Theaterstück klärt Fünft- und Sechstklässler über Online-Sucht auf

Einsam in sozialen Netzwerken

Die Sparkassen-Stiftung „Standort: hier“, vertreten durch Hartmut Jork (v. l.) unterstütze die Theateraufführungen finanziell. Auf der Bühne standen Claudia Kandefer und Stefanie Masnik, die Aufführungen organisiert hatten die Schulsozialarbeiterinnen Claudia Küpper und Ute Spreen-Schlottmann.

Rahden - Jule hat ihr erstes Smartphone bekommen – endlich! Immerhin ist sie fast als letzte aus ihrem Freundeskreis noch mit einem alten Tasten-Telefon herumgelaufen. Ihren neuen Begleiter legt sie kaum aus der Hand. Mit verheerenden Folgen: Sie fängt an, mit Fremden zu schreiben, mit ihrer Mutter zu streiten, die Schule zu schwänzen und Freunde sieht sie nur noch auf dem Bildschirm. Zwar ist Jule nur eine Figur aus einem Theaterstück – doch durch sie lernten die Fünftklässler der städtischen Sekundarschule und die sechsten Klassen des Gymnasiums viel über Online-Sucht.

Der Weimarer-Kultur-Express zeigte in der Aula der Freiherr-vom-Stein-Realschule am Donnerstag zwei Mal das Stück „Online“. Auf der Bühne standen Claudia Kandefer, die Jule verkörperte, und Stefanie Masnik. Letztere schlüpfte abwechselnd in die Rolle von Jules Mutter sowie Freundin Ellie. Die Schauspielerinnen gewannen schnell die Aufmerksamkeit der Kinder und brachten ihnen mit der Geschichte von Jule Gefahren der permanenten Vernetzung näher.

„Ich brauche keine Therapie, ich brauch mein Smartphone“, ist Jule (l., Claudia Kandefer) überzeugt. Ihre Mutter (Stefanie Masnik) sieht das anders. - Fotos: Schmidt

Im Anschluss reflektierten die Schüler das Stück mit den Schauspielerinnen. Kaum hatten die Mitarbeiterinnen des Kultur-Expresses eine Frage gestellt, schossen zahlreiche Finger nach oben. Zusammen erarbeiteten sie, was dazu führen kann, zum „Smombie“ – ein Wortschöpfung aus Smartphone und Zombie – zu werden. Sie einigten sich, dass fehlende Grenzen, zum Beispiel bei der Dauer der Smartphone-Nutzung, Online-Sucht fördern können. Außerdem stellten sie fest, dass manche Jugendliche mangelnde Annerkennung mit „Likes“ bei Facebook kompensieren. Eltern müssten daher für ihre Kinder da sein und einen verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones und Tablets vorleben.

Die Schulsozialarbeiterinnen Ute Spreen-Schlottmann und Claudia Küpper haben die Theatervorführungen organisiert. Ihnen zufolge haben in der fünften Klasse fast alle ein Smartphone. Diese Einschätzung bestätigte sich, als die Schauspielerinnen in der Aula fragten, wer ein solches Gerät besitzt. Fast alle meldeten sich. „Würdet ihr einen Tag lang ohne auskommen?“ fragte Kandefer weiter. Die Hände blieben oben. Auch eine Woche, ohne überall vernetzt zu sein, trauten sich die meisten zu. „Und einen Monat?“, hakte die Schauspielerin nach – und es gingen schon deutlich mehr Hände nach unten.

Die Schauspielerinnen leugneten nicht, dass Technik zum Leben gehöre. Den Jungen und Mädchen gaben sie aber vor allem einen Tipp: „Wenn ihr eure Freunde trefft, lasst das Handy in der Tasche.“ Wer nur auf Facebook und Co. unterwegs sei, verarme sozial.

Jeder Schüler zahlte für das Theaterstück zwei Euro. Den Rest hat die Sparkassen-Stiftung „Standort: hier“ übernommen. Online-Sucht und Cybermobbing werden in den fünften Klassen auch im regulären Unterricht thematisiert, für die Sechstklässler diente das Stück als Auffrischung. Denn laut Schulsozialarbeiterin Claudia Küpper müsse man „immer wieder aufklären, aufklären, aufklären“. - ks

Mehr zum Thema:

Parlament debattiert über Trump-Besuch in Großbritannien

Parlament debattiert über Trump-Besuch in Großbritannien

Explosion in Bogotá: Ein Toter und mindestens 30 Verletzte

Explosion in Bogotá: Ein Toter und mindestens 30 Verletzte

Renault bietet Sonderausbau für Handwerker an

Renault bietet Sonderausbau für Handwerker an

Berliner Karnevalszug lockt Tausende Zuschauer

Berliner Karnevalszug lockt Tausende Zuschauer

Meistgelesene Artikel

Einbrecher erbeuten Tresor aus Supermarkt

Einbrecher erbeuten Tresor aus Supermarkt

Kommentare