Frau stiehlt Ring ihrer Schwester: Bewährungsstrafe für Angeklagte

Eine allerletzte Chance

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rahden - Von Katharina Schmidt. Eine 36-jährige Lübbeckerin stahl ihrer Schwester einen Ring im Wert von 3000 Euro und wollte ihr das Schmuckstück nur gegen Zahlung wieder aushändigen – um diesen Fall drehte sich gestern ein Prozess vor dem Amtsgericht Rahden. Die Lübbeckerin und ein Komplize saßen dabei nicht das erste Mal auf der Anklagebank. Beide haben schon mehrfach gestohlen, um ihre Drogensucht zu finanzieren. Trotzdem kamen sie noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Angeklagte hat den Ring an sich genommen, als sie ihrer älteren Schwester im Haushalt geholfen hatte. Anschließend sollte ihn ihr Bekannter, ein 33 Jahre alter Lübbecker, der neben ihr auf der Anklagebank saß, verkaufen. Als die Schwester und die Mutter der Angeklagten Verdacht schöpften, verlangten sie den Ring zurück – und versprachen, zu zahlen. Daraufhin trafen sich der 33-Jährige und die Schwestern, um den Ring der ursprünglichen Besitzerin gegen 700 Euro wiederzugeben. Bei der geplanten Übergabe in Stemwede ging die Frau aber mit dem Schmuckstück weg, ohne zu zahlen. Die Übergabe sei eine „Falle“ gewesen, so die als Zeugin geladene Bestohlene.

Seine Beihilfe zur missglückten Tat erklärte der Mittäter mit Mitleid: „Ich wollte ihr damit nur einen Gefallen tun“, erklärte er. Die 36-Jährige sei „aufgelöst und fertig“ gewesen. Dann richtete er sich direkt an die Lübbeckerin: „Ich habe dir tausend Mal gesagt, dass ich das nicht will.“ „Ich habe ihn halt überredet“, gab diese daraufhin zu.

Die Mutter der Schwestern beschuldigte jedoch vielmehr den Lübbecker, einen schlechten Einfluss auf ihre jüngere Tochter zu haben, statt umgekehrt. Als ihre Tochter nach Lübbecke gezogen sei, sei sie clean gewesen. Als sie dann den Lübbecker traf, habe sie auf eine Freundschaft gehofft – das was ihr in der neuen Heimat bis dato gefehlt habe. Doch der Mann stiftete die 36-Jährige zum Klauen und Drogenkonsum an, meinte die Mutter.

Die Angeklagte hat 14 Einträge im Strafregister, erinnerte Richter Hagenkötter – in erster Line Diebstähle, um an Geld für Kokain, Speed, LSD und Ecstasy zu kommen. Mittlerweile nimmt sie unter ärztlicher Aufsicht Methadon, um von Drogen loszukommen. Bald starte sie eine Therapie. Sie steht ebenso wie der Komplize ihrer jüngsten Tat auf Bewährung. Mittlerweile haben die beiden keinen Kontakt mehr.

Auch der 33-Jährige, ebenfalls drogenabhängig, ist vor Gericht kein Unbekannter. Ähnlich wie bei seiner Bekannten reihen sich in seinem Vorstrafenregister Diebstähle aneinander. Ein Raub war gestern auch Teil des Prozesses.

Neben der Mithilfe am Diebstahl des Rings wurde dem Lübbecker Folgendes zur Last gelegt: Er soll einen Mann, dem er gegen Essen und etwas Geld im Haushalt geholfen hat, Schmuck gestohlen haben. „Er war immer für mich da“, beschrieb der Angeklagte das Verhältnis zwischen sich und dem Geschädigten. Aber irgendwann habe er keine Lust mehr gehabt, „den Diener zu spielen“ und sei nicht mehr zu Besuch gekommen. Gestohlen habe er nichts: „Ich kenne die Sachen noch nicht einmal.“ Das Verfahren wurde eingestellt.

Blieb noch der Diebstahl unter den Schwestern beziehungsweise die Beihilfe zu diesem. Die Staatsanwältin und der Verteidiger der Angeklagten plädierten für eine Bewährungsstrafe und verwiesen auf die Sucht der geständigen Täter. Der Verteidiger des Mannes forderte Freispruch für seinen Mandanten – es fehlten Beweise, dass er gewusst habe, dass der Ring Diebesgut war.

Richter Hagenkötter verurteilte die Frau zu neun, den Mann zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Positive Sozialprognosen retteten sie vor dem Gefängnis. „Sollten Sie noch ein einziges Mal auftauchen, können Sie sich sicher sein, dass Sie keine Bewährung mehr bekommen“, machte Hagenkötter der 36-Jährigen deutlich. Ähnliche Worte richtete er an den Mann. Es sei seine „allerallerletzte Chance“.

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