Bürger sollen in öffentlichen Veranstaltungen in Planungen einbezogen werden

Wirtschaftswegekonzept kein „Schotterprogramm“

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Die Verantwortlichen vom Bauamt Rahden haben die maroden Straßen im Blick und wollen die alten Verkehrswege mithilfe des Wirtschaftswegekonzepts aufbessern.

Rahden - Von Anika Bokelmann. Als die Straßen der Stadt Rahden und der umliegenden Ortschaften gebaut wurden, entsprachen sie dem neuesten Stand der damaligen Technik. Doch inzwischen sind Landes-, Bundes-, Kreis- und Stadtstraßen der Auestadt den Anforderungen des modernen Verkehrsaufkommens kaum noch gewachsen. Immer schwerere und vor allem mehr Fahrzeuge passieren täglich die Wege. Ein Wirtschaftswegekonzept soll Abhilfe schaffen. Einen Entwurf dafür stellte Marcel Rottmann den Mitgliedern und Gästen des Betriebsausschusses Straßen der Stadt Rahden am Dienstagabend im Rathaus vor.

„Jedes Haus soll über einen befestigten Weg erreichbar sein“, lautet das Leitmotto des Plans, der laut Bauamtsleiter Dieter Drunagel auf keinen Fall ein „Schotterprogramm“ werden soll. Man spreche von festen Straßen, die als langfristige Wertanlage mindestens für 20 Jahre und länger halten sollen. Diplom-Ingenieur Rottmann vom Büro Bockermann Fritze aus Engern sprach daher vom „Perspektivkonzept 25“.

Darin unterteilt der Abteilungsleiter Geoinformatik und Doppik die Wege in verschiedene Kategorien. Die Klassifizierung reicht vom Hauptwirtschaftsweg (mit Verbindungsfunktionen in den Außenbereich) über Anliegerwirtschaftswege bis zum nachrangigen Weg, je nach der Frequentierung und weiteren Anbindungsmöglichkeiten.

„Das Budget Ihrer Stadt reicht nicht für eine flächendeckende Optimierung des Straßennetzes“, legte Rottmann zu Beginn die Karten offen auf den Tisch. Daher sei eine Dringlichkeitsreihung notwendig. Die Straßen mit den meisten Schäden hätten Vorrang und sehr stark geschädigte Wegeläufe könnten möglicherweise vernachlässigt werden, sofern sie nicht mehr benutzt würden.

„Wir müssen unsere knappen Finanzen zielgerichtet einsetzen“, unterstrich Drunagel, dass die Verwaltung möglichst viel verbessern wolle und in diesem Zusammenhang auch nach Fördermitteln schaue. Das sei aber nicht so einfach, erklärte Drunagel auf Nachfrage von Jürgen Steinkamp (FWG), der wusste, dass im benachbarten Hann. Ströhen ein Flurbereinigungsverfahren bezuschusst werde.

„In Niedersachsen werden EU-Mittel anders verteilt und kommen den Konzepten für den ländlichen Raum mehr entgegen“, entgegnete Dieter Drunagel. „Wir werden alle Möglichkeiten bei der Finanzierung ausloten“, erklärte der Bauamtsleiter. Doch man müsse sich klar machen, dass die Stadt „mehr Geld in die Hand nehmen müsste. Wir arbeiten schon unterhalb der untersten Grenze“.

Genaue Kosten werde die Verwaltung während der Planungen für das Wirtschaftswegekonzept ohnehin nicht nennen, fügte Ludger Ellers vom städtischen Bauamt hinzu. Auch wenn die Bürger in den Ortschaften das sicher am meisten interessieren würde, hakte Steinkamp ein weiteres Mal nach – ohne Erfolg.

„Was wird künftig noch benötigt?“ Diese Frage sollten sich die Verantwortlichen stellen, so Rottmann. Um Kosten zu sparen könnten Alternativwege gefunden werden, die über kurze Umwege zu erreichen wären. Gerade im Bereich von Brücken gebe es mehrere Stellen in Rahden, die nicht länger unterhalten werden müssten, habe das Büro Bockermann Fritze vor Ort festgestellt. Es gebe meistens Parallelverläufe, erklärte Rottmann.

Das Wirtschaftswegekonzept soll als Grundlage für alle weiteren Vorhaben in Sachen Straßenbau sein. Drunagels Fahrplan sieht vor, den Entwurf zur Beratung in die Fraktionen zu geben und die Bürger zu beteiligen. Noch vor den Sommerferien sollen die Pläne in sieben öffentlichen Informationsveranstaltungen in den Ortschaften und im Stadtgebiet vorgestellt und Anregungen der Anwohner in das Konzept aufgenommen werden.

„Bis September räumen wir der Öffentlichkeit die Möglichkeit ein, örtliches Wissen und Änderungsvorschläge in das Konzept einzubringen“, unterstrich Drunagel, dass es für die Verwaltung wichtig sei, gemeinsam mit den Bürgern an der Straßenplanung zu arbeiten. Schließlich wolle man „kein statisches Konzept“, sondern eine stete Weiterentwicklung und Anpassung an die Gegebenheiten. „Da ist ganz viel Transparenz nötig“, so Drunagel.

Weiterhin gelte „Genauigkeit und Dialog vor Schnelligkeit“, informierte der Bauamtsleiter. Die Planungen könnten daher ins Jahr 2016 hineinreichen. „Die Straßen werden nicht in drei Wochen zusammenbrechen“, meinte Bianca Winkelmann (CDU). Es sei gut, sich frühzeitig Gedanken zu machen. Wer einen Eindruck von den holprigen Wegen bekommen wolle, könnte eine Radtour durch die Ortschaften machen, schlug Winkelmann vor.

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