Verdacht wegen Abrechnungsbetrugs

Krankenkasse und Kliniken durchsucht

Die Kripo und die Bielefelder Staatsanwaltschaft haben Unterlagen der Mühlenkreiskliniken beschlagnahmt, um dem Verdacht eines Abrechnungsbetrugs nachzugehen. - Symbolbild: dpa

Minden/Bielefeld - Zusammen mit Ermittlern der Kriminalpolizei hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld in der vergangenen Woche eine Hausdurchsuchung an allen Standorten der Mühlenkreiskliniken vorgenommen.

Am Donnerstagvormittag wurden die Beamten zeitgleich an den fünf Kliniken in Minden, Lübbecke, Rahden, Bad Oeynhausen und der Auguste Viktoria Klinik (ebenfalls Bad Oeynhausen) vorstellig und beschlagnahmten dort zahlreiche Krankenakten. Die Staatsanwaltschaft geht dem Anfangsverdacht wegen Abrechnungsbetrugs nach.

Auf Mitarbeiter fällt kein Verdacht

Der Sprecher der Bielefelder Strafverfolgungsbehörde bestätigte die Durchsuchung auf Nachfrage. „Wir überprüfen die Abrechnungen einer Betriebskrankenkasse, die zum Nachteil eines Fonds manipuliert worden sein sollen“, sagte Staatsanwalt Christoph Mackel. Bei der Aktion handelte es sich um eine „Durchsuchung bei Unverdächtigen“. Anders ausgedrückt: Auf die Mitarbeiter der Mühlenkreiskliniken fällt derzeit keinerlei Verdacht.

Bei der Krankenkasse, deren Büros ebenfalls durchsucht wurden, handelt es sich um die in Minden ansässige BKK Melitta Plus. Nach eigenen Angaben hat die „regional ausgerichtete Krankenkasse“ mit weiteren Standorten in Bünde und Nordenham rund 51.000 Versicherte, darunter 10.000 Firmenkunden, in ihrer Kartei.

Nach Informationen dieser Zeitung gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass Abrechnungsdaten von Patienten nachträglich auf Betreiben der Krankenkasse verändert wurden. Drei Mitarbeiter der Krankenkasse stehen dabei im Verdacht. Bei dem geschädigten Fonds handelt es sich um den sogenannten Risikostrukturausgleich, einem finanziellen Ausgleichsmechanismus im System der sozialen Krankenversicherungen. 

Vereinfacht ausgedrückt zahlen dabei Versicherungen mit einer „guten“ Risikostruktur, beispielsweise mit vielen Patienten jüngeren Alters, Ausgleichszahlungen an Versicherungen mit „schlechter“ Risikostruktur, also meist älteren Patienten.

Statistisch gesehen fallen gut 80 Prozent aller medizinischen Kosten im hohen Alter an. Um Zuwendungen aus dem Risikostrukturausgleich zu erhalten, soll die BKK Melitta Plus Veränderungen an den Abrechnungen vorgenommen haben, die am Ende zu keinem erhöhten Erlös für die MKK führten, aber die Patienten für die Krankenkasse im Sinne des Risikostrukturausgleichs neu einstufte.

Laut Bericht des Mindener Tageblatts hält der BKK-Vorstandsvorsitzende Rolf Kauke die Vorwürfe „für offenkundig unbegründet und haltlos.“ - tyl

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