Für Dr. Bert Honsel (CDU) ist die Bürgermeisterwahl eine Herzenssache / „Der Heimat etwas zurückgeben“

Rahdener Ortschaften leben vom Ehrenamt

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Der Rahdener Dr. Bert Honsel tritt am 13. September zur Wahl des neuen Bürgermeisters an und sieht darin eine Chance, seiner Heimat etwas zurückzugeben.

Rahden - Seit 1999 ist Rahden die Heimat von Dr. Bert Honsel. Jetzt sieht er seine große Chance, Bürgermeister der Stadt zu werden. Daher hat der Jurist seinen Hut in den Ring geworfen. Seit Wochen hat der CDU-Kandidat im Rahmen seiner Gartentouren zahlreiche Gespräche mit den Bürgern geführt und viele positive Erfahrungen gemacht. Im Gespräch mit Redakteurin Anika Bokelmann erzählt Dr. Bert Honsel, wo er die Stärken der Stadt sieht und wie es weitergehen kann.

Bokelmann: Warum möchten Sie Bürgermeister werden?

Dr. Bert Honsel: Das ist für mich eine Herzenssache, weil ich in Rahden wohne. Meine Familie ist hier gewachsen und meine Söhne wachsen hier auf. Ich bin mit Emotionen dabei und will Rahden etwas zurückgeben. Zudem bin ich der Überzeugung, dass ich die richtige Qualifikation für das schwere Amt des Bürgermeisters mitbringe.

Welche Qualifikationen bringen Sie denn mit?

Honsel: Bürgermeister zu sein ist ein tägliches Geschäft. Mann muss eine Verwaltung leiten, in Rahden mit rund 100 Mitarbeitern. Man muss sich daher in der Verwaltung auskennen und diese führen. Ich arbeite seit 22 Jahren beim Kreis Minden-Lübbecke. Ich leite seit 1993 das Rechtsamt und bin mit den schwierigen rechtlichen Vorgängen vertraut. Seit 2003 leite ich zudem das Ordnungsamt des Kreises und seit 2008 die Kommunal- und Finanzaufsicht. Dort habe ich auch Rahdens Finanzen erlebt. Außerdem kümmere ich mich um die Rettungsdienste und Feuerwehren.

Was macht die Stadt Rahden für Sie aus?

Honsel: Rahden ist meine Heimat. Die Stadt ist sehr liebens- und lebenswert. Durch die vielen Ortschaften bekommt Rahden eine enorme Vielfalt. Besonders für junge Familien ist Rahden attraktiv, weil wir Schulen und ein breites Freizeitangebot haben. Die großen Firmen tun ihr Übriges. Sicherlich kann man aber auch noch Einiges machen. Da steht zunächst einmal die Sanierung der Innenstadt weiter auf dem Plan.

Wie beurteilen Sie die Eigenständigkeit der Ortschaften? Kann diese auf lange Sicht erhalten bleiben, auch wenn es Kosten verursacht?

Honsel: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in den Ortschaften. Daran erkennt man deren Bedeutung. Für die Außenortschaften ist es ganz wichtig, dass man das Ehrenamt fördert, denn sie werden dadurch zusammengehalten.

Ganz wichtig ist für mich der Erhalt der Grundschulen im Außenbereich. So hält man junge Familien und zieht neue an.

Wie wird sich die Schullandschaft in Rahden weiterentwickeln? Muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass Standorte schließen?

Honsel: Ich werde ganz stark dafür kämpfen, dass das nicht passiert. Wenn die Schülerzahlen einbrechen, dann wird es schwer. Das glaube ich aber nicht. Denn die Schulen sind bemüht, die Schülerzahlen zu halten. Soweit es die rechtlichen Rahmenbedingungen zulassen, muss die Stadt investieren. Denn es wäre unzumutbar, lange Wege zur Schule zu gehen.

Um Familien und Gewerbe nach Rahden zu holen, ist eine gute Infrastruktur wichtig. Was kann die Stadt angesichts leerer Kassen da selbst noch leisten?

Honsel: Wenn ein Bedarf an Bau- und Gewerbegrundstücken da ist, muss eine Außenortschaft auch entsprechende Möglichkeiten bekommen, diesen Bedarf zu decken. Die Wirtschaft muss prosperieren, damit Wachstum möglich ist, aber es muss einen Grund für Ausweitungen geben, weil das ein hoher Kostenfaktor ist. Das Problem dabei ist der Landesentwicklungsplan mit den Schranken für Ortschaften unter 2000 Einwohner.

Mein oberstes Ziel ist zudem es, die Innenstadtsanierung zu beenden. Der Breitbandausbau wird weitergehen und das Ärztehaus muss kommen. Das sind die wichtigsten Projekte. Ansonsten bin ich gespannt auf Ideen der Bürgerschaft. Deren Kompetenz soll in die Entwicklung eingebracht werden.

Wie sieht es künftig mit der finanziellen Unterstützung für die Vereine und das Ehrenamt aus?

