Bernd Hachmann macht Gezänke mitverantwortlich für geringe Wahlbeteiligung

Zurück zur Vernunft

+
In Rahden nutzten 1830 Bürger die Briefwahl. Das Team um Wahlkampfleiter Werner Thielemann (Mitte) zählte die Karten am Sonntagabend im Rathaus aus.

Rahden - „Mit Dr. Bert Honsel haben die Wähler eine gute Entscheidung getroffen“, findet Bernd Hachmann. Dem scheidenden Bürgermeister bleiben noch fünf Wochen, bis er sein Amt an den Rahdener Christdemokraten übergeben wird. Honsel hatte am Sonntag 61,06 Prozent der Stimmen erhalten und wird ab dem 21. Oktober der neue Hauptverwaltungsbeamte der Auestadt sein (wir berichteten).

Bei der CDU war die Freude groß. „Mit Bert Honsel hat ein Rahdener gewonnen und es wird ein sehr kompetenter Mann ins Rathaus einziehen“, lautete das Fazit der CDU-Fraktionsvorsitzenden Bianca Winkelmann. Dort werde ihr zufolge eine neue Ära anbrechen. Auch Hachmann ist sich sicher, dass „Bert Honsel die Geschicke gut führen wird“.

Er hofft, dass „die Vernunft jetzt wieder Einzug hält und wir zur Sachlichkeit zurückkommen“. In den Streitereien zwischen den Parteien während des Wahlkampfs von Honsel und seiner Mitbewerberin Bela Lange (SPD, FDP, FWG und Grüne) sieht Hachmann einen Grund für die stetig sinkende Wahlbeteiligung (bei der Kommunalwahl 2009: 55,03 Prozent; 2015: 50,61 Prozent). „Es ist enttäuschend, dass die Bürger so politikverdrossen sind“, erklärte er. „Die Parteien sollten sich fragen, warum sich die Wähler so verhalten.“ Für eine detaillierte Wahlanalyse sei es noch zu früh, erklärte Friedrich Schepsmeier (SPD) gestern. Und 2020 könne schon alles ganz anders aussehen, blickt er bereits auf die nächste Wahl.

Bela Lange ist sich ebenso wie Winrich Dodenhöft (Grüne) sicher, dass sie einen „super Wahlkampf auf sachlicher Ebene und mit viel Engagement gemacht haben“. Dass sie dennoch gegen Honsel verloren hat, sei der „Macht des Wählers“ geschuldet, so Lange. „Die Rahdener möchten es mit Dr. Honsel versuchen. Für seine Aufgaben wünsche ich ihm viel Glück“, sagte Lange. Sie bekam 38,9 Prozent der Stimmen und gewann lediglich im Stimmbezirk Stelle. In den 19 weiteren Bezirken hatte die CDU wie schon in den Vorjahren wieder klar die Nase vorn.

Dass es knapp werden würde, sei den Mitgliedern des Vierer-Bündnisses klar gewesen, aber „wir hatten uns ein engeres Ergebnis erhofft“, erklärte Gundel Schmidt-Tschech. Wichtig sei aber, dass der „derzeitige Bürgermeister abgeschafft wird“. „Sein System war katastrophal“, so die FWG-Fraktionsvorsitzende – wichtige Fragen seien nicht mit dem Rat besprochen und Entscheidungen überfallartig in den Gremien vorgelegt worden. Auch Dodenhöft hofft, „dass es wieder fairer wird“.

Schepsmeier setzt ebenfalls auf eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der CDU. „Die vier Parteien sind sich näher gekommen und haben vertrauensvoll Fragen diskutiert“, lobt der Sozialdemokrat den Wahlkampf.

„Es war anstrengend, aber auch interessant“, resümierte Honsel. Er wird in den nächsten fünf Jahren in seiner Heimatstadt das Ruder übernehmen.

„Mit ihm werden wir endlich wieder vernünftig arbeiten können“, setzt Schmidt-Tschech ihre Hoffnung auf den designierten Bürgermeister. Er wolle mit den Fraktionsvorsitzenden sprechen und ihre Wünsche berücksichtigen, erklärte Honsel. „Ich werde mir viel Zeit nehmen. Die Leute sollen sich aussprechen.“ Das könne schwierig werden, weiß Honsel, aber „Kommunikation ist meine Stärke“.

Man dürfe Streitereien nicht persönlich nehmen, meint Schmidt-Tschech. Denn es gebe immer verschiedene Meinungen. Das habe sich im Vierer-Bündnis gezeigt. „Aber in den wichtigen Dingen waren wir uns stets einig“, unterstreicht die FWG-Frau.

Im Namen der Rahdener FDP nimmt deren Fraktionschef Hans-Eckhard Meyer Stellung zum Ergebnis der Bürgermeisterwahl: „Die Wahl des Bürgermeisters ist vorüber und erreichte mit 50,6 Prozent die höchste Wahlbeteiligung im Altkreis Lübbecke“, lobt Meyer. „Diese relativ hohe Wahlbeteiligung zeugt davon, dass es dem Viererbündnis mit der Aufstellung einer sehr geeigneten Kandidatin gelungen ist, den Wählern in Rahden eine personelle Alternative für die Wahl um das Amt des Bürgermeisters zu bieten“, heißt es darin.

Wie auch die anderen Fraktionsvorsitzenden der Parteien, die Lange in den vergangenen Monaten unterstützt hatten, bewertet Meyer den Wahlkampf als „sehr engagiert und fair“. Mit annähernd 40 Prozent der Wählerstimmen sei der Ausgang „deutlich mehr als ein Achtungserfolg“, so der FDP-Vorsitzende.

Die mehr als 60 Prozent, die Dr. Bert Honsel erzielte, bewertet Meyer als „ein klares und respektables Ergebnis, zu dem ich ihm gratuliere“. Die Liberalen hofften auf eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Dafür ist es aus Sicht Meyers dringend geboten, dass mehr Sachlichkeit und Konsensbereitschaft die Diskussionen prägten. Schließlich gehe es um den „Streit für die beste Lösung“.

abo

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Kommentare