Historischer Taufstein in St. Johannis vielleicht weit älter als angenommen

Wenn Steine reden könnten

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Dr. Ulrich Althöfer, Kunsthistoriker der Evangelischen Kirche von Westfalen, nahm sein Forschungsobjekt am Mittwochabend noch einmal hautnah in Augenschein.

Rahden - Wenn Steine doch reden könnten! Ein Vortrag über den stummen Jubilar sollte den 600. Geburtstag des historischen Rahdener Taufsteines am Mittwochabend in der Rahdener St. Johanniskirche krönen. Gespannt erwarteten rund 60 Interessierte, darunter die Mitglieder des Frauenabendkreises, den Vortrag von Dr. Ulrich Althöfer, Kunsthistoriker der Evangelischen Kirche von Westfalen, der neben der Vorstellung neuer Forschungsergebnisse rund um das Relikt vor allem einer Frage versuchte, auf die Spur zu kommen: Ist der Taufstein wirklich 600 Jahre alt oder zeitlich doch ganz anders anzusiedeln?

Einen gezielten Blick warf Althöfer, der vor 13 Jahren die Forschungen zum Rahdener Taufstein aufnahm, auf die Schrift am oberen Beckenrand, auf dem der Name Borchard Haverbeke zu lesen ist, der 1414 als Pfarrer in Rahden genannt wird. Bisherige Nachforschungen über den stummen Zeitzeugen nennen 1414 als Zeitpunkt seiner Erstellung aufgrund des Namens Haverbeke. Hinzu gesellen sich weitere einheimische Namen wie Griepenstroh, Hillebrand.

Die Gründung der St. Johanniskirche durch Bischof Gerhard von Minden im Jahr 1353 könnte ausschlaggebend gewesen sein für die repräsentative Stiftung eines Taufsteins im gotischen Stil zur Ausstattung des neuen Gotteshauses.

Die Verknüpfung der Namen der Inschrift mit dem Jahr 1414 könne jedoch auch ein Fehlschluss sein. „Es ist nicht auszuschließen, dass der Stein wesentlich älter ist und die Inschriften nachträglich eingemeißelt wurden“, so der Experte. Vielleicht seien die Inschriften eine Memoria der Stifter, oder – in Anbetracht des eingemeißelten geflügelten Heiligen Lukas, die Stiftung einer Bruderschaft. Es gäbe einige wenige Taufsteine in der Region, die als zeitliche Brüder des Rahdener Taufsteines gesehen werden könnten. Sie alle sind in gewissen Punkten diesem ähnlich, aber nicht genau gleich, sodass eine genaue zeitliche Einordnung nicht möglich sei. Auch über die Herkunft des verwendeten Sandsteines und den bearbeitenden Steinmetz sei nichts bekannt.

Im Rahdener Taufstein wurde getauft, bis er 1709 durch das barocke hölzerne Taufbecken ersetzt wurde. Anders als in anderen Kirchengemeinden blieb der alte Stein immer in der Kirche. „Vielleicht sind die 600 Jahre schon vor einem, vor zehn oder vor hundert Jahren voll gewesen, vielleicht auch erst in den kommenden Jahrzehnten“, lautete das Resümee des Experten.

Doch wie soll man mit diesem Ergebnis jetzt umgehen? „Es gibt keinen Grund, angesichts des nicht genau manifestierbaren Entstehungsjahres Trübsal zu blasen“, meinte Althöfer. Wegen der Reformation sowie der zahlreichen Umbauten und Renovierungen sei die Kirche arm an Altertümern und habe mit dem Taufstein einen großen Schatz. Insgesamt fänden sich Taufsteine aus dem frühen 15. Jahrhundert heute nur sehr spärlich. „Die Erhaltung dieses Zeitzeugen und sein permanenter Verbleib über die Jahrhunderte im Gotteshaus sind ein Grund, Stolz zu sein.“

Die vielen neuen Fragen könne man vielleicht zum Anstoß nehmen, weiter zu forschen oder den Taufstein irgendwann wieder entsprechend seiner Bestimmung zu nutzen. Bei einer kleinen Stärkung durfte zum Ausklang des Abends noch ein wenig länger über die Geschichte des Taufsteines diskutiert werden.

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