Honsel: Ich werde die Vereine nicht allein lassen. Ich plädiere dafür, dass Rahden die Ehrenamtskarte NRW als Honorierung einführt. Für ehrenamtlich Tätige stellt die Stadt dann eine Karte aus, die den Inhaber berechtigt, öffentliche Einrichtungen wie das Freibad und den Museumshof vergünstigt zu nutzen. Auch der Einzelhandel sollte sich da anschließen.

Die Feuerwehr ist da auch wichtig. Man sollte den Einsatzkräften pauschal eine kleine Summe für die Einsätze zahlen – als Entschädigung, denn nicht alle Aufwendungen eines Feuerwehrmitglieds werden komplett ersetzt.

Apropos Feuerwehr: Wie sehen Sie deren Zukunft? Kann sich die Stadt eine so präsente Feuerwehr auf lange Sicht noch leisten oder müssen vielleicht Löschzüge zusammengelegt werden?

Honsel: Die Kleinstädte in Deutschland leiden unter dem demografischen Wandel und dem Bevölkerungsrückgang. Das wird auch die Feuerwehr vor eine Herausforderung stellen. Ein Problem ist die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte. Da muss man über interkommunale Zusammenarbeit nachdenken, beispielsweise mit Stemwede. Es kann aber auch sein, dass man Gruppen zusammenlegen muss und da gibt es im Kreis positive Beispiele.

Die Ausgaben sind im Haushalt schon auf ein Minimum reduziert. Wo kann die Stadt noch sparen?

Honsel: Nur Sparen ist zu eindimensional. Es muss eine strategische Haushaltsplanung geben. Man muss sich überlegen, wo Rahden in zehn Jahren stehen soll. In Einzelbereichen willkürlich zu sparen, sollte der Vergangenheit angehören. Vielmehr gilt es, Schwerpunkte zu verlagern und vor allem den kompletten Aufgabenkatalog der Stadt zu betrachten.

Das ist aber nicht allein Aufgabe des Bürgermeisters. Bei Haushaltsfragen muss der Bürger mitgenommen werden – über Bürgerforen oder Online-Befragungen. Denn es geht um ihre Stadt. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, dass die Bürger den kommunalen Haushalt verstehen lernen. Dann können sie mitreden.

Ist die Lage Rahdens an der Grenze zu Niedersachsen aus Ihrer Sicht ein Problem oder ein Gewinn?

Honsel: Das ist ein grundsätzliches Problem, weil die Gewerbesteuer in Niedersachsen niedriger angesetzt werden kann. Das liegt an den geringeren Hebesätzen. Die Randlage zu Niedersachsen ist auch immer wieder Thema in der Kommunalaufsicht. Das können wir aber nicht in Rahden lösen. Da muss die Landesregierung mehr für die ländliche Region tun.

Stichwort Hausärztemangel und Ärztehaus: Wie bewerten Sie das Vorhaben, die Praxen an in Rahden ansässige Ärzte zu vermieten?

Honsel: Die alteingesessenen Hausärzte Rahdens werden irgendwann nicht mehr praktizieren. Wir müssen also zu einem Zeitpunkt, wo sie noch praktizieren, über sie auch junge Ärzte nach Rahden bekommen. Eine richtige Möglichkeit ist da meiner Meinung nach über das Ärztehaus geschaffen worden.

Wie kann die Stadt über das Ärztezentrum hinaus noch junge Mediziner werben?

Honsel: Es ist erstmal wichtig, dass Ärztehaus ans Krankenhaus anzudocken. Wenn dann dort die entsprechenden Räume geschaffen sind, kann das weitere Ärzte nach Rahden ziehen. Eine Chance ist zudem die Lösung der Ruhr-Universität Bochum. So werden die Studenten ihren praktischen Teil hier absolvieren und vielleicht schaffen wir es, dass der ein oder andere Arzt sich mit der Region anfreundet – und bleibt.

Über das Thema Windkraft wird in Rahden immer wieder diskutiert. Wie stellen Sie sich die Entwicklung der Windkraftanlagen vor?

Honsel: Als Rahdener Bürger sehe ich eine Verspargelung kritisch. Ich plädiere daher für eine Vorrangzone. Es ist schwer da ein Einvernehmen herzustellen. Es gibt viele Bürger, die in diesem Bereich investieren wollen. Aber es gibt auch solche, die die Anlagen nicht wünschen. Ich verstehe es, wenn die Rahdener sagen, dass sie diese 200-Meter-Türme nicht in ihrer Nachbarschaft wollen.

Zu den Gebieten gibt es auch viele Fragen rund um Flora, Fauna und Habitat zu beantworten. Da muss die Stadt nochmal neu ran, was die Ausweisung von Vorranggebieten betrifft. Ich würde als Bürgermeister prüfen lassen, ob Solaranlagen möglich sind.

Dass eine Energiewende kommen muss, davon bin ich überzeugt. Aber bitte nicht auf Kosten der Bevölkerung.

Wenn Sie die Bürgermeisterwahl nicht gewinnen sollten – gibt es einen Plan B?

Honsel: Ich bin auf Lebenszeit Beamter beim Kreis und in dieser Position würde ich dann weitermachen.

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