Schäden von 2.500 bis 11.000 Euro an Autos 

„Beulen-Doktoren“ mit viel Fingerspitzengefühl

Andre Meier begutachtet die Wagen im Hagelschaden-Zentrum in Rahden mit einer speziellen Blende, mit der alle Dellen sichtbar werden. Bei dem Opel Astra muss die Motorhaube komplett getauscht werden, urteilt der Experte. - Fotos: Bokelmann

Rahden - Von Anika Bokelmann. Unter Neonlicht und mithilfe von speziellen Blenden werden die Schäden erst richtig deutlich: Nach den heftigen Hagelschauern von vor drei Wochen sind viele Autobesitzer in Rahden und Stemwede verzweifelt, weil ihre Fahrzeuge ungeschützt den fast tennisballgroßen Hagelkörnern ausgesetzt waren. Im Hagelschadenzentrum an der Weher Straße in Rahden haben die Gutachter, Versicherungssachbearbeiter und Automechaniker daher momentan gut zu tun.

Tennisballgroße Hagelkörner sind in Rahden runtergekommen und haben auch diesen Wagen getroffen.

Vier Boxen haben die Firma Dent Wizard, die sich unter anderem auf die Instandsetzung nach Unwettern spezialisiert hat, und die LVM-Versicherung in Rahden aufgebaut. Nachdem die Autos dort hineingefahren werden, nehmen Sachverständige aus der LVM-Zentrale aus Münster die Schäden unter die Lupe. „Pro Auto haben wir eine halbe Stunde Zeit“, sagt Andre Meier, der gerade einen Opel Astra untersucht. Mit einer speziellen Blende geht er Millimeter für Millimeter vor und sieht sich den Wagen ganz genau an. Denn erst jetzt sieht er alle Einschläge. Schnell wird klar: Die Motorhaube muss komplett ausgetauscht werden, am Dach werden die Dellen wieder herausgedrückt.

„An schwierigen Stellen bedienen wir uns einer speziellen Klebetechnik“, informiert Meier über die Arbeitsweise in dem Zentrum – weitere sind unter anderem beim Autohandel Bureck in Rahden sowie in Levern bei Weitkamp eingerichtet worden. Den Gutachtern zufolge belaufen sich die Schäden an den Wagen bislang zwischen 2.500 und 11.000 Euro. Horst Schwarze von der LVM-Agentur aus Tonnenheide spricht nach den Hagelschauern von einem zweistelligen Millionen-Schaden für gesamt Rahden – darin sind auch die Gebäudeschäden enthalten.

Die Sachverständigen werden für vier bis fünf Wochen im Rahdener Hagelschadenzentrum insgesamt 1.500 Autos prüfen und Gutachten ausstellen. Danach entscheiden die Besitzer, wie es weitergehen soll: Entweder können sie sich die Schadenssumme auszahlen lassen, mit dem Gutachten in eine andere Werkstatt fahren oder von den Experten vor Ort eine Ausbesserung vornehmen lassen. Für drei Monate hat Wizard die Halle angemietet.

Unter Neonlicht stehen die Autos bei der Begutachtung.

Die „Beulen-Doktoren“, wie Schwarze die Experten nennt, brauchen rund dreiviertel ihres Arbeitstages, um einen Wagen wieder auszubeulen. Dazu ist viel Erfahrung nötig, denn schließlich dürfen die Automechaniker nicht noch mehr Schaden verursachen. Daher müssen sie vorsichtig mit den Autos umgehen – und jedes Fahrzeug habe seine Eigenarten, stellen die Mechaniker bei der Demontage des Wagenhimmels beispielsweise immer wieder fest. „Den Deutschen ist ihr Auto sehr lieb“, betont Schwarze, dass alle sehr umsichtig mit den Fortbewegungsmitteln umgehen. Außerdem werden die Autos nach der Reparatur erneut von den Gutachtern kontrolliert, damit auch wirklich alle Schäden als beseitigt verzeichnet werden können.

Während die nächsten Kunden im vorderen Bereich der Halle auf die Begutachtung warten – dabei werden sie mit Getränken versorgt und führen Fachgespräche mit den anderen Autofahrern – notiert Andre Meier jedes Detail, das ihm an dem Astra aufgefallen ist. Hinzu kommen die allgemeinen Daten zu dem jeweiligen Auto, damit der Schaden bemessen werden kann.

Von 8.30 bis 16.30 Uhr sind die Gutachter und Versicherungsvertreter täglich an der Weher Straße, um alle Schäden aufzunehmen. Nur Personen, die zuvor telefonisch einen Termin mit der LVM-Zentrale in Münster ausgemacht haben, sind zu einem Besuch in der Halle berechtigt, betont Schwarze zum Prozedere. Vor Ort werden die Kunden dann erstmal beruhigt. „Wir müssen lange Gespräche führen, weil viele nicht genau wissen, wie sie reagieren sollen“, sagt der LVM-Vertreter aus Tonnenheide.

Vor allem würden alle gerne schnell ihren Wagen wieder in Ordnung haben, aber die Experten könnten nicht alles zeitgleich machen. „Wenn man mit einem Hagelschaden weiterfährt, passiert nichts an dem Auto“, weiß Andre Meier. Nur wenn es an komplizierten Stellen zu einer Überdehnung käme, könne der Lack reißen, so der Gutachter. Laut Meier war es zwar ein heftiger Hagelschauer, der am letzten Juniwochenende über der Region heruntergegangen ist, „aber wir haben schon größere Dellen gesehen“.

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