Zahlreiche Gratulanten und Gäste feiern Jubiläum der historischen Bildungsstätte

„Die Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht zuende“

Zum Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehen des Museumshofes waren am Sonnabend zahlreiche Gäste nach Rahden gekommen und ließen die Geschichte des Museums Revue passieren. - Foto: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Schönstes Sommerwetter bereicherte am 18. Juni 1966 die Eröffnung des Museumshofes. Auch wenn sich das anlässlich des Festaktes zum 50-jährigen Jubiläum am Samstag nicht wiederholte, so glänzte doch alles festlich. Zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung zum Goldjubiläum gefolgt und lauschten in der Kleinendorfer Schützenhalle den Reden von Bürgermeister Dr. Bert Honsel, Landrat Dr. Ralf Niermann sowie Dr. Thomas Spohn, langjähriger wissenschaftlicher Referent des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Alle lobten die Bemühungen um das Rahdener Freilichtmuseum, das laut Landrat Niermann „ein Vermittler historischen Erbes und Weitergabe regionalen Brauchtums bedeutet“. Das Heimatmuseum sei über die Grenzen Rahdens hinweg bekannt, „ein Publikumsmagnet für alle Generationen sowie ein Imageträger für den gesamten Mühlenkreis“, so Niermann, der die Glückwünsche aus dem Kreistag und der Kreisverwaltung Minden-Lübbeckes ausrichtete. Bislang haben in den 50 Jahren Museumshof mehr als 862 000 Besucher den Ort der Erinnerung besucht und damit gilt die Anlage als beliebtes Ausflugsziel in der näheren und weiteren Umgebung.

Für Rahdens Bürgermeister Honsel übernimmt der Museumshof zwei wichtige Aufgaben: „Auf der einen Seite ist es eine lebendige Erinnerung für die ältere Generation. Auf der anderen Seite gibt es für die jungen Leute einen Einblick in das Leben ihrer Vorfahren“, sagte der Verwaltungschef, der in seinem Rückblick an die Bemühungen des Vorstands der ehemaligen Amtssparkasse und des LWL erinnerte, die den Aufbau des Freilichtmuseums im Schatten der Burgruine von 1962 bis 1966 auch mit finanzieller Unterstützung sowie Wissen ermöglicht hatten.

„Den Stein ins Rollen gebracht hat Alfred Suderow“, wusste Honsel. Der Amtsdirektor des ehemaligen Amtes Rahden und spätere Stadtdirektor hatte viel Handlungsgeschick bewiesen und schlug 1958 den Ausschuss für ein Heimatmuseum vor. Auch lobte Honsel das Engagement Wilhelm Funkes von der Amtsverwaltung und Heinrich Kottenbrinks, dem Ideengeber des Projekts.

Der Rahdener Familienname sei stets eng mit dem Museumshof verbunden, ergänzte Dr. Ralf Niermann. Bis heute bringt sich Heinrichs Witwe Magdalene Kottenbrink mit viel Herzblut für den Museumshof ein. Von 1994 bis 2008 war sie auch die Leiterin des Heimatmuseums.

„Ohne das Ehrenamt wäre der Hof heute nicht in dieser Form hier“, lenkte Dr. Bert Honsel den Blick auf die derzeit 32 Freiwilligen, die bei Aktionstagen und Arbeiten rund um das historische Ensemble tätig sind und ihr Wissen um die Heimatgeschichte an interessierte Besucher weitergeben. „Hier kann man nicht nur Schauen, sondern auch Anfassen“, erklärte Dr. Niermann, dass „Geschichten aus der vorindustriellen Zeit hier erlebbar sind“.

Dr. Thomas Spohn vom LWL warnte jedoch, dass sich das Team nicht auf dem jetztigen Stand ausruhen dürfe. Aus seiner Sicht gebe es „noch genügend Aufgaben, um die Einrichtung weiter zu gestalten“. So meinte der ehemalige LWL-Mitarbeiter, dass den Besuchern nicht nur eine heile Welt aus der Vergangenheit gezeigt werden dürfe. „Erzählen Sie auch von den Schicksalsschlägen, Kindersterblichkeit und Krankheiten“, appellierte er an die Ehrenamtlichen.

Denn, so Spohn weiter, „die Wiedererkennung des Alltäglichen, wie es im Museumshof gezeigt wird, lässt nach“. Die Besucher hätten heute immer weniger Bezug zur Landwirtschaft und so fehle ihnen das nötige Vorwissen, um das Erbe richtig deuten zu können. Wenn dieser Aspekt nicht außer Acht gelassen werde, „dann ist die Erfolgsgeschichte des Geschichtsmuseums noch lange nicht zuende“, ist sich Dr. Thomas Spohn sicher.

50 Jahre Museumshof Rahden

„Ich hoffe, dass die Neugier, Aufmerksamkeit und das Interesse an der regionalen Geschichte in Rahden weiter erhalten bleibt“, wünschte sich der Denkmalpfleger und Inventisator abschließend, bevor die Gäste nach einem Sektempfang unter musikalischer Begleitung der Jagdbläser des Hegerings vom Eulenstieg noch einen Rundgang über das Museumshofsgelände unternahmen und die Gebäude mit den regionalen Besonderheiten betrachteten.

Fotos

Zuvor stimmten die Laienspieler des Volkshochschultheaters Schatulle noch auf das Motto des Aktionstages ein – dieses lautete Hochzeit und in dem Stück „Der Krämerskorb“ von Hans Sachs bekam das Sprichwort „einen Korb bekommen“ gleich einen tieferen Sinn. Viele Lacher und reichlich Applaus für ihre Darbietung erhielten die Laienspieler als Lohn für ihren Beitrag zum Festakt.

Lese Sie auch

Bewohner und Arbeiter besuchen Museumshof: Ein Haus voller Erinnerungen

Mehr zum Thema:

Einzelkritik: Wiedwald wieder ein sicherer Rückhalt

Einzelkritik: Wiedwald wieder ein sicherer Rückhalt

Zittern bis zur letzten Sekunde

Zittern bis zur letzten Sekunde

"TANZ Bremen" der letzten Jahre

"TANZ Bremen" der letzten Jahre

Türkische Konsulate widersprechen Spitzel-Vorwürfen

Türkische Konsulate widersprechen Spitzel-Vorwürfen

Meistgelesene Artikel

Dreijähriges Kind und 34-Jähriger verletzt

Dreijähriges Kind und 34-Jähriger verletzt

Kommentare