Hausarzt Jens Gottfriedsen spricht über sein Konzept für das Rahdener Ärztezentrum / Weitere Infos beim Dorfabend

„Gemeinschaftspraxen sind die Zukunft“

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Hausarzt Jens Gottfriedsen möchte zusammen mit einer jungen Kollegin eine Gemeinschaftspraxis in Rahden eröffnen.

Pr. Ströhen/Rahden - Von Anika Bokelmann. Für Jens Gottfriedsen „war es absehbar, dass es böses Blut gibt“. „Die Ärzteversorgung betrifft alle“, sagt der Hausarzt aus Pr. Ströhen. Bei den Plänen für das Ärztezentrum hätte die Verwaltung alle von Anfang an mit einbeziehen müssen, erklärt er mit Blick auf die Debatten während der Ratssitzung (wir berichteten).

Mit acht Hausärzten ist Rahden derzeit gut aufgestellt. Rund 1200 Patienten behandeln die Mediziner durchschnittlich pro Quartal, schätzt Gottfriedsen aufgrund eigener Erfahrungen. Doch schon in ein paar Jahren könnte sich das ändern – es droht ein Ärztemangel. , meint Gottfriedsen. Aus dem Ärztehaus in der Nähe des Krankenhauses könne man langfristige Nutzen ziehen, sagt der 58-Jährige, der zusammen mit einer jungen Kollegin in Rahden eine Gemeinschaftspraxis eröffnen will. Als Vorteil nennt Gottfriedsen geregelte Arbeitszeiten und eine sicher Kranken- sowie Urlaubsvertretung.

Anfängliche Schulden für eine neue Praxis sollen mit einem Zuschuss und Fördermitteln gering gehalten werden. Mit einer Landesförderung bis 50000 Euro soll die neue Ausstattung bezahlt werden. Diese Summe bekommen ausschließlich Ärzte, die sich neu niederlassen – nicht aber Mediziner, die ihren Standort verlagern. Allerdings müsse auch die Verwaltung die Ärzte finanziell unterstützen. „Wir müssen es den Neuen leicht machen“, erklärt Gottfriedsen, warum er eine Sicherheit von 100000 Euro fordert. „Wir werden alle Fördermöglichkeiten ausschöpfen, um der Stadt das Geld zurückzuzahlen“, sagt Jens Gottfriedsen.

Er sieht aber auch „das Elend der ungleichen Verteilung“. Ginge es nach dem Mediziner aus Sielhorst, müssten die unterschiedlichen Voraussetzungen, die die Mediziner ins Ärztehaus mitbringen, beim Geld berücksichtigt werden. Zudem müsse man überlegen, wie man einen Arzt, der sich in einer Rahdener Ortschaft niederlassen will, unterstützen könne, so Gottfriedsen.

Die Gefahr von Leerständen durch die Umzüge der insgesamt sechs Ärzte, die in den Neubau an der Ecke Hohe Mühle/Feldstraße einziehen wollen, sieht er nicht. „Es gibt andere Anbieter, für die die Räume gut sind“, meint Gottfriedsen und denkt dabei an Sanitätshäuser und medizinische Beratungsstellen.

Gottfriedsen will in erster Linie „vernünftige Medizin machen“. Er bedauert, dass es durch die Vorgehensweise der Verwaltung zu Verwirrungen gekommen ist. „Das hätte geordneter ablaufen müssen“, kritisiert der 58-Jährige. Viele Chancen habe Rahden in der Vergangenheit vertan, sagt Gottfriedsen. Nun müsse die Versorgung langfristig gesichert werden. „Wenn jetzt nichts passiert, mache ich in siebeneinhalb Jahren in Pr. Ströhen dicht“, erklärt der Hausarzt. Für die Gemeinschaftspraxis sichert er seine Arbeitskraft noch für zehn Jahre zu.

Für die Pr. Ströher gibt Gottfriedsen Entwarnung: Auf dem Land sei auch der moralische Aspekt wichtig, so der Arzt. „Nur wegen des Geldes gebe ich meine Praxis nicht auf“, unterstreicht er, dass er schon Angebote aus Niedersachsen ausgeschlagen habe, wo Ärzte mehr Geld bekommen würden. Immerhin habe er seine Einrichtung seit 2003 – und Verantwortung. Daher hat sich Gottfriedsen überlegt, die Praxis in Pr. Ströhen in der Übergangszeit als Filiale an wenigen Tagen in der Woche zu führen. „So können wir den Bewohnern, die nicht mehr so fit sind, lange Fahrten ersparen“, erklärt er.

Perspektivisch kann er sich wieder einen durchgehenden Betrieb vorstellen, wenn das Ärztehaus erstmal aufgebaut ist. Möglicherweise werde es weitere Interessenten geben, meint Gottfriedsen. Er setzt dabei auf Assistenzärzte aus dem Krankenhaus, die ihre Praxiszeit bei ihm machen könnten – Gottfriedsen verfügt über die nötige Weiterbildungsberechtigung.

Auch die Kooperation zwischen der Ruhruniversität Bochum und den Mühlenkreiskliniken sieht er als gute Möglichkeit, Medizinstudenten in die Region zu holen. Dann sei aber die Stadt gefordert, diese mit guten Angeboten im Mühlenkreis zu halten.

Sein Konzept will Gottfriedsen beim Dorfabend in Pr. Ströhen vorstellen. Ab 19.30 Uhr wird er Donnerstag im Gasthaus Buschendorf Fragen beantworten.

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