„Die Leute sollten sich viel mehr trauen“, findet Kristin Spreen aus Rahden / „Bremer Stadtmusikanten“ in Indien

Selfmade-Praktikum in Edayanchavady

Multi-Kulti-Märchen im Selfmade-Praktikum: Kristin Spreen aus Rahden studiert in Ottersberg Theaterpädagogik und führte in Indien mit Kindern das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf.
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Multi-Kulti-Märchen im Selfmade-Praktikum: Kristin Spreen aus Rahden studiert in Ottersberg Theaterpädagogik und führte in Indien mit Kindern das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf.

Rahden - Von Kai Pröpper. Kaffee kochen, kopieren und den älteren Kollegen stupide Fleißaufgaben abnehmen: Manche Seiten eines Praktikums sind für junge Menschen wenig hilfreich.

Kristin Spreen weiß dagegen einen Rat. „Die Leute sollten sich viel mehr trauen, etwas selbst zu machen“, sagt die gebürtige Rahdenerin. Das hat sie getan. Auf eigene Faust und mit eigenen Ideen fuhr sie mit zwei Kommilitoninnen nach Indien, um sich dort für Kinder einzusetzen und ein für ihr Studium benötigtes Praktikum selbst zu gestalten.

Die 22-Jährige lebt derzeit in Bremen und studiert im vierten Bachelor-Semester Theaterpädagogik an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg. Ob sich ihr vierwöchiger Einsatz in Indien für ihr Studium wirklich gelohnt hat, muss das Prüfungsamt erst noch entscheiden.

Zuerst bestand der Wunsch, etwas Eigenes zu machen. Zusammen mit Svenja Oltmann (23), einer weiteren Studentin der Theaterpädagogik, und Kunsttherapeutin Anika Patzelt (29) entwickelte Spreen zunächst ein Theater-Projekt für Frauen, das sie sich später als Praktikumsleitung anrechnen lassen wollte. Dieses stieß bei Organisationen in Indien aber auf wenig Anklang, weshalb die Planerinnen es auf Kinder ummünzten.

Interessiert zeigte sich daraufhin die Organisation „Thamarai“, die Programme für Frauen und Kinder anbietet und in der westlich-angehauchten Stadt Auroville in Südindien agiert. „Das war da nicht das ‚Ur-Indien‘“, sagt Kristin Spreen. Die Kosten für die Reise zahlten die drei größtenteils aus eigener Tasche und mit etwas Hilfe einer Crowdfunding-Spendensammlung im Internet.

„Wir haben

Spuren hinterlassen“

Die Hilfe der Deutschen wurde in einer staatlichen Schule in dem Dorf Edayanchavady gebraucht, das durchaus ein Abbild des ursprünglichen Indiens darstellte. Ohne genau zu wissen, was sie erwartet, fuhren die jungen Frauen los. „Wir haben uns dann vor Ort die Aufgaben gesucht“, erzählt Kristin Spreen. Sie gaben den nur Tamil sprechenden Schülern Englisch-Nachhilfe, redeten mit ihnen über ihre Träume und gestalteten das Nachmittagsprogramm. Mit den achten Klassen studierten sie ein Theaterstück zum Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ ein, für die sechsten und siebten Klassen schrieben sie mit den Ideen der Kinder eine eigene Geschichte, die sie ebenfalls auf die Bühne brachten.

Das „krasse Müll-Problem“ Indiens machten sich die angehenden Theaterpädagoginnen zunutze, in dem sie für die Kostüme nur die Dinge nutzten, die ihnen gegeben waren. Bleibende Eindrücke hinterließ Anika Patzelt, die mit Kindern unter anderem die Schule von außen neu anstrich.

„Wir haben viel Zeit gebraucht, um uns zurecht zu finden“, erklärt Kristin Spreen. Die Reise habe sich aber mehr gelohnt, als sie es sich vorgestellt habe. Viele junge, unqualifizierte Menschen würden unvorbereitet mit bezahlten Organisationen in fremde Länder reisen, ohne diesen eine echte Hilfe bieten zu können, nur damit am Ende etwas im Lebenslauf stehe, meint die 22-jährige. Dabei müsse die Frage lauten: „Wo kann ich hingehen und etwas bewirken?“.

„Wir haben Spuren hinterlassen“, ist sich Spreen sicher. Für ihre Arbeit habe sie gute Rückmeldungen von Kindern und Lehrern bekommen. „Es war das erste Mal, dass die Kinder Theater spielen konnten. Selbst die Lehrer fanden das sehr suspekt.“ Die Schüler seien durch das darstellende Spiel konzentrierter und motivierter gewesen. Eingeschüchterte Kinder hätten auf der Bühne eine ganz andere Präsenz gezeigt und von Vertretern der Organisation „Thamarai“ habe es geheißen: „Wow, die Kinder haben sich echt entwickelt.“ „Durch die Rückmeldungen bilde ich mir was darauf ein“, sagt Spreen. Sicher hätten sie und ihre Kommilitoninnen keine „große Bewegung“ starten können, doch dass die Kinder eine tolle Zeit gehabt hätten, reiche schon aus.

Schlaflose

Nächte

Marion Spreen bereiten die Reisen ihrer Tochter Kristin oft schlaflose Nächte: Denn die 22-Jährige fährt meistens nicht unbedingt dorthin, wo andere Urlaub machen. Ihr Engagement für den kleinen Verein „Naturkultur“ führte sie in den vergangenen zwei Jahren bereits in die Slowakei und in den Süden der Türkei nahe der syrischen Grenze. Im August geht es wahrscheinlich nach Moldavien, wo sie mit Jugendlichen aus anderen Ländern über nachhaltiges Leben sprechen will.

Die Reisen ergäben sich oft spontan, erklärt die ehemalige Schülerin der Gesamtschule Hille, die auch schon eine Schauspiel-Ausbildung in Köln abgelegt hat. Erst im Studium habe sie die Abenteuer- und Reiselust gepackt.

Angst habe sie bei ihren Tripps nicht. In Indien, einem Land, in dem Frauen einen schweren Stand haben, habe sie sich zwar zumeist in Gruppen bewegt, traute sich aber auch zu trampen und zu Alleingängen an den Strand. „Ich kann Leute konsequent ignorieren und habe mich nie auf etwas eingelassen.“

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