Bürgermeisterkandidatin Bela Lange möchte ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Rahden einbringen

Reichlich Potential für die Zukunft

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In Rahden kennen die meisten Bela Lange inzwischen. Am 13. September tritt sie als potentielle Nachfolgerin von Bürgermeister Bernd Hachmann an.

Rahden - Berührungsängste kennt Bela Lange nicht. Seit Wochen sucht sie in Rahden Kontakte, um die Stadt und die Wünsche der Bürger kennenzulernen. Das sei zwar ein wenig stressig, aber die unzähligen Gespräche möchte sie nicht missen. Die Beamtin tritt als Kandidatin der SPD, FWG, FDP und Grüne im Bürgermeisterwahlkampf an. Im Gespräch mit Redakteurin Anika Bokelmann spricht die 42-Jährige über Rahdens Potential und die Zukunft von Schule, Feuerwehr und Ärzten.

Bokelmann: Warum haben Sie sich als Bürgermeisterin beworben?

Bela Lange: Ich bin schon lange in der Verwaltung tätig und habe mit Führungsaufgaben geliebäugelt. Letztlich hat es sich in der Gemeinde Auetal ergeben, dass es nur einen Bürgermeisterbewerber gab. Das fand ich nicht demokratisch, schließlich bin ich auch kommunalpolitisch aktiv. Erstmal war das Kapitel nach der Wahl damals für mich abgeschlossen. Nachdem ich auf Rahden angesprochen worden bin, habe ich daher sehr lange überlegt und mir Rahden genau zeigen lassen. Ich habe dann auf die Ausschreibung der vier Parteien einen Anlauf genommen.

Welche Qualifikationen bringen Sie für das Amt mit?

Lange: Ich bin seit 1997 in einer Verwaltung und habe nach dem dualen Studium sehr lange im Umfeld des Landrats gearbeitet. Ich kenne daher alle kommunalpolitischen Themen. Als Gleichstellungsbeauftragte habe ich noch viele andere Querschnittsaufgaben kennen gelernt wie beispielsweise im Bereich Personal, Arbeitsmarkt, Migranten und Wirtschaftsförderung.

Was macht Rahden für Sie aus – sowohl positiv als auch negativ?

Lange: Ich werde unheimlich nett aufgenommen und stoße auf so viel Interesse. Die Leute wollen sich einbringen und ernst genommen werden. Ich finde es toll, dass eine Stadt dieser Größe noch ein Hallenbad, ein Kino und vor allem Schulen hat. Der Museumshof ist zudem ein echtes Schätzchen. Jetzt muss man dafür sorgen, dass man das auch erhält. Denn das sind die Pfunde, mit denen die Stadt wuchern kann: Wir haben viele Angebote und da muss man dranbleiben.

Negativ möchte ich nicht sagen. Aber gebe es kein Potential für Verbesserungen, wäre es total langweilig. Es gibt sicher Dinge, die man in der Zukunft weiter bearbeiten muss. Das sind die Straßen, die Wirtschaftsförderung, die Leerstände in der Innenstadt und die dazugehörige Bestandspflege. Da ist durchaus noch Luft nach oben. Was auch viel angesprochen wird, ist die Barrierefreiheit außerhalb der Innenstadt.

Wie wichtig ist die Eigenständigkeit der einzelnen Ortschaften für Sie?

Lange: Für mich ist Rahden eine Stadt mit sieben Ortsteilen. Wenn man Stadtentwicklung macht, muss man sich alle Teile angucken und zusehen, dass man Dinge in die Wege leitet, von denen alle profitieren.

Ein Konglomerat kann gar nicht funktionieren. Dafür wird in den Ortschaften auf Vereinsebene und im Ehrenamt zu viel organisiert. Wir würden uns ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir das ändern würden. Denn die Ortschaften zeigen die Heimatverbundenheit. Man muss aufpassen, dass das nicht in Kirchturmdenken umschlägt.

Auch in Sachen Feuerwehr sind die Ortschaften sehr präsent. Kann die Stadt sich das auf lange Sicht leisten?

Lange: Das hängt maßgeblich von der Entwicklung ab. Wenn die Mitgliedszahlen stabil bleiben, müssen keine Löschzüge zusammengelegt werden. Sollten die Zahlen schrumpfen, muss man nach passenden Lösungen suchen. Denn eine Wehr braucht eine Mindestgröße, um zu funktionieren. Aber momentan sieht das nicht schlecht aus, da die Jugendfeuerwehr gut aufgestellt ist.

Wie sieht es mit der finanziellen Unterstützung für die Vereine aus? Fördern oder auf Sponsoren verweisen?

Lange: Das kommt drauf an, ob eine Rasenfläche vom Bauhof für eine Boule-Bahn gemäht werden oder ob ein neues Vereinsheim entstehen soll. Das muss man im Einzelfall sehen.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass Ehrenamt zu unterstützen. Aber die Haushaltsmittel sind nunmal knappund dann müssen erstmal die Pflichtaufgaben bewältigt werden.

