Angebote der Arbeitsgruppe Pro Asyl werden gut angenommen

Flüchtlinge: Drang zur Selbstständigkeit wächst

Rahden - Rund 350 Flüchtlinge wohnen derzeit in Rahden. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Pro Asyl des Rahdener Präventionsrates helfen ihnen, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden, Deutsch zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Dass die Arbeit Früchte trägt, wurde beim jüngsten Treffen des Gremiums im Gemeindehaus deutlich.

Ein wesentlicher Punkt war die zunehmende Selbstständigkeit vieler Zuwanderer. „Der Drang zur Selbstständigkeit setzt sich durch“, hatte eine „Kümmerin“ bei der von ihr betreuten Familien festgestellt. Die Bereitschaft und auch der Wunsch, Dinge selbst zu zahlen, wachse.

Eine Entwicklung, die Mitglieder der Arbeitsgruppe fördern und fordern. So müssen die Teilnehmer des vom Arbeitskreis organisierten Fußballtreffens ihre Fußballschuhe mittlerweile selbst beschaffen und zahlen. Die ersten Paare wurden ihnen geschenkt. Derzeit kicken 25 bis 35 Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern bei den regelmäßigen Treffen mit.

Ein weiteres gut angenommenes Angebot ist das YMCA Café International, ein Dreh- und Angelpunkt für Asylbewerber, Kümmerer, Deutschlehrer und Interessierte. Laut der Mitorganisatorin Christina Zimmermann kommen dienstags in der Regel um die 20 Gäste. Mittwochs seien es sogar deutlich mehr. Stress und Konflikte gebe es dabei kaum. Weitere Mitglieder berichteten außerdem über die Montagstreffen für Frauen und Kinder im katholischen Gemeindehaus sowie von dem von Dr. Ali Mahdi organisierten Austausch zwischen syrischen Männern.

Zur Integration gehört nicht nur Austausch, sondern auch das Erlernen der Deutschen Sprache. Über die Deutschkurse des Präventionsrates informierte Christina Zimmermann. „Es ist vieles im Umbruch“, erzählte sie. Mittlerweile gebe es viele andere öffentliche Angebote. Daher seien ein paar Kurse zusammengelegt worden. Jeder umfasse nun sechs bis zehn Teilnehmer. Derzeit gibt es somit einen Kursus zur Alphabetisierung, drei Einsteiger-Kurse auf etwas höherem Niveau und ein Angebot für Fortgeschrittene.

Zimmermann wies drauf hin, dass dringend Deutschlehrer gesucht würden. Wer Interesse hat, Flüchtlinge zu unterrichten, kann sich bei ihr melden (per E-Mail an c.c.zimmermann@web.de oder unter 05771 / 5736).

Neben den Deutschlehrern gibt es Cornelia Riemer-Griebel zufolge derzeit etwa 30 offizielle „Kümmerer“.

Hohe Hilfsbereitschaft

Viele Rahdener würden darüber hinaus zum Beispiel durch Nachbarschaftshilfe zur Integration beitragen. Diese Menschen bezeichnete Griebel als „verstecke Kümmerer“. „Wir haben festgestellt, dass die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, eigentlich überall ist“, meinte Rahdens Flüchtlingsbeauftragte.

Bei dem Treffen der Arbeitsgruppe informierte Angel Fiol von der Espelkamper Beratungsstelle Hexenhaus zudem von dem sogenannten Dublin-Verfahren. Dieser völkerrechtlicher Vertrag regelt, in welchem Land ein Flüchtling untergebracht wird.

Wer den Rahdener Präventionsrat tatkräftig oder auch finanziell unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 05775/966410 oder per E-Mail an info@praeventionsrat-rahden.de bei den Verantwortlichen melden.

Die aktuelle Situation:

Von den 347 Flüchtlingen in Rahden befinden sich 302 in einem laufenden Asylverfahren, der Rest wird gedultet. Seit Anfang des Jahres verzeichnete die Stadt 39 Zugänge. Demgegenüber stehen 54 Abgänge, zum Beispiel durch freiwillige Ausweisungen und Umverteilung. Bei manchen ist der derzeite Aufenthaltsort auch unbekannt. Abschiebungen gab es laut Michael Duffe vom Amt für Ordnung und Soziales bisher keine. 

Einen Versuch hab es gegeben, aber durch Eigenverletzung wurde die Abschiebung abgebrochen. Die Betroffenen sind nicht mehr in Rahden. Unter den Geflüchteten befinden sich 33 Familien mit 90 Kindern. 199 sind Einzelpersonen. Die Wohnsituation wurde in den vergangenen Wochen durch Umzüge entzerrt. Die Stadt hat mittlerweile 42 Wohnungen angemietet. Hinzu kommen vier eigene Immobilien, die für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Insgesamt hat Rahden seine Asylbewerberquote zu 100 Prozent erfüllt. 

ks

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