Espelkamper legt nach stundenlangem Prozess Geständnis ab / Geldstrafe und Fahrverbot

Angeklagter fühlt sich provoziert

+
Mediengruppe Kreiszeitung

Rahden - Ein wegen Nötigung und Körperverletzung angeklagter Espelkamper und sein Verteidiger stießen in der vergangenen Woche vor dem Amtsgericht Rahden eine Diskussion über die Sitzordnung im Gerichtssaal an. Der Angeklagte wollte – offenbar zwecks einer Gegenüberstellung – neben seinen fünf Brüdern sitzen, Richter Hagenkötter war dagegen. Beim Fortsetzungstermin gestern stellte sich heraus, dass die Diskussion nicht zielführend gewesen war: Der Angeklagte durfte zwar neben seinen Geschwistern Platz nehmen, die Zeugen erkannten ihn aber trotzdem. Nachdem der 25-Jährige identifiziert war, legte er ein Geständnis ab.

Der Espelkamper soll laut Anklage im April auf der B239 Richtung Rahden einen anderen Wagen überholt und mit gezielten Bremsmanövern zum Halten gezwungen haben. Ihm wird weiter zur Last gelegt, aus seinem Auto ausgestiegen zu sein und dem Beifahrer des von ihm gestoppten Autos durch eine geöffnete Fensterscheibe ins Gesicht geschlagen zu haben.

Die Aussagen der Insassen des zum Anhalten gezwungenen Autos, vier Rahdener im Alter von 18 bis 20 Jahren, glichen denen der Staatsanwalt. Sie alle erkannten den Angeklagten – mache sofort, andere nach kurzem Zögern.

„Es war nicht der

dollste Schlag“

„Es war nicht der dollste Schlag“, beschrieb der damalige Fahrer, der zum Tatzeitpunkt als einziger in der Rahdener Gruppe nüchtern gewesen war, die angebliche Körperverletzung. Das Opfer, ein 20-jähriger Rahdener, schilderte, dass er den Schlag nicht direkt gespürt habe. Erst im Nachhinein habe er ein „leichtes Stechen“ gemerkt. Die Juristen einigten sich daraufhin, dass lediglich eine versuchte Körperverletzung zu Verhandeln sei.

Die Verteidigung schlug vor, das Verfahren einzustellen. Der Unfall habe keine großen Folgen nach sich gezogen und einig Punkte seien in der Anklage falsch dargestellt worden. „Ich kann da nicht zustimmen“, so der Staatsanwalt.

Er riet dem Angeklagten, seine Sicht auf das Geschehene zu schildern. Da der Espelkamper durch die Zeugen bereits identifiziert worden war, brach er nach einer kurzen Beratung mit seinem Verteidiger sein Schweigen.

Der Fahrer des anderen Fahrzeugs habe ihn überholt und sei anschließend nur langsam weitergefahren. Daraufhin habe er ihn ebenfalls überholt und „maßvoll ausgebremst“, um ihn zur Rede zu stellen. „Er hat noch nicht mal geantwortet“, fuhr der Angeklagte fort. Außerdem hätte der Beifahrer ihn beschimpft und den Mittelfinger gezeigt. Er wollte nur den Finger wegdrücken, so der 25-Jährige.

Überholt und

„maßvoll ausgebremst“

Sein Verhalten war „natürlich nicht in Ordnung“, sah er ein. Er habe sich provoziert gefühlt. „Ich kam von der Nachtschicht und hatte zehn Stunden Arbeit hinter mir.“ Die jungen Zeugen aus Rahden hatten bestritten, den Espelkamper provoziert zu haben.

Der Staatsanwaltschaft hielt die Version des Angeklagten für schlüssig. Die Jugendlichen müssten den Angeklagten Anlass gegeben haben, so zu reagieren. Dass er nur die Hand mit dem ausgestreckten Mittelfinger hatte wegdrücken wollen, nahm er dem Angeklagten jedoch nicht ab. Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 20 Euro und ein Fahrverbot von zwei Monaten.

Der Verteidiger argumentierte, dass auch der andere Fahrer „nicht ganz gentlemanhaft“ gefahren sei und es sicherlich eine Provokation gegeben habe. Das rechtfertige zwar das Verhalten des Mandanten nicht, doch man könne mit 15 Tagessätzen auskommen. Ein Fahrverbot hielt er nicht für notwendig. Sein Mandant sei auf sein Auto angewiesen – unter anderem aufgrund des unzureichenden öffentliche Straßenverkehrs.

Hagenkötters Urteil fiel schließlich härter aus als die Vorschläge der Anwälte. Er verurteilte den Espelkamper zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro und drei Monaten Fahrverbot. Er belehrte ihn, dass es nicht seine Aufgabe sei, andere Menschen zu maßregeln. „Es tut mir leid“, sagte der Angeklagte zum Abschluss des insgesamt etwa sechs Stunden dauernden Prozesses.

ks

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Mindestens zwei Tote bei Protesten in Venezuela

Mindestens zwei Tote bei Protesten in Venezuela

Heidelbeer-Ernte im Heidekreis

Heidelbeer-Ernte im Heidekreis

Tote und Verletzte nach Gebeten in Jerusalem

Tote und Verletzte nach Gebeten in Jerusalem

Seebeben vor Kos versetzt Urlauber in Angst - so sieht die Insel nun aus

Seebeben vor Kos versetzt Urlauber in Angst - so sieht die Insel nun aus

Kommentare