Konkurrenz auf Wohnungsmarkt / Hoher Kosten- und Personalaufwand

Weitere Flüchtlinge kommen im März nach Rahden

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Als Flüchtlingsbeauftragte unterstützen Anke Elsing (Kirchenkreis Lübbecke) und Cornelia Riemer-Griebel (Rahden; v.l.) die Ehrenamtlichen und die Verwaltung als Ansprechpartner in Flüchtlingsfragen. Dafür bedankten sich am Dienstagabend Rahdens Bürgermeister Dr. Bert Honsel (l.) und Sozialausschussvorsitzender Torsten Kuhlmann.

Rahden - Das vergangene Jahr war geprägt von der Flüchtlingswelle. In Rahden fanden insgesamt 266 Flüchtlinge eine Unterkunft auf Zeit. Insbesondere ab August stiegen die Zuweisungen enorm, fanden im November mit 77 Aufnahmen ihren Höhepunkt und stellten Verwaltung sowie Ehrenamtliche vor Herausforderungen wie Wohnungsknappheit und Mehraufwendungen. In diesem Jahr rechnet das Ordnungsamt mit bis zu 250 Personen oder mehr.

Über die aktuellen Zahlen bei den Asylbewerbern informierte Michael Duffe am Dienstag in der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Kultur und Tourismus. Derzeit leben 377 Flüchtlinge in Rahden. Im Januar wurden 16 Personen in Rahden aufgenommen, so der Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Bis Ende des Monats sei mit keinen weiteren Zuweisungen zu rechnen, ergänzte Bürgermeister Dr. Bert Honsel. Dies sei auf eine Zusage des Innenministeriums zurückzuführen, das einen Aufschub gegeben habe. „Die ländlichen Kommunen haben ihr Soll erfüllt. Jetzt sind die Ballungszentren dran“, sagte Honsel.

Mehr als 20 Nationalitäten seien in der Auestadt vertreten – die Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Iran und Irak sowie Albanien, Algerien und einigen afrikanischen Staaten. Untergebracht werden die Männer und Frauen nach dem dezentralen Prinzip. Diesem sei es zu verdanken, dass es bislang keine größeren Konflikten gegeben habe, meinte Ordnungsamtleiter Uwe Trentelmann. „In den kleinen Einheiten bringen wir nur so viele Personen unter, wie es die Kapazitäten hergeben“, so Trentelmann.

Derzeit verfügt die Stadt neben ihrem Übergangswohnheim an der Weher Straße mit Platz für 25 Personen über drei Gebäude an der Osnabrücker und der Mindener Straße sowie 48 Mietwohnung im Stadtgebiet und den Rahdener Ortschaften. In letzteren ist laut Michael Duffe Platz für 330 Personen. „Zurzeit können wir noch etwa 40 Flüchtlinge unterbringen“, rechnete Duffe vor. Er geht davon aus, dass dies bis Anfang April den Bedarf decke. „Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Wohnungen“, sagte Duffe und bittet die Bevölkerung, sich beim Ordnungsamt zu melden, wenn Objekte in Frage kämen. Zwei Häuser hat die Verwaltung ihm zufolge bereits zum Kauf in Aussicht. Daher sieht Trentelmann in naher Zukunft keine Notwendigkeit für ein Containerdorf, beruhigte er den Ausschussvorsitzenden Torsten Kuhlmann. Mitte 2016 bestehe zudem die Möglichkeite, weitere Mehrfamilienhäuser zu kaufen, so Trentelmann weiter.

„Ich will nicht verschweigen, dass es Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt gibt“, sagte Rahdens Bürgermeister zu weiteren Schwierigkeiten. Denn nicht nur Flüchtlinge bräuchten kleine und bezahlbare Wohnungen, sondern auch andere Sozialschwache. „Wir sind bemüht, den sozialen Wohnraum zu vergrößern und haben schon erste Gespräche mit potentiellen Investoren geführt“, informierte Honsel über das umfangreiche Projekt, das ihm zufolge mehrere Jahr in Anspruch nehmen werde.

Zu den Aufwendungen für die Übergangswohnungen (rund 1,27 Millionen Euro) kommen für die Stadt weitere Ausgaben im Sinne der Asylbewerberleistungen. Für die Unterstützung beim Lebensunterhalt, im Krankheitsfall, Bildungs- und Teilhabeleistungen für Flüchtlingskinder und weiteren Leistungen wird Rahden in diesem Jahr rund 2,4 Millionen Euro ausgeben, stellte Honsel den Mitgliedern des Sozialausschusses vor. Er unterstrich, dass es sich bei den insgesamt knapp 3,7 Millionen Euro um tatsächliche Ausgaben handle. „Diese Zahlen werden daher so nicht im Haushaltsplan auftauchen, da dort eine andere Berechnung zugrunde liegt“, erläuterte der Verwaltungschef.

Neben den Kosten bedeutet die Flüchtlingslage auch einen enormen Personalaufwand. Seit Kurzem koordiniert Cornelia Riemer-Griebel als Flüchtlingsbeauftragte die Aufgaben der Kümmerer und vermittelt zwischen den Flüchtlingen und Helfern sowie Helfern und der Stadt. Sie bietet Hilfe bei der Integration und veranstaltet regelmäßig mehrsprachige Infoveranstaltungen. „Ob diese Stelle ausreicht, wird sich zeigen“, wog Honsel über eine mögliche Aufstockung bei der Flüchtlingsarbeit ab.

Weiterhin gehört zur Betreuung der Flüchtlinge, dass die Männer und Frauen eine umfassende Erstberatung zu Themen wie Mülltrennung und Ansprechpartner sowie Sprachkurse und Fahrräder bekommen. Für die Unterstützung bei diesen Aufgaben bedankte sich Duffe bei den Helfern der Arbeitsgruppe Integration/Asyl des Präventionsrates. „Ohne die Kümmerer würde sich die Stadt sehr schwer tun.“

abo

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