Die Stadt hat die freiwilligen Leistungen bereits auf ein Minimum zurückgefahren. In welchen Bereichen können die Sparmaßnahmen noch ausgeweitet werden?

Lange: Es gibt auch hier keine eindeutige Antwort, weil ich den Haushalt noch nicht so intensiv kenne. Sparen ist aber nicht immer die einzige Antwort. Man kann gucken, dass man die Ausgaben verringert, aber auf der anderen Seite auch die Einnahmen erhöhen. Langfristig betrachtet, ist das zwar schwieriger, aber deutlich hilfreicher.

Zusammen mit der Wirtschaftsförderung möchte ich gerne neue Unternehmen ansiedeln und die bestehenden unterstützen, damit die Steuereinnahmen mindestens stabil bleiben, eventuell steigen.

Eine gute Infrastruktur ist in diesem Zusammenhang wichtig. Breitbandausbau und Wirtschaftswegekonzept sind schon angestoßen worden. Welche Möglichkeiten sehen Sie noch?

Lange: Es ist positiv, dass die Stadt mit dem Breitbandausbau angefangen hat. Für mich ist das Thema aber erst abgeschlossen, wenn es alle Haushalte erreicht. Und das ist nicht ganz einfach und eine Kostenfrage. Aber es ist Aufgabe der Telekommunikationsdienstleister, die Leute mit schnellem Internet zu versorgen. Es darf nicht sein, dass Menschen in ländlichen Gegenden Nachteile erleiden, nur weil sie auf dem Land wohnen. Zur Infrastruktur gehören aber letztlich auch Kindergärten und Schulen. Und dabei müssen wir zusehen, dass das gute Angebot erhalten bleibt oder, wo nötig, ausgebaut wird.

Wie wird sich die Schullandschaft in Rahden entwickeln? Müssen möglicherweise Grundschulstandorte geschlossen werden?

Lange: Rahden hat eine tolle Schullandschaft, in die ich meine Erfahrungen aus dem Fachamt einbringen möchte. Wie es weitergeht, hängt mit der Entwicklung der Schülerzahlen ab. Sofern alles beim jetzigen Stand bleibt, können auch alle Standorte erhalten bleiben. Ansonsten wird man sich das individuell ansehen müssen. Ich sage nicht, dass man Grundschulen schließen muss, aber man muss sehr genau schauen, welche noch benötigt wird. Ich verstehe den Wunsch, dass Kinder in der Nähe beschult werden sollen, aber die Schulen müssen auch gut ausgestattet werden.

Stichwort drohender Hausärztemangel: Wie kann die Stadt über das geplante Gesundheitszentrum hinaus um Mediziner werben?

Lange: Das Ärztezentrum kann nur Mittel zum Zweck sein, junge Ärzte hierher zu locken. Denn der Hintergrund ist, attraktive Bedingungen zu schaffen. Die meisten Mediziner wollen in eine Gemeinschaftspraxis. Da sollte man passende Möglichkeiten schaffen. Aber wichtig ist, überhaupt an die Leute ranzukommen. Da muss man ganz früh ansetzen und ins Gymnasium gehen. Dort gibt es sicher Abiturienten, die Medizin studieren wollen. Dann sollten wir an der Uni gezielt Werbung für den ländlichen Raum machen.

Wie bewerten Sie das Vorhaben, die Praxen an bereits in Rahden ansässige Hausärzte zu vermieten und den Umzug zu bezuschussen?

Lange: Der Rat ist dabei, sich die Richtlinien genau anzugucken und im Haupt- und Finanzausschuss wird darüber jetzt abgestimmt. Das Vierer-Bündnis hat aber ja schon erklärt, dass solche Zuschüsse nicht genehmigt, sondern nur Neuansiedlungen gefördert werden.

Auch Windkraft ist immer wieder Thema. Wie stellen Sie sich die Entwicklung der Windkraftanlagen vor?

Lange: Ich glaube, dass dieses immer höher für mehr Leistung der falsche Weg ist. Ein 50 Meter hohes Windrad kann man den Leuten noch eher schmackhaft machen, als ein 200 Meter hohes. Klar müssen wir ganz dringend auf alternative Energien setzen. Da wird uns gar nichts anderes übrig bleiben.

Wir brauchen vor allem einen guten Alternative-Energien-Mix und müssen gucken, wo dafür gute Flächen sind. Wir können ebenso wenig alles mit Solaranlagen vollpflastern, wie überall Windräder aufstellen. Die Frage beschäftigt zudem alle. Also sollten wir mit umliegenden Kommunen zusammenarbeiten.

Mal angenommen, Sie gewinnen die Bürgermeisterwahl nicht? Wie sieht Ihr Plan B aus?

Lange: Dann geh ich am 15. September zum Landkreis Schaumburg und nehme meine Arbeit wieder auf – mit neuen Erfahrungen.

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