Heimische Landwirte setzen mit Mahnfeuern ein Zeichen gegen den Preisverfall

Flächenbrand greift um sich

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Mehr als ein Dutzend Landwirte setzte mit dem Mahnfeuer in Wehe ein Zeichen gegen den Preisverfall.

Wehe - Wie ein Flächenbrand hat sich die Krise am Milchmarkt ausbreiten können, weil es kein Instrument zum Gegensteuern gibt. Alle Länder in Europa sind betroffen – Milcherzeuger kämpfen ums Überleben und um den Erhalt der Milchproduktionsregionen. Unter dem Motto „Eure Politik vernichtet Milchbauern“ gab es am Donnerstag zahlreiche Proteste und symbolische Aktionen in den Mitgliedsländern des European-Milk-Board, einer Interessensvertretung für Milcherzeuger. Auch in Deutschland rollten Traktoren-Demos durch die Straßen, wurden Protestbriefe übergeben und Mahnfeuer entzündet.

Die europäischen Milcherzeuger sendeten damit im Vorfeld der Agrarministertagung in Brüssel am Montag und Dienstag, 16. und 17. November, ein unmissverständliches Signal an die Politik: „Setzt das Marktverantwortungsprogramm (MVP) als Kriseninstrument am Milchmarkt ein“, lautet ihre Forderung. Kostendeckende Milchpreise und ein flexibles Kriseninstrument seien die Basis für eine nachhaltige Milchwirtschaft in der EU.

Solidaritätsbekundungen in Form eines Mahnfeuers gab es am Donnerstagabend auch in Wehe auf dem Hof Döpke/Kolwes im Schwarzen Moor. Mehr als ein Dutzend befreundeter Landwirte aus der Nachbarschaft, Tonnenheide, Pr. Ströhen und Wagenfeld nutzten die Gelegenheit, sich über die Preisentwicklung, deren Ursache und Wirkung auszutauschen.

„Die kleinen Betriebe als Standbein der Landwirtschaft sterben weg – und das hat weitreichende Konsequenzen für den gesamten landwirtschaftlich geprägten Raum“, macht Maxi Kolwes auf die Tragweite des Problems aufmerksam. „Wir sind mit unseren Böden keine Ackerbauregion, sondern Veredelungsbetriebe, die über das Vieh ihren Unterhalt erwirtschaften.“ Dabei gehe es schon lange nicht mehr nur um Milchpreis und Milchquote.

Dass die Preise für Milch und Fleisch seit langem im Keller sind, ist angesichts anhaltender Proteste kein Geheimnis mehr. „Für uns Kleinbetriebe ist das eine Katastrophe, doch die Wirtschaft frohlockt, denn auf diese Weise boomt der Export.“ Großbetriebe würden finanziell von Banken und Konzernen gestützt, um ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt zu erhalten.

„Zögen wir nur in Deutschland die Preise an, würde Fleisch zu Dumping-Preisen importiert, wie beispielsweise Rindfleisch aus Argentinien. Wenn wir die Mengen auf dem gesamten Markt reduzieren und Überproduktionen herunterfahren würden, ließen sich durch die Verknappung des Angebotes wieder vernünftige Preise erzielen“, sind sich die Landwirte einig. Aber an diesem Punkt versage die Politik.

Beispielsweise stehe der Preis für ein Kuhkalb mit 16 Euro, 72 Euro für ein Bullenkalb und 33 Euro für ein 25-Kilo-Ferkel in keinem Verhältnis zu den Zuchtkosten und Fleischpreisen. „Genau genommen ist es selbst für einen Landwirt günstiger, wenn er das Fleisch für den Eigenverbrauch im Supermarkt kaufen würde“, so Klaus Kolwes.

„Es trifft ja nicht nur uns kleine Landwirte. Wenn unsere Familienbetriebe wegbrechen, bekommen das beispielsweise auch der Landhandel, Landmaschinenhändler und -werkstätten sowie die Tierärzte zu spüren. Es ist eine Verkettung, die in einer Abwärtsspirale immer weiter um sich greift. Am Ende leidet der gesamte landwirtschaftliche Raum“, macht Klaus Kolwes auf das Problem aufmerksam. So ließ es sich auch der Rahdener Tierarzt Dr. Uwe Petz nicht nehmen, mit seiner Anwesenheit Solidarität zu bekunden.

„Es müssen jetzt die richtigen Lösungen her. In ein paar Jahren ist es für viele Milcherzeuger und Viehzuchtbetriebe zu spät. Die Wertschätzung der Landwirtschaft sinkt immer mehr“, so der einheitliche Eindruck der heimischen Landwirte, die im Schein des Feuers noch lange über mögliche Entwicklungen diskutierten.

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