Mit Friedrich-Wilhelm Starke verabschiedet sich einer der letzten Schuhmacher in den Ruhestand

Werkstatt schließt nach 80 Jahren

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Ein letztes Mal stand Friedrich-Wilhelm Starke gestern an seiner Poliermaschine. Jahrelang gehörte sie zum Alltag des Schuhmachermeisters. Nun geht er in den wohlverdienten Ruhestand.

Rahden - Von Katharina Schmidt. Schuhmacher Friedrich-Wilhelm Starke hat in seiner Werkstatt an der Mindener Straße in Rahden unzähligen Schuhen zu neuem Glanz verholfen. Nun hat er das Geschäft geschlossen. Der 65-Jährige verabschiedet sich in seinen Ruhestand – und trennt sich von jahrelangen Wegbegleitern wie seiner Poliermaschine oder einer speziellen Presse. Starkes letzten großen Arbeitsgeräte wurden gestern abgeholt.

Damit verschwindet eine der letzten Schuhmacher-Werkstätten aus der Region. Denn einen Nachfolger hat Starke nicht gefunden. „Ich habe gesucht, aber keinen gefunden“, bedauert der 65-Jährige. Schuhmacher sei ein aussterbender Beruf, es gebe kaum Auszubildende.

Die Mentalität vieler Käufer hat sich laut dem Schuster gewandelt, hin zu einer „Wegwerfgesellschaft“. Anstatt Geld für gute Schuhe auszugeben, würden oft billige Modelle gekauft, deren Reparatur sich nicht lohne.

Als Starkes Vater Wilhelm das Geschäft am 9. Dezember 1935 eröffnet hat, war das noch anders. Wilhelm Starke führte den Laden 40 Jahre lang, bevor er ihn im Oktober 1975 in die Hände seines Sohns übergab. Dieser verstand sein Handwerk: Mit 14 Jahren hatte Friedrich-Wilhelm Starke eine Lehre zum Schuhmacher in Espelkamp begonnen. Seinen Meisterbrief erhielt er sieben Jahre später im August 1971.

Zudem war Starke von 1998 bis 2010 Obermeister der Schuhmacherinnung Minden-Lübbecke beziehungsweise später Herford-Minden-Lübbecke. Im Anschluss wurde er zum Ehrenobermeister ernannt.

Wie sein Vater führte Friedrich-Wilhelm Starke das Geschäft an der Mindener Straße vier Jahrzehnte lang. Dabei war nicht immer pünktlich Feierabend, erinnern sich er und seine Frau Angelika, die ihn bei seiner Arbeit immer unterstützt hat. Manchmal hätten sie bis in die Nacht in der Werkstatt gesessen.

Auch die Art der Arbeit hat sich laut dem Ehepaar mit den Jahren geändert. Früher wären mehr Kunden gekommen, um ihrer Schuhe neu besohlen zu lassen. In den vergangenen Jahren habe es hingegen häufiger „Kleinkram“ zu erledigen gegeben, zum Beispiel Reparaturen an Taschen oder die Änderung von Stiefelschäften.

Aus der Werkstatt wird jetzt eine Mietwohnung. Bis Silvester wollen Angelika und Friedrich-Wilhelm Starke das ehemalige Geschäftsgebäude komplett ausräumen. Schon jetzt ist es fast leer, bis auf kleinere Werkzeuge und vereinzelte Schuhpaare, die von ihren Besitzern vergessen wurden.

Seine neu gewonnene Zeit will Friedrich-Wilhelm Starke nutzen, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Ihm schwebt zum Beispiel vor, öfter mit seinen Enkeln zu spielen. „Langweilig wird mir nicht“, ist er sich sicher.

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