Rahden will sich am kreiseinheitlichen Sirenennetz beteiligen

Elektronische Sirenen sollen künftig vor Gefahren warnen

Eine alte Sirene mit Analogtechnik befindet sich auf dem Dach des Rahdener Rathauses. - Foto: Bokelmann

Rahden - Als der Eiserne Vorhang gefallen war, sank in den Augen der Bevölkerung die Wahrscheinlichkeit einer Krise. Daher wurden Sirenen nach und nach weniger. Doch bei lokalen Schadensereignissen und Katastrophen müssen die Bürger gewarnt und informiert werden.

Der Kreis Minden-Lübbecke will daher ein kreiseinheitliches Sirenennetz installieren. Der Haupt- und Finanzausschuss Rahden hat der Kreisverwaltung nun seine Absicht mitgeteilt, dass die Stadt sich an dem System beteiligt.

„Wir müssen sicherstellen, dass ein Großteil der Bevölkerung gewarnt wird“, erklärte Volker Dau als Sachbearbeiter für den Bereich Katastrophenschutz des Kreises in der Sitzung am Dienstagabend. Er erinnerte an die Flutkatastrophe vor einigen Jahren sowie den Brand in der Espelkamper Firma Stanger im Jahr 2006, bei dem Lackdämpfe eine große Bedrohung dargestellt hatten.

Eine Warnung besteht Volker Dau zufolge immer aus zwei Phasen. Zunächst gehe es darum, die Bevölkerung zu wecken: „Es muss Aufmerksamkeit erzeugt werden.“ In der zweiten Phase erfolge die Information über den Fall und das richtige Verhalten. Um möglichst viele Leute zu erreichen, schlägt die Kreisverwaltung ein entsprechendes Warnmittel vor. „Sirenen sind das beste Mittel“, meinte Dau und stellte die unterschiedlichen Modelle vor.

Die alten Luftschutzsirenen mit einer Reichweite von etwa 500 Meter stammen größtenteils aus den 60er-Jahren. „Die bedeuten einen enormen Wartungsaufwand“, so Dau. Von den ehemals 44 Sirenen mit alter Analogtechnik sind im Rahdener Raum dem Sachbearbeiter zufolge noch zehn vorhanden. Diese könnten in das Sirenennetz eingebunden werden. Die sukzessive Ablösung für diese Technik sieht Dau in elektronischen Sirenen mit einem drehbaren Schalltrichter.

Zu den Vorteilen sagte Dau: „Es sind weniger Sirenen nötig und dank Akku- und Solarbetrieb funktioniert die Technik auch ohne Strom.“ Mit nur einer Sirene, die einen Mindestschallpegel von 70 Dezibel haben soll, lasse sich je nach Standort nahezu das gesamte Stadtgebiet erreichen, führte Dau aus.

Für Rahden sieht der Kreis derzeit elf Sirenen vor – kreisweit sind 115 Anlagen geplant (zwölf für Stemwede, zehn für Espelkamp). Eine detaillierte Vermessung steht noch aus. Ersten Planungen zufolge wird ein Abdeckungsgrad von 80 Prozent erreicht.

Die Kosten in Rahden würden sich zwischen 8.000 und 15.000 bewegen – die Summe ist abhängig davon, ob die Sirenen auf einem Spitzdach, einem Teleskopmast oder als Mastsirene installiert werden. „Unser Ziel ist es, die Sirenen auf öffentlichen Gebäuden festzumachen“, sagte Volker Dau. Die Stadtverwaltung hat bereits vor zwei Jahren einen zweckgebundenen Landeszuschuss für den Aufbau des kommunalen Warnsystems in Höhe von 22.089 Euro erhalten, erinnerte Bürgermeister Dr. Bert Honsel. Der Kreis will im Verlauf des Netzaufbaus nun einen Rahmenvertrag über fünf Jahre ausschreiben, in dem die Preise garantiert werden. „In diesem Zeitraum können die kreisangehörigen Kommunen dann die Umsetzung planen“, sagte Dau.

CDU-Fraktionsvorsitzende Bianca Winkelmann ermutigte die Ausschussmitglieder: „Wir müssen die Sicherheit für unsere Bürger auf den neuesten Stand bringen. Wir können nur den besten Preis herausholen, wenn wir uns der kreisweiten Umstellung anschließen“, so Winkelmann. Auch für Gundel Schmidt-Tschech (UFR) steht die Sicherheit der Bevölkerung im Vordergrund.

Günter Meyer (SPD) ärgerte sich über die Kosten. „An anderer Stelle müssen wir dafür sparen. Ich sehe keine Notwendigkeit für das System“, kritiserte Meyer. Schließlich gebe es Meldungen im Radio, wenn etwas passiere. „Ich warne vor dem Tag, wo ein solcher Alarm nötig wäre und wir nichts gemacht haben“, unterstrich Bürgermeister Honsel die Notwendigkeit, die aus seiner Sicht besteht. „Das ist eine Investition über Jahrzehnte“, so Honsel.

Hans-Eckhard Meyer (FDP) dachte die Pläne weiter und fragte nach Folgekosten durch Wartungsarbeiten. „Die Wartung muss natürlich sichergestellt sein. Das übernehmen die Sirenenanbieter und kann wegen der komplizierten Technik nicht von heimischen Firmen gemacht werden“, erklärte Dau, der aber noch keine Zahlen auf die Nachfrage liefern konnte.

Ein alternatives Warnmittel steht für Dau außer Frage. Dennoch erwähnte er im Ausschuss mobile Sirenen, die auf Fahrzeuge befestigt werden könnten und so Warnmeldungen verbreiten würden. „Das bedeutet einen hohen Personal- und Zeitaufwand“, begründete Dau seine ablehnende Haltung. Zudem müsse man bedenken, dass die Straßen bei Gefahrenlagen nicht immer befahrbar seien, lenkte Dau den Blick auf Überflutungen. „Außerdem gefährden sich die Einsatzkräfte dadurch.“ - abo

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