Harting zeigt, wie „Industrie 4.0“ im Unternehmen funktioniert / Vernetzung im Fokus / Keine Angst vor Datenspionage

Wenn der Bediener zum Bedienten wird

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Uwe Hässler (r.) arbeitet seit 2013 in der Abteilung von Volker Franke mit der FlexiMon-Anlage.

Espelkamp - Mit der vierten industriellen Revolution gehen individuellere und flexiblere Produktionsabläufe einher, Abteilungen verschmelzen miteinander. Das machten Vertreter der Harting-Technologiegruppe gestern deutlich: Sie präsentierten die „Industrie 4.0“ und zeigten, wie sie im Unternehmen realisiert wird. „Ein spannendes Thema mit Chancen und Herausforderungen“, findet Detlef Sieverdingbeck, Zentralbereichsleiter Publizistik und Kommunikation.

In der Smart-Factory wird bei Harting die maßgeschneiderte Produktion der neuen Generation nachgestellt. Anhand des flexiblen Montagekonzepts FlexiMon wird in dem Forschungsprojekt getestet, wie „Industrie 4.0“ aussehen kann: Mittels vollautomatischer Abläufe und kleinen Robotern mit individuellen Aufgaben werden in der intelligenten Firma Steckverbindungen nach Kundenwünschen gefertigt – in einer real-physischen Maschine, die als Demonstrationsobjekt dient.

Nach wie vor sei aber die Kompetenz des Personals gefragt, macht Dr. Volker Franke deutlich. Auch wenn sich die Berufsfelder und Aufgaben wandeln. „Sicher fallen Tätigkeiten weg. Aber die Lösungen müssen entwickelt werden“, so der Geschäftsführer des Bereichs der angewandten Informationstechnologien. „Unsere Mitarbeiter sind dafür der entscheidende Erfolgsfaktor“, unterstreicht Franke.

Es ginge in erster Linie darum, die Fähigkeiten der geschulten Fachkräfte in Interaktion mit den Maschinen zu bringen. Die Vernetzung sei entscheidend, macht Dr. Michael Baumeister, Werkleiter Electronic und Electric, deutlich. In interdisziplinären Teams würde Harting schon heute gemeinsame Lösungen entwickeln, berichtet er. So hätten die Mitarbeiter ein Bedien-Pad konstruiert, mit dem sie „vom Bediener zum Bedienten werden“, beschreibt Baumeister. Über eine App bekommen die Angestellten digitale Analysen und Infos über eine Maschine und deren Prozesse, um eine schnelle Entscheidung für den weiteren Ablauf treffen zu können. „Das bedeutet mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit Zeit- und auch Kostenersparnis“, sagt Baumeister.

Dass die neuen Technologien bei den generell technikaffinen Mitarbeitern mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren auch Berührungsängste auslösen, wissen die Verantwortlichen. Dafür gibt es bei Harting das Projekt „Facebook trifft Erfahrung“, in dem sich die langjährigen Angestellten mit Trainees austauschen. Denn das reine Abteilungsdenken funktioniert laut Baumeister nicht mehr – „man muss nach vorne und hinten schauen“.

„Wissen ist keine Einbahnstraße“, erklärt Sieverdingbeck zur Vernetzung über die einzelnen Bereiche hinaus. „Die Denkweisen ändern sich“, sagt auch Sonja Roth, Zentralbereichsplanerin Personal. Eine Spezialistengruppe könnte über einen internen Firmenblog bei Problemen herangezogen werden, zeichnet Roth ihre Zukunftvision für Harting. Dabei spielten die Standorte keine Rolle: „Ein Mitarbeiter in Indien hat vielleicht eine passgenaue Lösung für ein Problem in Espelkamp“, so Roth.

Den sich immer stärker abzeichnenden Wandel hat Uwe Hässler bereits miterlebt. Er gilt bei Harting als positives Beispiel für lebenslanges Lernen. Der 58-Jährige hat 1990 als Elektriker bei Harting angefangen und sich zum IT- und Netzwerkspezialisten fortgebildet. „Ich bin Autodidakt und technisch sehr interessiert“, erklärt er seine Motivation. Die größte Veränderung sieht Hässler in der Geschwindigkeit: „Das Tempo der Veränderungen hat sich erhöht. Man muss sich schneller auf Neues einstellen“, so der Facharbeiter.

Gleiches gelte für die Kundenanforderungen, sagt Franke. „Eine Bestellung muss schnell bearbeitet werden und individuelle Lösungen bieten.“ Das erfordere eine hohe Dynamik in der Produktion, so Franke weiter. Mit den verbesserten Bedienmodulen an den Maschinen in Form von Touchscreens biete Harting seinen Mitarbeitern eine Hilfestellung bei täglichen Routinearbeiten. Wie „Industrie-4.0“-Lösungen im Unternehmen noch umgesetzt werden, wird im Bereich der Druckguss-Werkzeuge deutlich. Dort erklärt Sascha Päschel von der Geschäftsfeldentwicklung IT-System-Integration eine mobile Anlageninventur-Applikation: „Durch die teilautomatisierte Inventur passieren weniger Fehler und die Listen fallen weg.“ Der neue Inventur-Prozess wird bei den Transpondern eingesetzt und vereinfacht dort die Bestandsaufnahme, weil diese mit der Maschinennutzung einhergeht.

Angst vor Spionage gibt es bei Harting nicht. „Wir haben eine gute IT-Sicherheit und arbeiten innerhalb unserer eigenen Firewall“, sagt Sieverdingbeck. Seiner Meinung nach würden die Möglichkeiten durch Angst nur eingeschränkt und dadurch der „never-ending Prozess ‚Industrie 4.0‘ gebremst“.

abo

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