Autorin Chantal Louis berichtet in Rahden von der Demenz-WG ihrer Oma

Im hohen Alter noch in eine Wohngemeinschaft

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Auch im Alter kann eine Wohngemeinschaft eine durchaus adäquate Wohnform sein, findet Autorin Chantal Louis (Mitte) und berichtet über das Leben ihrer Großmutter in der Demenz-WG. Aus ihrem Buch las sie am Valentinstag auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Beate Henke (l.) und Angelika Otte im Rahdener Bahnhof vor.

Rahden - Ein selbstbestimmtes Leben wollen wohl alle so lange wie möglich führen. Doch wenn im Alter die Gebrechen zunehmen, müssen oftmals neue Lösungen und Wege her. Mit der Demenz-WG hat Chantal Louis eine Wohnform gefunden, in der sich ihre demenzkranke Großmutter seit einigen Jahren wohlfühlt. Davon berichtete die Gelsenkirchener Autorin bei ihrer Lesung im Rahdener Bahnhof.

„Das Thema muss unter die Leute“, findet Beate Henke. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Espelkamp hatte gemeinsam mit ihrer Rahdener Kollegin am Sonntag zu der Lesung eingeladen und erklärte dabei, warum sie sich für das „hochaktuelle Thema“ entschieden hatten. Sie selbst sei aus eigener Betroffenheit heraus auf das Buch aufmerksam geworden, so Henke. Und so ging es vielen der rund 30 Gäste, die nach einer Kaffeetafel, mit einem Schmunzeln den etwa einstündigen Ausführungen Louis lauschten.

Bei dem Buch „Ommas Glück – Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG“ handelt es sich nämlich keinesfalls um ein trockenes Sachbuch, sondern vielmehr um eine lebendige Geschichte. Die Autorin beschreibt darin den Weg in die Demenz, die Probleme mit dem Leben in einem Altersheim und schließlich das Glück, die Demenz-WG für ihre „Omma“ in Wanne-Eickel gefunden zu haben. Da sie sehr an ihrer Oma Edeltraut hänge, wollte sie ihr mit dem Buch auch ein Denkmal setzen, so die Journalistin.

Humorvoll und locker beleuchtet Louis in „Ommas Glück“ das Leben ihrer Großmutter – mit dem Essen als Konstante. So habe ihre Oma nie den Appetit verloren und nachdem ihr Opa taub wurde sogar mit den Lebensmitteln gesprochen. Neben den witzigen Szenen, wie beispielsweise über die Liebschaften zwischen den WG-Bewohnern und den Betreuern, verschweigt Chantal Louis aber auch nicht die Probleme und Konflikte.

Einerseits erleben die Leser auch die schwierige Zeit der Demenzkranken und ihren Familienangehörigen mit dem Pflegeheim sowie die Herausforderungen mit der Krankheit. „Das Leben macht zum Ende eine Gesamtrechnung auf“, schreibt Louis über die Tatsache, dass die Demenz Charakterzüge freilege, die vorher von der Vernunft verdeckt wurden. Andererseits gebe es auch in der Demenz-WG Probleme, so die Autorin. Auch wenn die Betreuer dort gezielt auf die Eigenarten der Senioren eingingen, so müssten die Angehörigen viele Absprachen treffen.

Für einige Gäste eröffnete die Lesung sicherlich einen Einblick in eine Welt, die für Angehörige durchaus erwägenswert sein könnte. Denn bei der sich anschließenden Aussprache wurde deutlich, dass die Zuhörer sich im Vorfeld umfassend informiert hatten.

abo

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