Angelika Otte geht in den Ruhestand

In 15 Jahren einen Anstoß für die Gleichstellung geleistet

Angelika Otte packt ihre Sachen. Nach 15 Jahren im Rahdener Rathaus ist für die Gleichstellungs-, Familien- und Rentenbeauftragte Schluss. Künftig wird sich Heike Krüger um diese Aufgaben kümmern. - Foto: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Während im Rathaus in Rahden fast alle Mitarbeiter der Verwaltung ihre Sachen in die Umzugskartons packen und darauf warten, nach dem Umbau in ein frisch renoviertes Büro zurückkehren zu dürfen, hat das Prozedere für Angelika Otte einen anderen Hintergrund: Sie geht nach 15 Jahren im Rathaus in Rente und überlässt ihre Stelle als Gleichstellungsbeauftragte Heike Krüger.

„Mit 65,5 Jahren ist Schluss“, sagt die Frotheimerin und wünscht ihrer Nachfolgerin einen erfolgreichen Start. Seit dem 2. Juni ist Krüger bereits im Rathaus, denn mit ihrem restlichen Urlaub hat die arbeitsfreie Zeit für Angelika Otte bereits begonnen. Der offizielle Wechsel steht zum 1. Juli an.

Genau an diesem Datum, aber im Jahr 1991, hat Angelika Otte ihre Tätigkeit bei der Stadt Rahden aufgenommen. Zuvor war sie nebenberuflich im Versicherungsgeschäft tätig, wollte aber nach zehnjähriger Elternzeit wieder im Berufsleben durchstarten. „Zunächst war ich als Elternzeitvertretung in der Stadtkasse. Nach einem Jahr bot sich die Möglichkeit, als Gleichstellungsbeauftragte weiterzumachen“, erinnert sich Otte, die gebürtig aus Duisburg kommt und mit 38 Jahren den Mühlenkreis und schließlich mit 50 Jahren Rahden kennenlernte.

„Am Anfang stand ich vor einem weißen Blatt und wusste nicht, ob ich den Aufgaben gewachsen bin“, so Otte. Denn sie ist die Erste in dieser Position in der Auestadt. Die Verwaltung hatte seinerzeit die Stelle ausgeschrieben, nachdem 1999 das Landesgleichstellungsgesetz in Kraft getreten war. Erschwert wurde der Start durch eine Beschwerde vor dem Verfassungsgerichtshof Münster. Denn die Verwaltung wollte die Stelle nur ehrenamtlich besetzen. Gemeinsam mit Sabine Denker, die zeitgleich als Gleichstellungsbeauftrage in Stemwede begann, und der Unterstützung der Kolleginnen aus Espelkamp habe sie sich eingearbeitet, blickt Otte zurück. „Bis heute habe ich den Schritt nicht bereut.“

Mit Blick auf die Aufgaben einer Gleichstellungsbeauftragten, berichtet Otte über die vergangenen Jahre: „Wir haben verschiedene Angebote für Frauen in der Politik und Führungspositionen angeboten.“ Zudem gab es Selbstbehauptungskurse für Jungen und Mädchen und Babysitter-Lehrgänge. Ab 2009 hat Angelika Otte die Arbeit in der Gleichstellung zurückgefahren und dafür zusätzlich Aufgaben als Familien- und Rentenbeauftragte übernommen. „Viele Themen greifen ineinander und sind überhaupt nicht voneinander zu trennen“, sagt sie zu ihrem vielseitigen Job und hat sogleich einen Rat für Frauen parat: „Jede Frau sollte sich rechtzeitig mit dem Thema Rente befassen.“

„Die Arbeit ist auf jeden Fall sehr sensibel“, weiß Otte – besonders in kritischen Situationen gelte es Hemmschwellen der Hilfesuchenden vorsichtig anzugehen, sagt die 65-Jährige. Dank Ottes Engagement gibt es seit zwei Jahren die Alleinerziehenden-Gruppe, die sich ein Mal monatlich im Kindergarten „Löwenzahn“ in Rahden trifft. „Während die Kinder betreut werden, gibt es für die Eltern Referate oder einfach die Möglichkeit, sich auszutauschen“, beschreibt Otte die Treffen, die in Kooperation mit der Parivital organisiert werden.

Außerdem kümmert sich die Gleichstellungsstelle in Rahden darum, dass die Neugeborenen begrüßt werden. Im vergangenen Jahr hat Angelika Otte insgesamt für 130 Babys Pakete geschnürt und diese Infos zusammen mit selbstgestrickten Socken an die Eltern verschickt.

Als letztes Projekt lag ihr nun die Familienbroschüre am Herzen. Die 500 Exemplare der Auflage des Hefts, in dem alle Anlaufstellen für Familien übersichtlich zusammengefasst sind, soll Familien eine Hilfestellung geben.

Viel Zeit ihrer Arbeit hat Otte zudem für interne personelle Entscheidungen investiert. „Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Rathaus ist weiblich. Aber selten sind Führungspositionen betroffen“, verrät die scheidende Gleichstellungsbeauftragte. Sie setzt nun auf die Neubesetzung im Bereich Wirtschaftsförderung: „Hier kann ein Zeichen gesetzt werden, um den Ungleichstand zu ändern“, findet Otte.

„Ich hoffe, dass ich für Rahden einen kleinen Anstoß geben und erste Schritte auf dem langen Weg zur Gleichstellung machen konnte“, sagt Angelika Otte abschließend, bevor sie ihren Schreibtisch an ihre Nachfolgerin übergibt.

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