24-Jähriger muss wegen Vollrausches 900 Euro zahlen

Flasche Whisky ausgetrunken

Rahden - Von Melanie Russ. Er wollte nach eigener Aussage nur mal probieren, wie Whisky schmeckt, und hat es dabei reichlich übertrieben. Ein 24-jähriger Mann aus Espelkamp musste sich gestern vor dem Amtsgericht Rahden verantworten, weil er in der Silvesternacht 2015/16 in volltrunkenem Zustand mehrere Menschen beleidigt und bedroht haben soll.

Rechtlich belangt werden kann er für letzteres nicht, da er aufgrund des hohen Alkoholkonsums – nach eigener Aussage hatte er eine Flasche Whisky ausgetrunken – aus Sicht von Richter und Staatsanwalt nicht für seine Taten verantwortlich war. Statt dessen wurde er wegen eines fahrlässigen Vollrausches zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. „Sie hätten die berauschende Wirkung erkennen müssen“, hielt ihm Richter Schnasse in der Urteilsbegründung vor. Ähnlich hatte zuvor der Staatsanwalt argumentiert, der bei der Strafmaßforderung zugunsten des Angeklagten wertete, dass dieser bisher noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war und den hohen Alkoholkonsum eingeräumt hatte. Auch die Entschuldigung in Richtung seiner Opfer während der Verhandlung hielt der Staatsanwalt für glaubwürdig.

Laut Anklageschrift hatte der 24-Jährige in der Silvesternacht zwei sechs und zehn Jahre alte Kinder sowie mehrere Erwachsene mit „I kill you“ (Ich töte dich) bedroht und einer 35-jährigen Espelkamperin von hinten eine Wunderkerze zwischen die Beine gehalten. Später sei er auf der Straße zusammengebrochen, Polizisten hätten ihn anschließend in seine Wohnung gebracht, so der Staatsanwalt.

Der Angeklagte berichtete, er habe zuhause eine Flasche Whisky ausgetrunken und anschließend einen Spaziergang zu einem Kreisverkehr gemacht, an dem Feuerwerk gezündet wurde. Seine nächste Erinnerung sei, dass er sich in seiner Wohnung befand. Wie er da hingekommen sei, wisse er nicht. „Ich werde nie wieder sowas trinken. Es ist das erste Mal, dass mir das passiert ist“, sagte er. Normalerweise trinke er nur am Wochenende ein paar Bier.

Die als Zeugin geladene 35-jährige Espelkamperin berichtete, sie habe etwas zwischen ihren Beinen bemerkt, aufgeblickt und den Angeklagten vor sich gesehen. Sie habe sich bedroht gefühlt und eine Abwehrbewegung gemacht, woraufhin der Mann weggegangen sei in Richtung anderer Gruppen. „Es berührt mich heute immer noch, wenn ich darüber spreche“, beschrieb sie ihren Gemütszustand.

Eine 30-jährige Espelkamperin, deren Kinder der Angeklagte angeschrien haben soll, berichtete, er sei mit Mantel und Hut bekleidet und mit einer Hand in der Tasche aus einem kleinen Waldstück gekommen und habe geschrien: „Paris, Paris, I kill you.“ Dann habe er ihrem sechsjährigen Sohn direkt ins Gesicht geschrien und dabei ein Handy in der Hand gehalten. „Das hat mir Angst gemacht“, so die 35-Jährige. Anschließend sei der Mann zu anderen Gruppen weitergegangen. Aus Gesprächen wisse sie, dass er dort rumgepöbelt und ein Vater ihn zu Boden geschlagen habe, als er dessen Kinder bedroht habe. Selbst gesehen hatte sie das nicht.

Ihr Sohn leidet laut Aussage der Zeugin noch heute gelegentlich unter Albträumen und hat sich in der Schule zurückgezogen. Sie macht sich nach wie vor Sorgen, weil der Angeklagte in ihrer Straße wohnt. Dass er noch nie auffällig geworden ist, mochte sie nicht so recht glauben. Er sei als aggressiv bekannt.

Der Angeklagte bat während der Verhandlung beide Frauen um Verzeihung. „Das ist nicht meine Art. Ich schäme mich sehr“, versicherte er. Der Richter riet dem 24-Jährigen abschließend, sein Versprechen wahr zu machen und künftig die Finger vom Alkohol zu lassen.

Nach der Urteilsverkündung machte die 30-jährige Zeugin ihrem Unmut über das aus ihrer Sicht zu milde Urteil Luft. Sie hatte nach eigenen Angaben erst nach ihrer Aussage in der Verhandlung erfahren, dass der Angeklagte eine ganze Flasche Whisky getrunken haben soll. „Das kann nicht sein“, sagte sie. Er habe ihr an dem Abend genau in die Augen geschaut und sei zu sicher gegangen. „Ich finde es schade, dass er nichts beweisen muss“, sprach sie die laut Staatsanwaltschaft nicht erfolgte Alkoholkontrolle in der Silvesternacht an, weshalb sich das Gericht auf die nach Einschätzung von Richter und Staatsanwalt auch glaubhafte Aussage des Angeklagten stützen musste. Da der 24-Jährige staatliche Unterstützung erhalte, werde er eigentlich gar nicht bestraft, echauffierte sich die Zeugin.

Der Staatsanwalt konnte ihren Ärger zwar verstehen, „wir müssen uns aber an Recht und Ordnung halten“.

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