46-Jähriger wegen Besitz und Weitergabe kinderpornografischen Materials verurteilt

„Hinter jeder Tat steckt das Einzelschicksal eines Kindes“

Wegen Besitz und Weitergabe von kinderpornografischem Material ist ein Mann vom Rahdener Amtsgericht verurteilt worden. - Symbolbild: dpa

Rahden / Espelkamp - Von Anika Bokelmann. Auf dem Laptop und Handy eines Mannes aus Espelkamp fanden Ermittler im September vergangenen Jahres insgesamt 469 Bilder von Kinderpornografie sowie 440 Bilder von Jugendpornografie und weiterhin diverse Videos mit ähnlichem Material. Jetzt musste sich der 46-Jährige vor dem Amtsgericht den Vorwürfen stellen und wurde zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe sowie einer Geldauflage verurteilt.

In zehn Fällen soll der Angeklagte im August und September Bilder und Videos von leicht bekleideten oder nackten Kindern in eindeutigen Posen an weitere Personen versandt haben. Gleiches soll in vier Fällen mit den pornografischen Daten mit Jugendlichen passiert sein.

In der Anklage war von insgesamt 38 Fällen die Rede, wobei Verteidiger und Staatsanwaltschaft sich nicht einigen konnten, ob die Chatverläufe als ein Gesamtvorgang oder jedes geschickte Bild als einzelner Tatvorwurf behandelt werden sollten. Dies hatte aber am Ende keine Auswirkungen auf das Urteil.

Der Tischler äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, doch sein Verteidiger erklärte, dass der 46-Jährige die Tat in vollem Maß einräume. „Die Episode, in der sich mein Mandant für dieses Material interessiert hat, ist inzwischen beendet. Die Ermittlungen waren ein heilsamer Schock für ihn“, so der Jurist. „Die Handlungen haben viel kaputt gemacht“, fasste der Verteidiger die Konsequenzen für den zweifachen Familienvater zusammen. So habe sich seine Frau nach Bekanntwerden der Tat von ihm getrennt und der Angeklagte habe nur noch selten Kontakt zu seinen Kindern. Außerdem habe der Mann kurzfristig seinen Job verloren.

Therapeutische Hilfe hielt der Verteidiger für nicht erforderlich. „Es war nur ein kurzer Tatzeitraum und die Konfrontation mit der Polizei ein Schock“, erklärte der Anwalt dem Gericht mehrfach. Zudem hätten die „unangenehmen Vorwürfe“ für schlaflose Nächte und viele Bedenken bei dem in Espelkamp wohnenden Mann gesorgt, merkte er an.

Der Laptop mit dem Material und das Handy, mit dem über Whats-App die Videos und Fotos verschickt worden waren, wurden vom Gericht eingezogen und vernichtet.

Für die Staatsanwältin kam in ihrem Strafantrag nur eine Freiheitsstrafe in Betracht. Der 46-Jährige habe sich die Schriften verschafft, besessen und an Dritte weitergegeben, erinnerte sie an die Anklage. „Hinter jeder Tat steht das Einzelschicksal eines Kindes“, sagte die Juristin. Zudem habe sie Zweifel, dass die Kinder und Jugendlichen mit den Aufnahmen einverstanden gewesen seien.

„Dass ein zweifacher Familienvater so etwas macht, ist höchst verwerflich“, kritisierte sie das Verhalten des Angeklagten. Auch wenn es nur ein kurzer Tatzeitraum sei, so handele es sich um eine große Zahl an pornografischem Material. „Das brauchen wir nicht zu diskutieren“, so die Staatsanwältin, die für den Besitz und Weitergabe eine Gesamtstrafe von einem Jahr und acht Monaten plädierte. Für die dreijährige Bewährungsfrist sah sie einen Bewährungshelfer als erforderlich. Außerdem forderte sie weiter 2.500 Euro Strafe.

Der Verteidiger konnte den Ausführungen der Staatsanwältin insofern zustimmen, als „die Anzahl der Fälle keine Geldstrafe mehr zulässt“. Da sich die Konsequenzen aber auf das Leben des Angeklagten auswirkten, fand der Verteidiger eine Gesamtstrafe von sieben Monaten auf Bewährung angemessen.

Als „Warnung“ verhängte Richter Schnasse schließlich eine 14-monatige Strafe, die er für drei Jahre auf Bewährung unter Aufsicht aussetzte. „Zur Wiedergutmachung“ muss der 46-Jährige zudem eine Summe von 3.000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Da sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft keine Rechtsmittel gegen das Urteil erhoben, ist dieses bereits gültig.

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