Detthard Wittler zeigt Facetten des Geschichtenerzählers, Lyrikers und Künstlers / Max und Moritz begeistern seit 150 Jahren

Neues Bild von Wilhelm Busch

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Detthard Wittler gab einen Einblick in das Leben von Wilhelm Busch. Das Bild im Hintergrund ist ein Selbstbildnis des Schöpfers von „Max und Moritz“ aus dem Jahr 1875.

Rahden - Von Katharina Schmidt. Max und Moritz haben es mit ihren Streichen in Kinderzimmer auf der ganzen Welt geschafft: Die Bildergeschichte aus der Feder von Wilhelm Busch wurde seit ihrer Veröffentlichung im Oktober 1865 in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Da sie auch nach 150 Jahren noch begeistert, widmete Kul-Tür dem Schöpfer des pfiffigen Duos nun einen ganzen Abend. Kul-Tür-Gründer Detthard Wittler zeigte dabei auf humorvolle Weise Facetten des Geschichtenerzählers, Lyrikers und Künstlers Wilhelm Busch.

An den Anfang seines Programms stellte Wittler – natürlich – Max und Moritz. Eine Geschichte, die ursprünglich gar nicht für Kinder gedacht gewesen sei, wie Kul-Tür-Vorsitzende Monika Büntemeyer bei der Begrüßung der zahlreichen Zuschauer herausstellte. In Österreich sei das Buch anfangs sogar erst ab 18 Jahren erlaubt gewesen – immerhin werde den Erwachsenen darin überhaupt kein Respekt gezollt.

Wie Max und Moritz die Bewohner ihres Dorfes in sieben Streichen schikanieren, rief Wittler dem Publikum in Erinnerung. Er las die Geschichte vor und hauchte den Charakteren mit seinen Worten und Gesten Leben ein. Auch wenn die Streiche wohl den meisten Zuschauern vertraut waren – Wittler schaffte es, das Publikum mit der altbekannten Geschichte in seinen Bann zu ziehen.

Untermalt wurden seine Worte von Buschs Zeichnungen, die auf eine Leinwand projiziert wurden. Zur Handlung passende Geräusche taten ihr Übriges, zum Beispiel das Knarren einer Mühle, kurz bevor es hieß „Nun ist‘s vorbei mit der Übeltäterei“. Wittler ließ das Publikum im Bahnhof der Stadt Rahden die Mühle nahezu spüren, die die Lausbuben zum Schluss der Geschichte zermahlt.

 „Ja, mit der Übeltäterei war‘s vorbei, aber nicht mit dem Schreiben in Bildern“, leitete Wittler zu weiteren Werken Buschs über. Was den Geschichtenerzähler so unverwechselbar mache, seien die Grausamkeiten seiner Bilder, humorvolle Überraschungen und sprachliche Kühnheit. Zur Veranschaulichung las Wittler unter anderem die Texte „Der Einsame“, „Die Fliege“, „Der Maulwurf“ und Passagen der „Knopp-Trilogie“ vor.

Er habe bewusst unbekannte Geschichte gewählt, so Wittler. Er wolle dazu zu animieren „selten Gehörtes und Gesehenes herauszukramen“.

Sich selbst habe Busch als „Lump“ bezeichnet, sagte der Kul-Tür-Gründer und ging somit – wie mehrmals an dem Abend – auch auf den Menschen Wilhelm Busch ein. Dieser war Wittler zufolge dem Alkohol nicht abgeneigt. Über den „Trank“ drehten sich eine Reihe von Texten, die Wittler zu Gehör brachte, um die Lyrik von Busch vorzustellen. Es folgten Gedichte über einen Querkopf und auch über die Lüge und die Wahrheit.

Im letzten Teil des Abends widmete sich Detthard Wittler dem „bildenden Künstler Busch“. „Wenn er in Bildern erzählt, dann ist er in seinem Element“, unterstrich er. Busch gelte als Urvater des Comics. Manch einer habe ihn auch als Vorreiter des Impressionismus gesehen. Diese Aussage nahm Wittler gezielt aufs Korn. Er stellte Bilder von Busch Werken von Max Liebermann, Henri Matisse oder auch Henry Moore gegenüber – und fand „erstaunliche“ Parallelen. Demnach müsse Busch Vorreiter des Impressionismus, des Kubismus, des Surrealismus und anderer Kunstrichtungen gewesen ein, scherzte Wittler. „Er war sozusagen auch der erste VHS-Dozent im Fach Kunst“ sagte er mit einem Augenzwinkern und verwies auf Buschs „Anleitung zu historischen Porträts“.

„Ein höchst interessanter und lehrreicher Abend“, lobte Büntemeyer Wittlers Programm. Es habe ein neues Bild von Busch gezeigt. Auch das Publikum schien mehr als zufrieden – es applaudierte minutenlang.

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