Hospizhelfer schaffen Freiräume

Begleitung – auch in alltäglichen Dingen

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Sabine Wüppenhorst (l.) und Wirwe Grau-Wahle koordinieren die Hospizarbeit in Rahden.

Rahden - Es sind Extremsituationen, mit denen Hospizhelfer konfrontiert werden. Sie bauen eine Beziehung zu einem Schwerkranken auf und geben seinem Leben Qualität bis zum Schluss – das erfordert viel Kraft. „Die Begleitung dauert manchmal ein paar Wochen, manchmal Monate und kann zur Lebensbegleitung werden“, sagt Pfarrerin Wirwe Grau-Wahle, die sich in der Kirchengemeinde Rahden neben der Altenheim-Seelsorge seit 20 Jahren für die Hospizarbeit einsetzt. Seit rund fünf Jahren gibt es eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die für die Sterbenden in der Gegend Ansprechpartner sind.

Gemeinsam mit der Pfarrerin koordiniert Sabine Wüppenhorst von der Paritätischen deren Aufgaben – sie teilen Betreuer und Betreuende zu und bieten Treffen zur Reflexion. Am Anfang steht aber die Ausbildung. In mehrwöchigen Kursen setzen sich die Männer und Frauen mit dem Sterben und Tod sowie dem Umgang mit Angehörigen und der eigenen Person auseinander. Dabei seien Konfession, Alter und Beruf egal, unterstreicht Wüppenhorst, die in Rahden derzeit auf zehn Hospizhelfer setzen kann. „Das Ehrenamt ist ein fragiles Konstrukt“, weiß sie jedoch und würde sich freuen, wenn zu den Kursen im nächsten Jahr wieder neue Interessierte hinzukommen.

„Unsere Arbeit besteht nicht nur aus dem Dasein für die Schwerkranken und Gesprächen, sondern auch in pragmatischen Dingen“, so Wüppenhorst. Die Begleiter würden Behördengänge und Einkäufe übernehmen, um Freiräume zu schaffen. Die Hospizhelfer sehen sich auch als Vermittler, da sie eine neutrale Sicht haben. Wüppenhorst fasst die Arbeit als „psychosoziale Begleitung“ zusammen.

Die Hospizgruppen in Lübbecke und Rahden werden über die Krankenkassen anteilsmäßig refinanziert. „Für die Familien entstehen keine Kosten“, informiert Grau-Wahle: „Wir kommen ins Haus und sind einfach da.“ Die Geistliche weiß auch, dass Sterben und Tod immer diffuse Ängste auslösen. Umso wichtiger sei es, sich früh mit dem sensiblen Thema auseinanderzusetzen. Daher gehen die Frauen aus der Hospizarbeit in Schulen und sprechen mit den Kindern, die sich unter anderem dafür interessieren, wie tief ein Grab ist, berichtet Wüppenhorst.

abo

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