53-Jähriger weigert sich, Geldstrafe wegen Nötigung zu akzeptieren

„Ich gehe lieber in den Knast“

Varlheide - Ein 53-Jähriger musste sich gestern vor dem Amtsgericht Rahden wegen Nötigung verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte soll einen Treckerfahrer aus Rahden auf der Straße „Langer Damm“ in Varlheide überholt und ausgebremst haben. Dieser sei dadurch gezwungen worden, mit seinem Gespann auf den Seitenstreifen auszuweichen. Für den Treckerfahrer hatte das zur Folge, dass er ein Verkehrsschild und seine Maschine beschädigte. Für den Angeklagten zieht die Aktion eine Geldstrafe von 55 Tagessätzen à 40 Euro und drei Monate Fahrverbot nach sich.

Dieses Urteil verkündete Richter Schebitz nach etwa anderthalb Stunden Verhandlung. Der 53-Jährige stellte sich stur. „Ich gehe lieber in den Knast, als zu zahlen“, beharrte er auf seine Unschuld.

„Ich fuhr hinter dem Trecker her“, hatte er die Ausgangssituation zu Beginn des Prozesses geschildert. Er habe dem Fahrer deutlich gemacht, dass er überholen wollte. Doch dieser habe ihn nicht vorbeigelassen und sogar beinahe von der Straße gedrängt. Der Rahdener habe ihn „fast kaputt gefahren“. „Ich habe mehrmals laut gehupt – so einen Hals hatte ich“, fuhr der Angeklagte fort. Auf Höhe einer Einmündung zur Straße „Moorweg“ habe er es schließlich „mit Hängen und Würgen“ geschafft, den Schlepper zu überholen.

„Ich wollte den Fahrer zur Rede stellen“, sagte der 53-Jährige. Deswegen sei er einige Meter vor dem Gespann angehalten. Der Trecker hätte trotzdem problemlos an seinem Auto vorbeifahren können, war der Angeklagte überzeugt. Dass der Fahrer dann aber auf den Seitenstreifen geraten ist, könne er sich nicht erklären.

„Herr Richter, ich bin kein Rowdy-Fahrer. Ich fahre seit 30 Jahren unfallfrei“, versicherte er. Der Angeklagte sah die Schuld bei dem Treckerfahrer: Der Rahdener hätte vorausschauender fahren und mit Hindernissen rechnen müssen, bemängelte er. Der Treckerfahrer sei durch die Gegend gefahren, „als wäre er alleine auf der Welt“.

Der Rahdener war als Zeuge geladen. „Ich bin definitiv nicht rübergezogen, um ihn abzudrängen“, sagte er. Der Angeklagte habe ihn überholt, sei eingeschert und habe ihn zu einer Vollbremsung und dem Ausweichmanöver gezwungen, bestätigte er die Angaben der Staatsanwaltschaft. Anschließend sei der 53-Jährige ausgestiegen und habe gesagt, dass er ihm einmal zeigen wollte, wie es ist, ausgebremst zu werden.

„Ich habe angekündigt, die Polizei zu rufen“, so der Rahdener mit Blick auf das überfahrene Verkehrsschild und die Schäden – abgeplatzter Lack und ein verbogenes Zugmaul – in Höhe von 1500 Euro an seinem Schlepper. Der Angeklagte habe ihm daraufhin gedroht, dass er schon sehen werde, was er davon habe. Der Zeuge erklärte, dass er noch Zeit gehabt habe, das Kennzeichen des Angeklagten zu fotografieren – dann sei der Mann davongefahren.

Den Angeklagten beschrieb der Rahdener als „ziemlich aggressiv“. Das bestätigte ein Polizist, der als Zeuge geladen war. „Es war nicht möglich, ein vernünftiges Gespräch mit ihm zu führen“, erinnerte er sich an seinen ersten Kontakt bezüglich des Unfalls mit ihm. Der Angeklagte entgegnete, der Polizist sei arrogant.

Die Staatsanwaltschaft schlug vor, das Verfahren gegen Zahlung von 600 Euro einzustellen. „Ich soll 600 Euro zahlen, weil ich angehalten bin? Tolle Rechtsprechung haben wir hier“, lehnte der Angeklagte ab. Später war die Staatsanwältin weniger zuvorkommend und forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Es gebe keine Beweise, dass der Zeuge die Wahrheit sage. Außerdem sei es unmöglich, dass das Zugmaul bei dem Unfall beschädigt wurde. Diese Vermutung war für Schebitz und die Staatsanwältin nebensächlich. Sie befanden den Angeklagten für schuldig. - ks

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