Kul-Tür würdigt in Rahden aufgewachsenen Künstler Ernst Lindemann

Vergessener Expressionist

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Pfähle ziehen sich durch die Dünenlandschaft, die Ernst Lindemann (1869 bis 1943) in diesem Werk darstellt. Matthias Bronisch (l.), Monika Büntemeyer und Klaus Kienemann von der Stadtsparkasse präsentieren das Bild bei der gut besuchten Ausstellungseröffnung am Mittwoch.

Rahden - Von Katharina Schmidt. Über Generationen hinweg waren die Lindemanns eine bekannte Kaufmannsfamilie in Rahden. Wer Ernst Lindemann ist, weiß jedoch heute kaum noch jemand: Ein Sohn der Familie und Expressionist. Heute vor 72 Jahren ist er verstorben. Um den in Vergessenheit geraten Maler zu würdigen, stellt der Rahdener Kulturverein Kul-Tür dessen Werke noch bis zum 30. September aus. Genau dort, wo einst Lindemanns Heimathaus stand: in der Stadtsparkasse.

„Ein Zweig der Familie Lindemann muss zwischen 1650 und 1718 an die heutige Gerichtsstraße 1 umgezogen sein“, informiert Kul-Tür in einem Heft zur Ausstellung. Weiter heißt es dort, dass das Anwesen, wo Lindemann seine Kindheit verbrachte, im Jahr 1907 abbrannte. Fünf Jahre später eröffnete dort das Hotel Braun. Dieses ließen Verantwortliche der damaligen Amtssparkasse 1970 abreißen und errichteten das Gebäude der Stadtsparkasse.

Die aktuelle Ausstellung sei eine Kombination aus Kunst und Rahdener Stadtgeschichte, erklärte Kul-Tür-Vorsitzende Monika Büntemeyer bei der Ausstellungseröffnung am Mittwochabend. Im Erdgeschoss informieren Tafeln über die Familie Lindemann und den ersten Lebensabschnitt des am 14. August 1869 geborenen Künstlers. Eine Etage darüber hängen Werke aus seiner schaffenden Zeit in Lüneburg. Nachdem Lindemann mehrere Kunstschulen besuchte, fand er dort seinen Lebensmittelpunkt. Tagsüber arbeitete er in einer Tapetenfabrik, in seiner Freizeit widmete er sich der Malerei.

Matthias Bronisch aus Bielefeld führte in die Ausstellung ein. Er hat Kunstgeschichte studiert und ist Enkel der jüngeren Schwestern des Künstlers. „Ernst Lindemann ist Expressionist, doch anders als Nolde und van Gogh hatte er nur selten deren wilden, explosiven Umgang mit der Farbe, dem Strich, sondern er suchte immer nach einer linearen Gestaltung, nach Eingrenzung der Farbflächen, denen er jedoch Schwung und Dynamik gibt“, beschrieb er. Anfangs noch gegenständlicher, entwickelte sich Lindemanns Stil über impressionistische und expressionistische Malerei fast hin zum Abstrakten. Bronisch betonte, dass Lindemanns Werke – in erster Linie deckend gestaltete Aquarelle – abseits dessen sind, was in der NS-Zeit als Kunst gegolten habe.

„In der farblichen Gestaltung liegt etwas Melancholisches, Schwermütiges“, hat der Bielefelder beobachtet. Das rühre vielleicht aus der schweren Kindheit des Künstlers. Lindemann verlor mit 14 Jahren durch eine tuberkulöse Infektion ein Bein. In seinen späteren Bildern finden sich immer wieder Elemente, die die Landschaft stören, „wie Dornen im Fleisch, harte Einschnitte, Telegrafenmasten, Pfähle, Zäune, Wagenfurchen“, so Bronisch.

Lindemanns Bilder bilden das Meer, Dünen und Landschaften ab. Die Werke befinden sich in Privatbesitz, einige von ihnen werden zum Verkauf angeboten.

„Ich verstehe überhaupt nicht, dass er nicht in Rahden, noch sonst wo bekannt geworden ist“, würdigte Büntemeyer des Werk des gebürtigen Rahdeners. Auch Bronisch zufolge sollte man Lindemann in der Kunst des vorigen Jahrhunderts als bedeutend einordnen.

Lothar Henkenjohann (Klarinette) und Jürgen Wiese (Kontrabass) begleiteten die Ausstellungseröffnung musikalisch.

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