Mahnfeuer heimischer Milchviehhalter

Preiskrise wird zum gesellschaftlichen Problem

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Heimische Landwirte und Vertreter verbundener Branchen entzündeten am Mittwochabend ein Mahnfeuer, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen.

Pr. Ströhen - Nicht nur den heimischen Milchbauern reicht es allmählich: Wie viele ihrer Leidensgenossen setzten auch sie am Mittwochabend mit dem Entzünden eines Mahnfeuer an der B 239 ein weithin sichtbares Zeichen, um nachdrücklich auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Sie wollten mit diesem Akt die Entscheidungsträger in Politik und Molkereiwirtschaft endlich zum verantwortungsvollen Handeln bewegen.

Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) hatte bundesweit im Vorfeld der heute in Brüssel stattfindenden Sonder-Agrarministerkonferenz, zu der auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan erwartet wird, zu dieser Protestaktion aufgerufen, damit die Agrarminister der Länder endlich zu konkreten Umsetzungsbeschlüssen gelangen.

Angesichts der Tatsache, dass es sich in Pr. Ströhen für den Kreis Minden-Lübbecke um die einzige Protestaktion handelte, gestaltete sich die Teilnehmerzahl überschaubar. Die Stimmung unter den Milchviehhalter war so mies, wie die Witterung am Aktionsabend. Nur rund 25 Landwirte sowie Vertreter verbundener Berufssparten hatten den Weg an die Kreuzung B239 / Sielhorster Straße gefunden, wo neben dem Mahnfeuer auch Protesttafeln und Plastikkühe in Schwarz, Rot, Gold auf die Situation aufmerksam machen sollten.

Mit dabei war auch der langjährige Varreler Tierarzt Dr. Matthias Link, der die Pr. Ströher Tierarztpraxis von Detlef Hanke übernommen hatte, sowie Dieter Rempe aus Wagenfeld, Beirat im BDM-Landesvorstand Niedersachsen. In seiner Begrüßung stellte Rempe die prekäre Situation der Milchbauern sowie die Forderungen an die Politik, die es zur Entspannung in der Milchwirtschaft umzusetzen gelte, heraus.

Forderung nach verbindlichen Regelungen

„Wir brauchen verbindliche Regelungen, eine vertragsgebundene Milchvermarktung und vor allem eine effiziente Vermarktung und Kostendeckung“, unterstrich Rempe. Die Milchmenge müsse runtergehen. „Wir brauchen eine Basis zur Orientierung, ein Reglement, mit dem wir Angebot und Nachfrage in den Gleichklang kriegen.“ Es gelte, konkrete weitere Schritte zur Umsetzung schneller und wirksamer Krisenlösungen im Sinne der Beschlüsse der Frühjahrs-Agrarministerkonferenz zu unternehmen.

Schon von weitem sichtbar: Mit Protesttafeln unterstrichen die Milchbauern direkt an der B 239 in Pr. Ströhen ihre Probleme und Forderungen. Ihnen fehlt die Unterstützung, um aus der Krise herauszukommen.

„Gipfel an Gipfel reihte sich in den vergangenen Monaten aneinander und die Branche hat in dieser Zeit hinreichend gezeigt, dass sie es nicht alleine richten wird, weil die Interessenslagen zu weit auseinander gehen“, erinnerte der Vertreter des BDM-Beirats. Bei der Umsetzung von Krisenlösungen seien die Interessen der Milchviehhalter als Betroffene der Milchkrise absolut in den Vordergrund zu stellen. „Die Molkereien mit der Umsetzung von freiwilligen, befristeten Mengenkürzungen zu beauftragen oder die Umsetzung von ihrer Zustimmung oder gar ihrer finanziellen Unterstützung abhängig zu machen, hieße dabei den Bock zum Gärtner machen“, pflichtete Rempe einer Äußerung des BDM-Vorsitzenden Romuald Schaber bei.

Es sei klar, dass nicht alles von jetzt auf gleich gehen könne. „Änderungen brauchen Vorlauf. Doch seit 30 Monaten sitzen wir in der Krise, ohne dass etwas passiert.“ Insbesondere in Deutschland gebe es die wenigsten Bestrebungen, etwas zu ändern, die Milchpreise seien im Keller. „Deutschland ist der Bremsklotz der europäischen Milchwirtschaft. Wir erwarten, dass sich die EU hinter uns stellt und den Markt endlich vernünftig regelt.“ Die Weltmilcherzeugung werde zu 95 Prozent in den heimischen Regionen verbraucht. „Wir legen 1000 Euro pro Kuh und Jahr für die Milch bei, die wir beim Milchwagen aufladen“, verdeutlichte das Beiratsmitglied.

Vorwurf: Bund spielt auf Zeit

„Erste gute Ansätze hat die Konferenz in Mecklenburg-Vorpommern Mitte April hervorgebracht. Doch auf Bundesebene wird dies alles ausgehebelt und in andere Ressorts abgeschoben, um auf Zeit zu spielen“, so Maxi Kohlwes auf die Frage, ob sich seit dem vergangenen Mahnfeuer auf ihrem Hof in Wehe Mitte November für die Milchbauern etwas verändert habe. Kohlwes hatte mit ihrem Mann Klaus auch die jetzige Protestaktion in Pr. Ströhen organisiert.

„Die Milchmarktkrise ist längst nicht mehr nur das Problem der Milchbauern. Das muss auch die Politik begreifen“, stellte Rempe heraus. „Wir kriegen keinen Strukturwandel, sondern einen Strukturbruch.“ Milchbauern, die ihre Betriebe aufgäben, seien mitunter gezwungen die Region zu verlassen, um anderweitig beruflich tätig zu werden.

Das Schwinden der Landwirtschaftsbetriebe würde dann den verbundenen Sparten Probleme bereiten. „Tierärzte, Lohnunternehmen, Landmaschinenbetriebe und viele mehr. Und wenn eine Verlagerung in noch lohnenswerte Gebiete einsetzt, gehen die Einwohnerzahlen auf den Dörfern weiter nach unten und auch die Infrastruktur mit Supermarkt und so weiter wird bröckeln. Die Krise auf dem Milchmarkt ist nicht mehr nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem“, stand für die Protestler am Mittwochabend fest.

Noch lange nutzten die Landwirte die Zusammenkunft, um ihrem Ärger Luft zu machen und gemeinsam über mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

Art

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