Daniel Heinrich verbindet geistliche, Volks- und Kinderlieder

Vergessene Seite der Orgel präsentiert

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Organist Daniel Heinrich und Moderatorin Magdalene Jorgas lieferten in Rahden einen kurzweiligen Beitrag zum Orgelsommer.

Rahden - Von Ralf Kapries. Die Orgel ist als Instrument sakraler Musik bekannt. Etwas in Vergessenheit geraten ist ihre Beliebtheit auch in der Unterhaltungsmusik. Daniel Heinrich aus Munster in der Lüneburger Heide erinnerte jetzt an der Hammer-Orgel der katholischen St. Andreas Kirche in Rahden daran. „Weltreise – durch Zeit und Raum“ hatte er sein Improvisationskonzert benannt.

Vor Beginn hatte die Möglichkeit bestanden, Improvisationsthemen in Form von Kinder-, Volks- oder Kirchenliedern zu benennen, die Heinrich dann spontan in seine Improvisationen einbaute. Musik, die man nicht spielen könne, gebe es für Heinrich nicht, besonders nicht an der Orgel, erklärte seine Ehefrau Magdalene Jorgas, die das Konzert locker und humorvoll moderierte. Nur der Wunsch, den „Fluch der Karibik“ zu intonieren, schien beiden wohl doch etwas aus der Art geschlagen, weil er so gar nicht ins vorgegebene Konzept passte.

Die Reise begann in Rahden unter anderem mit „Herr, gibt mir Mut zum Brückenbauen“ und „Schlaf, Kindlein, schlaf“. Gemessenen Schritts ging die Reise in barockem Stil los, hin zu einem großen Fest und dem Einzug der Gäste zu einer Französischen Ouvertüre. Da hinein mischten sich die Volkslieder „Spangenlanger Hansel, nudeldicke Dirn“ genauso problemlos wie „Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein“. Und schon war man in Österreich mit seinen Walzerklängen, in die Heinrich eine Fülle von Motiven verwob: „Es waren zwei Königskinder“, „Bunt sind schon die Wälder“, das „Liebesleid“ von Fritz Kreisler, „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ und „Amazing Grace“, wobei sich die Orgel doch etwas anhörte wie ein langsam gedrehter Leierkasten.

Mit Schwung ging es nach England. „Halleluja, suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt“ (EG Nr. 182) und „Nun danket alle Gott“ (EG Nr. 321) stellten hohe Ansprüche an Heinrichs Talent. In Amerika huldigte er dem Ragtime, natürlich mit dem bekannten „Entertainer“, in den sich allerdings auch „Ein Männlein steht im Walde“ und „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ mischte. Dazu musizierte gelegentlich auch ein gelbes Quietscheentchen mit.

Erhabene Töne und

Quietscheentchen

Die große Zahl der verwendeten Kinderlieder ist dabei sicherlich auch den vielen Kindern zu verdanken, die mit ihren Eltern dieses Konzert besuchten. In Brasilien wurden die Zuhörer dann Zeuge einer Tanzeinlage eines Jesuiten, der trotz manchen Missgeschicks zeigen will, was südamerikanisches Temperament ist. „Du meine Seele, singe“ (EG Nr. 302) mischte sich mit Cha-Cha-Cha.

Das Land des Lächelns, China, kam indes nicht so ungeschoren davon. Heinrich wurde in China augenlos geboren und deshalb weggeworfen. Das deutsche Missionarsehepaar Heinrich fand den dehydrierten Säugling am Straßenrand, päppelte ihn auf und adoptierte den Jungen später. Mehr als das eigene Schicksal empört Heinrich jedoch der Pomp anlässlich der Olympischen Spiele in Kombination mit den krassen Menschenrechtsverletzungen im Land. Das Antikriegslied „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ mischten sich mit dem Zuhörerwunsch „Der dunkle Lord“ aus „Star Wars“.

Im achten und letzten Teil traten Heinrich und die Konzertbesucher den Rückweg nach Deutschland an, wo sie mit einem fröhlichen Vogelkonzert begrüßt wurden: Kuckuck und Quitscheentchen waren zu hören, „Alle Vögel sind schon da“ und auch der Gänse jagend Fuchs schaute kurz um die Ecke als noch ein Vogel geflogen kam.

Alles in allem ein kurzweiliger Beitrag zum Orgelsommer, der wohl nur zustande kam, weil Kantor Thomas Quellmalz und Daniel Heinrich Studienfreunde waren. Der nächste Termin am Sonntag, 12. Juli, bietet eine Orgeltour mit gemeinsamer Busfahrt beginnend um 15 Uhr an der Michaelskirche am Tannenbergplatz in Espelkamp mit Thomas Quellmalz (Kantor in Rahden), Christoph Heuer (Lehrer und Organist) und Mathias Johannmeier (Orgelbauer und Organist). Sie führt zur Predigtkirche in Wehdem, zur St. Marien Kirche Dielingen und der evangelischen Pfarrkirche Levern. Gegen 19 Uhr ist die Ankunft am Startort in Espelkamp vorgesehen.

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