Erinnerung an eine grausame Nacht 

Rahdener gedenken Pogrom-Opfern

Bürgermeister Dr. Bert Honsel (l.) sprach in seiner Gedenkrede ergreifende Worte über den Tag, an dem die Rahdener Synagoge niederbrannte. - Foto: Schmidt

Rahden - Am 10. November 1939 brannten Nationalsozialisten die Rahdener Synagoge nieder, misshandelten Juden und verwüsteten ihre Wohnungen. Ein ähnliches Schicksal hatten Juden im gesamten Deutschen Reich wenige Stunden zuvor in der Pogromnacht erlitten. An die Zerstörung und das Leid erinnerte der Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Rahden“ am Donnerstag mit einem historischen Rundgang auf den Spuren der jüdischen Mitbewohner.

Die Tour unter der Leitung von Claus-Dieter Brüning, Stadtheimatpfleger und Vorsitzender des Arbeitskreises „Jüdisches Leben“, endete mit einer Gedenkrede von Bürgermeister Dr. Bert Honsel neben dem Rathaus – dort, wo einst die Rahdener Synagoge stand.

„Für die jüdische Bevölkerung war diese Nacht ein Albtraum“, sagte Honsel. Der Novemberpogrom sei der erste Schritt auf dem Weg zum Holocaust gewesen, und somit zu den Gaskammern und Brennöfen im Konzentrationslager Auschwitz. „Fassungslos stehen wir vor der Erkenntnis, wozu Menschen fähig sind“, fuhr er fort. Sich Gedanken über solch grausame Taten zu machen sei anstrengend, aber notwendig. „Die Opfer zu vergessen hieße, sie ein zweites Mal zu verachten“, verdeutlichte er.

Der Verwaltungschef verwies darauf, dass Antisemitismus und Rassismus noch heute aktuelle Themen sind. Offene Gewalt, zum Beispiel Brandanschläge, seien dabei nur die Spitze des Eisberges. Es gelte, „den Anfängen jeglicher Diskriminierung zu wehren und sich für Menschenrechte einzusetzen“. Ermutigend findet er, dass wieder Juden in Deutschland leben. Nach allem, was ihren Vorfahren angetan worden sei, sei dies keine Selbstverständlichkeit.

Claus-Dieter Brüning lud abschließend zu der Verlegung von Stolpersteinen mit Daten jüdischer Familien am Sonnabend, 19. November, ein. An diesem Tag werden auch Angehörige der einst verfolgten jüdischen Mitbürger, denen die Steine gewidmet werden, in Rahden erwartet.

Zu Beginn der Veranstaltung um 13 Uhr werden Schüler des Rahdener Gymnasiums im Bahnhof der Stadt eine kleine Vorführung beisteuern. Dem schließen sich Ansprachen an, bevor die Gäste gegen 14 Uhr Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der Steine über die Schulter schauen können. Danach laden die Mitglieder des Arbeitskreises „Jüdisches Leben“ zu einer gemütlichen Kaffeetafel und einer Ausstellung über jüdische Familien in den Bahnhof ein. 

ks

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