September in Brüssel Beschlüsse zur Unterstützung der Landwirte. Als Maßnahmen fordern die Landwirte laut Mitteilung neben der Exportoffensive Liquiditätshilfen in Form eines Bürgschaftsprogramms des Bundes, Stundung von Steuerschulden und die seit langem vom Landwirtschaftsverband geforderten Risikoausgleichsrücklage.

„Ebenso wichtig ist es aber, die Betriebe in dieser Situation nicht mit Bürokratie und zusätzlichen wettbewerbsverzerrenden Auflagen zu belasten“, fordert Seeker mit Blick auf europäische und nationale Gesetzesvorhaben. Außerdem appelliert er an den Einzelhandel, die Preise für Milch und Milchprodukte nicht ins Bodenlose fallen zu lassen. Abschließend weist der Vorsitzende darauf hin, dass deutsche und europäische Milchbauern entgegen den Erwartungen der EU-Kommission nicht mit einer massiven Ausweitung der Erzeugung reagierten. Das „Zuviel an Milch“ komme vor allem aus den USA und Neuseeland. Die EU rechne europaweit für 2015 nur mit einem moderaten Produktionszuwachs. „Angesichts des gedrosselten Wachstums wird offensichtlich, dass der Preisdruck vorrangig im Wegfall der Nachfrageseite begründet ist“, so Seeker.

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