Geffert zeigt sich als exzellenter Organist

Orgelkonzert mit Hand und Herz

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Konzertorganist Johannes Geffert entlockte der Schuke Orgel in Pr. Ströhen ungeahnte Wohlklänge.

Pr. Ströhen - Von Ralf Kapries. Den virtuosen Höhepunkt der Reihe „Orgelsommer 2015“ setzte am Sonntagabend der Kirchenmusiker Johannes Geffert aus Bonn in der Immanuel-Kirche Pr. Ströhen. Es ist wohl nur familiären Kontakten zu verdanken, dass Geffert zwischen Berlin und Solsona (Spanien) einen Abstecher in die 2000-Seelen-Gemeinde machte, um vor einem Publikum von gut 40 Zuhörern ein Orgelkonzert der Spitzenklasse zu geben. Der Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation an der Hochschule für Musik Köln ist heute weltweit als Konzertorganist tätig. Künstlerische Vielseitigkeit spiegelt sich im Repertoire seiner 25 LP- und CD-Produktionen wider.

Vor Beginn seines Programms „Musik aus vier Jahrhunderten“ stellte Geffert die ausgewählten Werke vor. Den Rahmen bildeten zu Anfang das Präludium in Es-Dur von Georg Dietrich Leyding (1664 bis 1710), das Geffert mit festlichen Trompeten registrierte. Den Schluss bildete das „Final“ von Louis Vierne (1870 bis 1937), bei dem man – so Geffert – die Orgel „auch mal richtig schön rauschen lassen“ könne.

Wieder ist es seiner oft gelobten Kunst des Registrierens zu verdanken, dass das ursprünglich für große Kathedralen komponierte Werk auch in der kleinen Kirche mit der Schuke-Orgel angemessen erklang und einen Eindruck von Größe entfalten konnte. Auf einem soliden, aber keineswegs dröhnenden Bass-Fundament, entwickelten sich die kraftvollen, strahlenden Töne des Finales.

Dazwischen entfaltete sich ein Reigen sommerlicher Werke, in denen der Vogelgesang eine große Rolle spielte. So entwickelte sich eine weitere Besonderheit dieses Konzertes. Um das helle Zwitschern der Vögel darzustellen, konnte Geffert die Aliquoten-Register der Orgel solistisch verwenden. Diese hohen Flötentöne werden normalerweise nur zur Klangfärbung der Grundtöne eingesetzt und verleihen den Prinzipalen durch das Hinzufügen weiterer Obertöne eine größere Strahlkraft.

Mit der „Aria bizarra del rossignol“ huldigte Alessandro Poglietti (1641 bis 1683) dem eigenwilligen Lied der Nachtigall. Zu den hohen Flöten passte gut Gefferts Einsatz der gedeckten mit ihrem typischen „Düt“ des Einschwingtones und erweckten den Eindruck eines sommerlichen Liedes.

Bei dem Choral „Vater unser im Himmelreich“ (EG 344, mit einem Text von Martin Luther) arbeitete Geffert mit einem stimmigen Wechsel aus warmen Flötentönen der Labial-Register und den etwas schärfer klingenden Zungen-Registern, die eigentlich eine größere Durchsetzungfähigkeit haben. Durch geschickte Kombination gelang Geffert ein gleichberechtigter Dialog der Stimmen.

Den Eindruck eines Festes mit Tanz und Gesang erweckte das Scherzo g-moll von Eugene Gigout (1844 bis 1925). Teilweise im Walzerrhythmus entwickelte sich der Widerstreit zwischen dem lebensfreudigen, optimistischen Sanguiniker, dessen überschäumende Lebensfreude immer wieder durch den bedächtigen Melancholiker gebremst und dadurch in akzeptablen Bahnen gehalten wird.

Die Taube schien heftig mit den Flügeln zu schlagen, als sie im „Vogelarium für Orgel“ von Andreas Wilscher (geboren 1955) mit dem Ölzweig im Schnabel zur Arche zurückkehrte. Wilscher hat mehrere Vogelimpressionen nach biblischen Motiven komponiert. Der Spatz hüpfte mit Gezwitscher durch die Aliquoten und vereinigte sich zu einer ganzen Schar munter tschilpender Artgenossen. Gefferts Auswahl endete mit den Raben, die als einzige in der zerstörten Stadt bleiben, musikalisch dokumentiert auf eine Basis nasal und eher düster klingender Register.

Johannes Geffert präsentierte sich in Pr. Ströhen als exzellenter Organist, dessen Klanggestaltung durch seine einfühlsame Registrierung besticht. Unter Verzicht auf überflüssige Effekte entsteht dabei ein abwechslungsreiches Wechsel- und Zusammenspiel der gewählten Stimmen. In seiner Darbietung verbinden sich „Hand und Herz“ – bei aller technischer Brillanz stellte dieses schöne und hörenswerte Konzert auch eine spirituelle Bereicherung dar. Die Idee vom Lob Gottes in der Natur entfaltet sich in der frohen Lebensfülle des Sommers.

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