Arzt Jens Gottfriedsen fordert 100000 Euro als Sicherheit für neue Praxis

Parteien sind für Zentrum, aber auf einem anderen Weg

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Der Pr. Ströher Hausarzt Jens Gottfriedsen (l.) und Architekt Lars Fahlbusch stellten das Konzept vor.

Rahden - Von Anika Bokelmann. Ein Gesundheitszentrum ist für Rahden eine gute Lösung – in diesem Punkt waren sich die Ratsmitglieder am Donnerstagabend einig. Die Modalitäten sorgten allerdings für hitzige Debatten. Auch die Tatsache, dass „noch nichts in trockenen Tüchern ist“, wie der Pr. Ströher Hausarzt Jens Gottfriedsen verdeutlichte, änderte nichts daran, dass sich einige übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt fühlten.

Während die CDU-Fraktion sich hinter Bürgermeister Bernd Hachmann stellte, fehlten SPD, FDP, FWG und Grünen ein konkretes Konzept und Zeit. „Wenn wir nicht jetzt den Grundstein legen und ein klares Zeichen geben, nämlich dass wir als Rat hinter dem Projekt stehen, dann vergeben wir eine wichtige Chance“, plädierte Bianca Winkelmann für das Ärztehaus.

„Auch wir halten das Zentrum für eine gute Sache“, sagte Friedrich Schepsmeier (SPD). Ihm fehlten allerdings Eckpunkte. Zudem „sollten wir uns Zeit nehmen, wenn wir diesen Weg einschlagen“. Carsten Zimmermann (FWG) kritisierte: „Wir wollten ein Konzept und keine fertigen Pläne.“

„Es fehlen Fachärzte“, äußerte sich Winrich Dodenhöft (Grüne). Da das Ärztezentrum nun aber schon belegt sei, könnten sich dort keine weiteren Mediziner niederlassen, so das Ratsmitglied. „Rahden ist für Fachärzte gesperrt“, verdeutlichte Bürgermeister Hachmann, dass die kassenärztliche Vereinigung für Spezialisten in Rahden keinen Bedarf sieht.

Neben ihrer Funktion als Mediziner werden Frauenarzt Dr. Fahim Wahidi und HNO-Arzt Dr. Jürgen Blaue als Betreiber ins Ärztezentrum einsteigen. Zur Gynäkologie gehört Dr. Frank Nellissen. Als weitere Praxisinhaber nannte Hachmann Dr. Karin Hocher (Allgemeinmedizinerin), eine Ärztin für Naturheilkunde und Jens Gottfriedsen (Allgemeinmediziner).

Gottfriedsen machte deutlich, dass ein Umzug eine langfristige Verbesserung bringen müsse. So will er mit einer jungen Ärztin kooperieren. Für eine Gemeinschaftspraxis sprechen Gottfriedsen zufolge geregelte Arbeitszeiten, bessere Urlaubsvertretungen und der Erfahrungsaustausch.

Er hofft zudem, dass junge Ärzte nach Rahden kommen, und setzt auf persönliche Verbindungen und den Kontakt zum Krankenhaus. Seine bisherige Praxis wolle er als Außenstelle weiterführen. Gottfriedsen machte deutlich, dass er in siebeneinhalb Jahren aufgrund seines Alters hätte schließen müssen. Jetzt sicherte er eine Versorgung über zehn Jahre zu, wenn die Stadt das nötige Geld für die Einrichtung stellen würde. „Wir brauchen 100000 Euro als Sicherheit.“

Vom Land werden Niederlassungen, Anstellungen und Weiterbildungen in ländlichen Praxen mit maximal 50000 Euro gefördert. Den von Hachmann vorgeschlagenen Zuschuss von 50000 Euro je Praxis sah Friedrich Schepsmeier kritisch. „Wofür setzen wir die Prämie aus?“, fragte er und regte an, je nach Einrichtung Unterschiede zu machen. Zudem bringe die Verlagerung ins Ärztezentrum Probleme, so der Sozialdemokrat: „Wie wollen wir es rechtfertigen, dass ein neuer Arzt außerhalb des Zentrums kein Geld bekommt?“ Mit dem Zuschuss entscheide man sich für eine „Entarztung der Dörfer“.

Architekt Lars Fahlbusch aus Lübbecke erklärte, wie das Ärztehaus aussehen soll: Das zweigeschossige Gebäude mit einer Nutzungsfläche von 1200 Quadratmeter soll ihm zufolge zu Synergieeffekten führen. Neben den Ärzten verschiedener Fachrichtungen wird Apothekerin Kerstin Laue im Erdgeschoss einziehen. Auch das bereitete Friedrich Schepsmeier Sorgen: „Wir könnten ein Apothekensterben auslösen.“ Denn die Patienten würden die dichteste Apotheke zur Praxis nutzen. „Bei sechs Ärzten gibt das eine enorme Symbiose“, so der Frakionssprecher.

„Wir müssen Geld in die Hand nehmen, wenn wir uns vernünftig aufstellen wollen“, unterstrich Bianca Winkelmann. Sie erklärte, dass beim Umbau des Krankenhauses rund 230000 Euro eingespart worden seien, die man nun ins Ärztehaus stecken könnte. Die Entscheidung, dass die Stadt das gesamte Grundstück an der Ecke Feldstraße/Hohe Mühle kauft und den Investoren als Erbpacht zur Verfügung stellt, bedauerte sie: „Das wird teuer.“

Nach einer zweistündigen Debatte machte der Stadtrat den ersten Schritt Richtung Ärztehaus – bei einer Gegenstimme stimmten die Mitglieder für den Erwerb des Grundstücks und einen noch zu bestimmenden Zuschuss. Details sollen dann im Rahmen einer Sondersitzung geklärt werden. Auch über die 50000 Euro wird noch zu reden sein.

Lesen Sie dazu den Kommentar: "Ein Umzug macht nicht jünger"

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