Einjährige Freiheitsstrafe nach Ebay-Betrug / Angeklagter finanzierte sich mit Betrug seinen Drogenkonsum

„Leid nicht mit Leid anderer aufwiegen“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Espelkamp/Rahden - Günstig gebrauchte Waren kaufen oder verkaufen – dieses Ziel verfolgen Kunden von Internet-Auktionsplattformen wie Ebay-Kleinanzeigen. Aber nicht alle Verkäufer stellen dabei seriöse Angebote ins Netz. Wegen vier Fällen gewerbsmäßigen Betrugs musste sich nun ein junger Mann aus Espelkamp vor dem Amtsgericht in Rahden verantworten. Er erhielt eine zwölfmonatige Gesamtfreiheitsstrafe, weil er betrogen hatte, um sich seine Drogen zu finanzieren.

Im November vergangenen Jahres hatte der 26-Jährige mehrmals Waren via Kleinanzeige im Internet angeboten, ohne die Produkte zu besitzen. Die Vorspieglung falscher Tatsachen bezog sich laut Anklageschrift auf den Verkauf eines Smartphones für 90 Euro, zwei Spielekonsolen für 90 beziehungsweise 95 Euro sowie ein Tablet für 175 Euro. Die Kunden hatten die Beträge jedes Mal vereinbarungsgemäß überwiesen, erinnerte die Staatsanwältin. Die Waren waren ihnen dann aber weder übersandt, noch das Geld zurücküberwiesen worden.

Der Angeklagte räumte die Taten umgehend ein. Er führte seine Handlungen auf eine Amphetamin-Sucht zurück, wegen der er sich bereits an eine entsprechende Beratungsstelle gewandt habe. Seit dem Jahr 2009 konsumiere er Drogen, weil ihn seine Lebenssituation überfordere, erklärte die Verteidigerin des Mannes. Sie sprach von Beschaffungskriminalität, da der Hilfsarbeiter das Geld für seine Sucht benötigt habe.

Der 27-Jährige habe als Kind die Psychosen seines Vaters miterlebt. Dieser habe ihn in dessen Heimat Italien entführt, wo Vater und Sohn zeitweise im Auto gelebt hätten. Er mit zwölf Jahren sei der Angeklagte nach Deutschland und schließlich zu seiner Mutter gekommen, berichtete die Verteidigerin. Später hätte ihn dann die frühe Vaterschaft – der Angeklagte ist dreifacher Vater – überfordert, sagte die Anwältin.

„Man kann die Taten daher nicht mit dem Vergehen eines Otto-Normalverbrauchers vergleichen“, lautete ihre Forderung nach einer Strafmilderung für ihren Mandanten, der aktuell wegen einer anderen Strafe im offenen Vollzug ist.

In einigen Punkten stimmte die Staatsanwaltschaft zu, denn „der Angeklagte hat keinen anderen Ausweg gesehen, um an das Geld heranzukommen“. Allerdings habe der Mann dabei andere Personen geschädigt und „man kann sein eigenes Leid nicht mit dem Leid anderer aufwiegen“, appellierte die Staatsanwältin an die Vernunft des Angeklagten.

„Internet macht

es Betrügern leicht“

Auf den Einwand, dass die Kunden auf den Betrug hätten aufmerksam werden müssen, da die Waren extrem günstig angeboten worden waren, erwiderte die Staatsanwältin: „Das Internet macht es Betrügern leicht, Quellen zu finden.“ Dennoch dürften die Besteller nicht so Risiko-ungebremst sein, widersprach die Verteidigerin

Die Staatsanwältin plädierte wegen des vierfachen Betrugs für eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr. Strafmildernd würden sich ihr zufolge die Geständigkeit und die persönlichen Umstände des Mannes auswirken. Allerdings sei der Angeklagte seiner Sucht so verfallen, dass er bei einem anderen Fall nicht auf die Forderungen des Gerichts reagiert habe.

Ferner zählte Richter Hagenkötter Vorstrafen auf: Im Jahr 2009 sei ein Verfahren wegen Betrugs eingestellt worden, 2012 hätte der junge Mann dann eine Freiheitsstrafe wegen Einbruchs bekommen und 2014 waren zwei Jahre Freiheitsstrafe hinzugekommen, weil er unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln eine Sachbeschädigung durch Sprengstoff herbeigeführt hatte.

Weil ihr Mandant inzwischen eine Therapie begonnen habe, „die ihn sicherlich auf den richtigen Weg bringt“, so die Verteidigerin, sprach sie sich für eine Freiheitsstrafe von acht Monaten aus. Zudem seien ihr die Erklärungen der Staatsanwaltschaft „sauer aufgestoßen“. Der Angeklagte habe aufgrund seiner Hafterfahrungen Angst und die „Vogel-Strauß-Politik“, mit den Taten weiterzumachen, sei nur menschlich. Der Angeklagte machte in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung deutlich, dass er bereit sei, den Schaden auszugleichen.

Richter Hagenkötter verhängte schließlich die einjährige Freiheitsstrafe und erklärte, dass er den Angeklagten aufgrund seiner Haft „in die Waagschale geworfen hat“.

Da er keine positive Sozialprognose sehe, kam für Hagenkötter nur eine Strafe ohne Bewährung in Betracht.

abo

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