Jürgen Möller gibt Tipps zur Motivation von Schülern und zeigt, wie Eltern Lernprozesse unterstützen

Inventur in der Lagerhalle des Gehirns

Das Gehirn ist so groß wie zwei geballte Fäuste. Die Eltern wurden bei dem Vortrag von Jürgen Möller (r.) auch selbst aktiv und lernten Methoden für das richtige Lernen kennen. - Foto: Bokelmann

Rahden - „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Das Zitat des chinesischen Philosophen Laozi bemühte Jürgen Möller am Donnerstagabend. Der Gymnasiallehrer vom Verein LVB lernen aus Berlin erklärte auf Einladung des Präventionsrats Rahden, wie man Lernen lernt. In seinem zweistündigen Vortrag machte Möller deutlich, dass es beim Lernen kein richtig oder falsch gibt, aber dass Wiederholen und Motivation wichtig sind.

Die mehr als 50 Eltern, die sich in der Aula des Gymnasiums eingefunden hatten, entdeckten ihre Kinder in den geschilderten Situationen wieder. Viele erhofften sich Tipps, wie sie den Nachwuchs zum Lernen animieren können, ohne dabei einen Streit vom Zaun zu brechen, so eine Mutter. Möller als Vater einer Tochter und Lehrer an einer Brennpunktschule in Berlin-Neukölln kennt diese Probleme und erklärte: „Ich sehe täglich, dass Kinder nicht richtig lernen.“ Dadurch gehe viel Potential verloren.

Zu Beginn stellte Möller die Arbeitsweise des Gehirns vor. Doch ging es dabei nicht um trockene Fakten – Möller griff bei seinem Vortrag auf interaktive Einheiten und Übungen zurück und band das Publikum ein. In der kurzweiligen Veranstaltung lernten die Männer und Frauen unter anderem, dass das Gehirn ökonomisch arbeitet: „Was es nicht braucht, wird gelöscht“, so Möller, der dazu riet, Kinder nach dem Lernen nicht mit Fernsehen zu belohnen. Dadurch würden sich die Infos überlagern. Lesen, Entspannung oder Bewegung an der frischen Luft seien ratsam. Außerdem erklärte der Referent, dass die Merkfähigkeit auch etwas mit Ordnung zu tun habe. „Packen Sie virtuelle Lernpäckchen, dann kann das Gehirn die Infos leichter aufnehmen“, sagte Möller. „Zwischendurch muss aber auch Inventur in der großen Lagerhalle des Wissens gemacht werden“, verbildlichte Möller das Langzeitgedächtnis. Kinder müssten regelmäßig ihr Wissen auffrischen und wiederholen, damit es abrufbar bleibt, merkte der Lehrer an.

Im zweiten Teil seines Vortrags ging Jürgen Möller auf Lerntypen ein und wies die Eltern auf „sprachliche Tretminen“ hin, die es zu umgehen gelte, wenn Zuhause Lerneinheiten anstehen, Denn Lernen sei auch immer mit Kommunikation und Emotionen verbunden, so der Pädagoge. „Positive Formulierungen führen eher zum Erfolg“, lautete ein Hinweis.

Auch für Fragen war ausreichen Zeit eingeplant und so nahmen die Eltern viele Hinweise mit nach Hause, die sie künftig testen wollen.

abo

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