Café international besteht sein einem Jahr / Weitere „Kümmerer“ gesucht

Aus Fremden werden Freunde

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Spaß habe, Billard spielen, Leute treffen und den Alltag ein wenig vergessen: Diese Gründe locken immer mehr Flüchtlinge in das Café International.

Rahden - Von Katharina Schmidt. Billard spielen, Freunde finden und treffen, sich unterhalten oder im Internet surfen: Im YMCA Café International in Rahden können Flüchtlinge dem Alltag für ein paar Stunden entrinnen oder Menschen begegnen, die ihnen helfen wollen. Der vom CVJM und initiierte Treffpunkt im Jugendkeller des evangelischen Gemeindehauses besteht nun seit einem Jahr. In dieser Zeit hat sich viel getan: Die Zahl der Besucher hat sich vervielfacht, das Angebot erweitert und aus Fremden wurden Freunde.

„Wir sind mit wenigen angefangen“, erinnert sich Christina Zimmermann, die das Café mitorganisiert, an das erste Treffen. Damals seien sie nur zu fünft gewesen. Mittlerweile besuchen über den Tag verteilt im Durchschnitt 30 Menschen das Café. Vorwiegend sind es junge Männer. Die meisten sind Stammgäste, doch „jede Woche kommen neue Leute“, so Zimmermann. Deshalb werde seit Dienstag bei Bedarf parallel ein Treffen für Familien angeboten.

Der 29-Jährige Kayode aus Nigeria war von Anfang an dabei. Zunächst nur als Besucher, mittlerweile als wichtige Stütze des Café-Teams. Er kommt jede Woche und hilft zum Beispiel beim Übersetzen. „Ohne die Leute, die schon lange hier sind, würde das gar nicht funktionieren“, ist Christina Zimmermann überzeugt. „Sie sind viel näher an ihren Geschwistern aus ihren Ländern als wir.“ Dabei meinen die Flüchtlinge mit „Geschwistern“ dem CVJM-Mitglied zufolge keine Verwandten, sondern Landsleute. Ihnen zu helfen, sei selbstverständlich.

Spaß, mit Leuten reden, neue Leute und Kulturen kennenlernen und Freunde treffen: Diese Punkte nennt Kayode als Gründe, warum er immer wieder gerne ins Café International kommt. Dabei spricht er gut deutsch – obwohl er erst vor einem Jahr angefangen hat, die Sprache zu lernen, wie er bei einer Tasse Tee im Eingangsbereich des Cafés erzählt.

Zwei Räume weiter hört man, wie ein Tischtennisball von einem Ende der Platte zum anderen springt und Billardkugeln aneinander prallen. Unter den jungen Menschen, die Billard spielen, ist Kanan Xhakollari aus Albanien. Auch er kommt, wann immer er kann, in den Jugendkeller. Und auch er freut sich, dort Billard zu spielen und neue Leute kennenzulernen. Dabei könne er ein bisschen „relaxen“, erzählt der 28-Jährige. Es sei eine Abwechslung zum Alltag.

God time aus Nigeria spricht mit der Möglichkeit zum Surfen im Internet einen weiteren Reiz des Cafés an. Außerdem spiele er gerne Tischtennis und Billard, erzählt der 20-Jährige.

Im Café trifft man laut Cornelia Griebel vom Rahdener Präventionsrat „ganz tolle Menschen“. Viele Rahdener hätten jedoch Berührungsängste. „Wenn Leute Angst haben, ist Kontaktaufnahme das Beste“, findet sie. Die Flüchtlinge, die ins Café kommen, suchen den Kontakt, ermutigen sie und Christina Zimmermann.

Bei den Treffen im Jugendkeller könnten Wohnungseigentümer potenzielle Mieter kennenlernen und Kontakt zu ihnen aufnehmen, regen die Helferinnen an. „Wir haben hier viele Wohnungsanfragen von anerkannten Leuten, die wir gerne vermitteln würden“, erklärt Zimmermann.

Außerdem würden sie dringen weitere „Kümmerer“ suchen. „Wir sind am Limit“, erzählt Zimmermann. Es mangele insbesondere an Freiwilligen, die Fahrdienste übernehmen können. Ein häufiges Ziel seien Ärzte. Denn viele Mediziner weigerten sich, Asylbewerber ohne Begleitung zu untersuchen, so Zimmermanns Erfahrung.

Gern gesehen sind zudem Helfer, die spontan zu den Öffnungszeiten ins Café kommen und mit ein paar Flüchtlingen zum Beispiel zur Kleiderkammer fahren. Wer sein handwerkliches Talent einbringen möchte, ist in der Fahrradwerkstatt an der richtigen Stelle.

Derzeit gibt es sieben Kümmerer, die sich täglich für Flüchtlinge engagieren. Manchmal zehn Stunden am Tag. Hinzu kommen zahlreiche weitere Helfer, darunter alleine 18 Deutschlehrer. „Man kriegt viel mehr zurück, als man gibt“, erklärt Zimmermann ihr Engagement und lächelt. Cornelia Griebel ergänzt: „Mal ein Lächeln, mal ein Dankeschön und sehr viel Wertschätzung.“ Mittlerweile sind laut den Helferinnen richtige Freundschaften entstanden.

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