Arbeitsstunden als Strafe nach Drogenfund

Freundin und Job weg, vom Gericht verurteilt

Rahden / Diepholz - „Die Drogen haben mir nur Schlechtes gebracht.“ Das hat ein 19-Jähriger aus Espelkamp auf bittere Weise erfahren müssen. Nachdem er zunächst seinen Job und dann seine Freundin wegen Marihuana-Konsums verloren hatte, wurde er bei dem Besuch einer Diskothek in Diepholz im Dezember vergangenen Jahres mit insgesamt 12,7 Gramm, aufgeteilt auf 13 Tütchen, erwischt. Dafür musste er sich jetzt vor dem Amtsgericht in Rahden verantworten.

„Ja, ich hatte Marihuana dabei, als wir feiern wollten“, gab der junge Mann zu, schränkte sein Eingeständnis jedoch schnell ein: „Ich wusste aber nicht, dass das Zeug in meiner Jackentasche ist.“ Er habe es dort vor seinen Eltern, bei denen der 19-Jährige lebt, verstecken wollen. Bei der Durchsuchung vor dem Disko-Besuch hätten die Türsteher die Drogen dann gefunden und die Polizei alarmiert. Weitere fünf leere Tüten, die der zum Tatzeitpunkt noch Minderjährige bei sich hatte, versuchte er, in seinen Schuhen zu verstecken. „Das hätte ja doch nur Nachfragen gegeben“, begründete er sein Verhalten.

Dass er das Marihuana lediglich zum Eigenbedarf bei sich hatte, glaubten Richter Schebitz und die Staatsanwältin dem Angeklagten nicht. Sie gingen davon aus, dass der Mann den Stoff in der Diskothek weiterverkaufen wollte. „Die Art und Weise, wie Sie den Stoff bei sich geführt haben, lässt darauf schließen, dass der Verkauf geplant war“, so Schebitz. Zuvor hatte die Staatsanwältin erklärt, dass sie trotz einer Vorstrafe wegen Sachbeschädigung aus dem Jahr 2012 nichts gegen die Einstellung des Verfahrens einzuwenden hätte, „aber nicht, wenn Sie hier Märchen erzählen“. Da der Angeklagte angegeben hatte, dass der Marihuana-Geruch seine Eltern skeptisch hätte machen können, ging die Staatsanwältin davon aus, dass der Mann sehr wohl gewusst habe, dass der Stoff in seiner Jacke war. Auch aufgrund der mitgeführten Menge lautete die Anklage auf unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln.

Da dieser Tatvorwurf nicht nachgewiesen werden konnte, wurde der 19-Jährige wegen Besitzes von Drogen bestraft – und zwar nach Jugendstrafrecht. Dieses wendete Richter Schebitz an, weil er ebenso wie die Staatsanwaltschaft eine Reifeverzögerung zugrunde legte. „Sie leben noch bei Ihren Eltern und haben noch keinen Fuß im beruflichen Leben gefasst“, führte die Staatsanwältin aus. In ihrem Plädoyer beantragte sie eine Arbeitsauflage von 50 Stunden und den Besuch der Drogenberatung.

Inzwischen habe er erkannt, dass er nichts mehr mit Drogen zu tun haben wolle, bereute der Angeklagte die Zeit, in der er regelmäßig gekifft habe. Nach einem Jahr, in dem er regelmäßig Haschisch genommen habe, sei er seit dem Vorfall in Diepholz clean, sagte er aus. Im Rückblick erinnerte sich der 19-Jährige: „Ich habe mich wegen des Kiffens um nichts mehr gekümmert. Deshalb wurde mir auch gekündigt.“

Beratung zur Widerstandsstärkung

Seine Ausbildung zum Maschinenanlageführer möchte der Mann fortsetzen und ist auf der Suche nach einer Stelle. „Ich habe Hilfe bei meinen Eltern gesucht“, so der Angeklagte. Ein Beratungsgespräch bei der Drogenhilfe des Kreises Minden-Lübbecke hatte er bislang allerdings abgelehnt.

Darum wird er nun nicht mehr herumkommen: Richter Schebitz verurteilte den Espelkamper zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie zwei Beratungsgesprächen „zur Stärkung der Widerstandskraft“. „Sie haben selber gemerkt, was Sie sich mit den Drogen verbaut haben. Da Sie bestimmen, wie es in Ihrem Leben weitergehen soll, sollten Sie künftig die richtigen Entscheidungen treffen“, gab der Richter dem jungen Mann mit auf den Weg. Insbesondere solle er mit Blick auf seine berufliche Karriere vernünftige Schlüsse ziehen. 

abo

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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