Flüchtlingsbeauftragte Cornelia Riemer-Griebel über ihre Arbeit und Wünsche

„Ich kann nicht alles lösen“

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Für die Flüchtlinge ist Cornelia Riemer-Griebel (l.) eine wichtige Ansprechpartnerin. Im Café International bespricht sie mit Helfern und Asylbewerbern wie (v.l.) Yasaman, Armine, Sadaf, Astrid Lüttermann, Heike Wilhelm und Mustafe Probleme.

Rahden - Von Anika Bokelmann. Große Hoffnungen setzen die Flüchtlinge in die Betreuer, die sich in Rahden um ihre Integration kümmern; insbesondere in Cornelia Riemer-Griebel. „Ich kann nicht alle Probleme lösen“, sagt Riemer-Griebel. Seit Anfang des Jahres ist sie als Flüchtlingsbeauftragte bei der Stadt angestellt und arbeitet seitdem als Bindeglied zwischen den Flüchtlingen, der Verwaltung, den sozialen Einrichtungen und den Kümmerern.

Die Asylbewerber hätten sich sehr gefreut, als sie von der neuen Position RiemerGriebels erfahren haben, so die Flüchtlingsbeauftragte, die sich schon länger ehrenamtlich in ihrer Heimatstadt engagiert. Der erste direkte Kontakt zu Flüchtlingen liegt ihren Aussagen zufolge gut anderthalb Jahre zurück. Damals habe sie Wohnraum vermietet. „Seit August kümmere ich mich intensiv und ehrenamtlich um Flüchtlinge“, sagt Riemer-Griebel. Ihr Interesse, sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen, rühre möglicherweise aus der Zeit nach dem Studium. „Damals habe ich im Ausland unter anderem in muslimischen Familien gelebt“, berichtet Riemer-Griebel.

Jetzt studiert sie nicht nur nebenberuflich Integrationsmanagement in Bielefeld, sondern koordiniert Sachspenden und Aufgaben der Betreuer und vermittelt die Flüchtlinge zu den Anlaufstellen der Tafel und der Kleiderkammer. Seitdem die dreifache Mutter die Aufgabe der Betreuerin als geringfügig Beschäftigte angetreten hat, arbeitet sie intensiver mit dem Sozialamt zusammen. „Außerdem kenne ich fast alle Flüchtlinge – wenn auch nicht alle namentlich, aber zumindest ihr Gesicht“, berichtet Riemer-Griebel. Sie schaut sich unter anderem die Wohnungen an, bevor sie mitentscheidet, für welche Asylbewerber diese geeignet ist. „Nicht jeder Flüchtling passt in gerade diese Nachbarschaft“, weiß die engagierte Frau.

„Die Kümmerer opfern viel Frei- und vor allem Lebenszeit“, zollt sie dem Engagement der Rahdener Respekt. Daher achte sie genau darauf, wem sie welche Aufgaben übertrage. Derzeit engagieren sich laut Riemer-Griebel rund 60 Personen ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit. Zum Erfahrungsaustausch kommen die Kümmerer im Café International zusammen.

Das vom CVJM initiierte Angebot läuft dienstags von 14 bis 16 Uhr und mittwochs von 18 bis 21 Uhr für alle Interessierten und ist gerade bei den Flüchtlingen zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Besonders geschätzt wird das freie W-Lan, weiß Riemer-Griebel. Aber auch die Fahrradwerkstatt sei ein wichtiger Bestandteil, weil das Rad das einzige Fortbewegungsmittel für Flüchtlinge sei.

Derzeit suchen die Helfer händeringende nach Kindersitzen für die Räder. „Denn bevor die Flüchtlinge zu den Deutschkursen kommen, bringen sie den Nachwuchs in den Kindergarten“, so Riemer-Griebel. Auf der Liste der Sachen, die in gebraucht werden, stehen ferner Küchengeräte wie Mixer, Wasserkocher, Suppenlöffel sowie Bügeleisen und Geschirrtücher. Aber auch der Bedarf an verkehrstüchtigen Rädern besteht weiterhin. Wer etwas spenden möchte, kann sich mit der Flüchtlingsbeauftragten oder dem Ordnungsamt in Verbindung setzen. Demnächst wird es feste Zeiten für die Annahme von Sachspenden geben, verrät Riemer-Griebel.

Wenn bei den Treffen der Ehrenamtlichen Probleme oder neue Ideen besprochen werden, tritt Cornelia Riemer-Griebel mit der Stadt in Verbindung. „Bei den zahlreichen Aufgaben muss einfach ein guter Austausch stattfinden“, so die 46-Jährige, denn: „Es gibt immer etwas zu tun.“ Wie beispielsweise die Planung des Willkommensabends, der in Rahden seine Premiere gefeiert hat. Auf Arabisch, Afghanisch und Englisch hätten die Flüchtlinge Infos zu den gängigen Verhaltensregeln bekommen. „Außerdem gab es Handzettel auf weiteren Sprachen“, berichtet Riemer-Griebel über den Abend, der einmal im Monat wiederholt werden soll. Denn ab März rechnet die Verwaltung mit weiteren Flüchtlingen – aktuell leben 377 Asylbewerber in Rahden.

Deren größtes Problem, abgesehen von den Erlebnissen in ihren Heimatländern und einer ungewissen Zukunft, ist laut Riemer-Griebel das Warten. „Seit sechs Monaten geht es für viele nicht weiter“, sagt Riemer-Griebel. „Ich werde oft gefragt, ob ich nicht mit den Betroffenen zum Amt fahren und dort an die Tür klopfen könne“, bedauert die Flüchtlingsbeauftragte, dass auch sie in diesem Fall machtlos ist.

Während die Männer und Frauen auf ihr Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Bielefeld warten, können sie lediglich die Deutschkurse besuchen. Neben den Seminaren der Volkshochschule gibt es in Rahden weitere für alle Flüchtlinge, gleich welcher Herkunft. „Erst wenn Deutschkenntnisse vorhanden sind, haben Flüchtlinge eine Chance auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Riemer-Griebel. Bis dahin unterstützt sie die Männer und Frauen bei der von ihr als Erstintegration bezeichneten Arbeit: Dazu gehört die Einrichtung von Zimmern oder Wohnungen, Kindergarten- und Schulbesuche, Begleitung zu Sportaktivitäten und der Kontakt zu anderen Flüchtlingen sowie Rahdener Bürgern.

„Die Menschen sollen aufeinander zugehen und sich gegenseitig eine Chance geben“, wünscht sich Riemer-Griebel und auch, dass bereits integrierte Flüchtlinge bleiben. „Wer Hilfe bei dem ersten Schritt braucht, kann sich an uns wenden“, lädt sie alle Interessierten ins Café International ein.

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