Christian Döring berichtet in Rahden aus seinem Leben als Christ in der DDR

Bibel statt Parteibuch – ein Abend gegen das Vergessen

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In entspannter Atmosphäre las Christian Döring am Freitagabend Passagen aus seinem Buch „Bibel statt Parteibuch“ vor und ermöglichte dem Publikum damit einen Einblick in die Welt eines Christen in der damaligen DDR.

Rahden - Von Mareile Mattlage. Die Kindergärtnerin verbot ihm, Weihnachtslieder zu singen. Die Mitschüler verspotteten ihn als „kleinen Pastor“. Der Lehrer gab ihm die Note drei anstatt einer eins, obwohl er im Test alles richtig hatte: Was hierzulande kaum jemand weiß, wurde am Freitagabend bei einer Lesung im Rahdener Bahnhof thematisiert – die Diskriminierung der Christen in der DDR durch den sozialistischen Staatsapparat.

Autor Christian Döring war auf Einladung der Gemeinde der bibeltreuen Christen (GBC) angereist und las aus seiner Kurzgeschichtensammlung „Bibel statt Parteibuch: Mein Leben als Christ in der DDR“. In dieser hat der 53-Jährige 25 authentische Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend in der DDR der 1960er- und 1970er-Jahre gesammelt. Das Werk erschien vergangenes Jahr zum 25. Jahrestag des Mauerfalls.

Döring rezensiert heute vor allem christliche Literatur für sein Onlineblog „Bücher ändern Leben“. Über dieses kam auch der Kontakt mit der GBC Rahden zustande. „Einige Mitglieder aus unserer Gemeinde kannten Christian Döring durch seinen Blog. Und so kamen wir auf die Idee, die Deutsche Geschichte einmal mit Blick auf den christlichen Glauben zu bearbeiten und Döring zu uns nach Rahden einzuladen“, erzählte GBC-Leiter Gerhard Warkentin im Vorgespräch.

Eine gute Idee. Denn die Ereignisse, von denen Döring den rund 30 Zuhörern mit angenehm ruhiger und gleichzeitig selbstbewusster Erzählerstimme berichtete, gewährten tiefe Einblicke: In die persönliche Erlebniswelt eines von der Gesellschaft abgelehnten spirituellen Suchers einerseits und in das in einem totalitären Staat herrschende Lebensgefühl andererseits.

Die Fragen, die dabei auch am Freitagabend aufgeworfen und diskutiert wurden, waren indes universell: Wie gehe ich innerlich und äußerlich mit Ablehnung um? Wie lange darf ich schweigen? Wann und wie ist es an der Zeit, meine Wahrheiten auszusprechen?

Der Beitrag, den Döring für die deutsche Gesellschaft mit seinem Buch leistet, ist wichtig. Denn es ist ein Beitrag zum Nicht-Vergessen. Und wie gewaltig dieser ausfallen kann, zeigte sich laut eigener Aussage des Autors bei einer seiner jüngsten Lesungen: Eine der Hauptrollen in Dörings Buch spielt immer wieder seine damalige Religionslehrerin. Eine starke Frau, die ihn inspirierte, ihm den (spirituellen) Weg wies, dem einsamen Jungen emotionale und räumliche Zuflucht gewährte und den Autor an seine geliebte Großmutter erinnerte.

Bei einer Lesung in der Heimat ergab es sich nun vor einiger Zeit, dass bei eben einer dieser Passagen plötzlich eine alte Dame im Publikum zu weinen und zu schluchzen anfing. Obwohl er sie seit 40 Jahren nicht mehr gesehen hatte, erkannte Döring die Frau wieder – es war seine alte Religionslehrerin.

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