Birgit Borcherding denkt über Lösung nach

„Apotheke lohnt sich nicht mehr“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Pr. Ströhen - Große Verunsicherung herrscht in Pr. Ströhen, was die Zukunft der medizinischen Versorgung angeht. Um Licht ins Dunkle zu bringen, nahm Hausarzt Jens Gottfriedsen beim Dorfabend Stellung zu seinen Plänen, ins Ärztehaus nach Rahden umzuziehen. Birgit Borcherding berichtete als Inhaberin der örtlichen Aue-Apotheke, was das für Auswirkungen für sie haben wird.

„Es lohnt sich nicht mehr“, stellte Borcherding heraus. Selbst wenn es zur Filialpraxis komme, die Plänen von Gottfriedsen zufolge an zwei Tagen in der Woche geführt werden könnte, werde sie die Apotheke nicht mehr halten können. Da sich direkt an dem geplanten Ärztezentrum an der Ecke Feldstraße/Hohe Mühle am Rahdener Krankenhaus auch eine Apotheke niederlassen wird, werden die Patienten dort ihre Rezepte einlösen, so Borcherdings Vermutung.

Als Optionen stellte sie beim Dorfabend eine Filialapotheke vor. Dazu müsste die Aue-Apotheke an der Pr.-Ströher-Allee von einer Hauptapotheke übernommen und als Außenstelle weitergeführt werden. Eine Filialapotheke sei allerdings nicht möglich, sagte Borcherding. Grund ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Niedersachsen, das solche Zweigstellen nur dort zulasse, wo eine Unterversorgung herrsche. „Das ist hier nicht der Fall“, erklärte Borcherding: „Es gibt Apotheken in Rahden und Wagenfeld.“

Eine andere Alternative für die Inhaberin: eine Rezeptsammelstelle in Pr. Ströhen. Für Borcherding sind schnelle Entscheidungen zur Zukunft der medizinischen Versorgung wichtig. „Ich habe Verträge mit Seniorenheimen. Die muss ich rechtzeitig kündigen“, so ihre Begründung.

Vor drei Jahren war schon einmal die Rede von der Schließung der Aue-Apotheke, als ein neues Gesetz auf dem Arzneimittelmarkt zu Problemen in den kleineren Einrichtungen geführt hatte. Die Selbstständige hatte aber die Verluste, die sich aufgrund eines Mengenrabatts bei Medikamenten ergeben hatten, in Kauf genommen – die Apotheke besteht weiterhin. Borcherding führt die 1979 eröffnete Aue-Apotheke seit 2000.

Seit dem Jahr 2003 ist Jens Gottfriedsen mit seiner Hausarztpraxis direkt hinter der Apotheke aktiv. „Es macht mir Spaß, aber es ist auch anstrengend“, sagte der 58-Jährige. Als Einzelkämpfer müsse er vieles beachten. „Das geht zulasten der ärztlichen Arbeit“, begründet er seine Entscheidung für eine Gemeinschaftspraxis in Rahden.

„Warum wird das Ärztehaus nicht in Pr. Ströhen gebaut?“, fragte Hans Junchen. Der Vorsitzende des Pr. Ströher Gewerbevereins vertritt die Ansicht, dass die Rahdener auch Anfahrtswege in Kauf nehmen könnten. „Wir schießen uns selbst in die Füße“, brachte er seinen Unmut über die politische Entscheidung für ein Ärztezentrum am Krankenhaus zum Ausdruck. Direkt an Ortsvorsteherin und CDU-Fraktionsvorsitzende Bianca Winkelmann gerichtet, sagte Junchen: „Ihr solltet für uns einstehen. Dafür haben wir euch gewählt.“

Sowohl Winkelmann als auch Gottfriedsen machten trotz der Kritik deutlich, dass der eingeschlagene Weg die beste Möglichkeit für eine sichere Versorgung in der Zukunft sei. Nur über das Krankenhaus könne es gelingen, junge Mediziner in die Region zu holen, erklärte Gottfriedsen. Auch wenn das bedeute, dass die Versorgung in Pr. Ströhen zunächst runtergefahren werde.

abo

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