Bauern haben Existenzsorgen: Schweinehaltung nicht mehr kostendeckend

Fleisch nicht „verramschen“

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Die Ferkelerzeuger und Schweinemäster leben derzeit von der Substanz. Vor allem die Sauenhalter sind die Leidtragenden, sie bekommen den Druck besonders zu spüren.

Minden-Lübbecke - Die heimischen Bauern wehren sich gegen das „Verramschen“ von Lebensmitteln: „Wir verurteilen die niedrigen Aktionspreise für Schweinefleisch und andere Fleischsorten bei den Einzelhandelsketten auf das Schärfste“, so der Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Hermann Seeker aus Pr. Ströhen. „Wer mit Nachhaltigkeit und Regionalität wirbt, muss dieses auch leben und darf nicht die Erzeuger treten“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisverbands.

Seeker kritisiert vor allem, dass mit deutscher Herkunft und Qualität geworben, die Ware jedoch zeitgleich mit massiven Preisabschlägen verschleudert werde. Lebensmittel hätten einen Wert und seien kein Ramschprodukt. „Solch eine aggressive Preispolitik ist schlichtweg die falsche Politik.“ Angesicht der für viele Bauernfamilien existenzbedrohenden Situation sei es an der Zeit, dass alle Akteure Verantwortung leben.

Die Schweinebauern stehen mit dem Rücken zur Wand, heißt es in der Mitteilung: „Die Ferkelerzeuger und Schweinemäster leben derzeit von der Substanz“, untermauert der Vorsitzende. Vor allem die Sauenhalter seien die Leidtragenden, sie bekämen den Druck besonders zu spüren. „Wenn nicht bald kostendeckende Erlöse erzielt werden, drohen Betriebsaufgaben“, betont Seeker. „Und es wird wieder vor allem kleine und mittlere Betriebe treffen.“

„Viele unserer Betriebe haben in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand genommen, um ihre Ställe auszustatten mit mehr Beschäftigungsmaterial, artgerechtem Scheuermaterial und vielem mehr, um mehr Tierwohl bieten zu können“, erklärt Seeker. „Gerade diese Betriebe stehen durch die niedrigen Schweinepreise unter einem extremen finanziellen Druck.“

„Die Schweinehalter kämpfen schon viel zu lange mit viel zu niedrigen Erzeugerpreisen“, erläutert der Vorsitzende weiter. Bereits seit eineinhalb Jahren leiden die Betriebe ihm zufolge unter katastrophalen Preisen und schreiben rote Zahlen. Der Grund: Als stärkster Schweinefleischabnehmer schob Russland im Januar 2014 seuchenhygienische Vorsichtsmaßnahmen – die Afrikanische Schweinepest in Osteuropa – vor und machte Deutschland den Schweinefleisch-Export damit unmöglich. Als das Russlandembargo im Herbst 2014 verhängt wurde, sanken die Preise.

An erster Stelle sind die Schlachtbranche und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in der Pflicht, findet Seeker. Sie dürfen die angespannte Marktlage nicht weiter ausnutzen und die Schweinehalter zur kurzfristigen Profitsteigerung auspressen. Weiter müssten Berlin, Brüssel und die Wirtschaft alles tun, um den Export zu beflügeln. „Selbst wenn nur einzelne EU-Länder wieder Speck nach Moskau liefern dürfen, entlastet das den Markt“, erläutert Seeker.

Darüber hinaus müsse der Fonds der Initiative Tierwohl weiter durch den Lebensmitteleinzelhandel und der Systemgastronomie aufgestockt werden. Zudem sei die Politik gut beraten, sich mit weiteren Auflagen und Dokumentationspflichten zurückzuhalten.

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