Historiker informieren über Motte-Burganlage

Archäologische Neuentdeckung

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Grabungstechniker Peter Price (l.) und Sascha Wolf legten im Oktober 2007 mit vier weiteren Helfern die Eichenpfosten der vermeintlichen Burganlage frei. Später stellte sich heraus, dass es sich um ein Rittergut handelte.

Stelle - Von Anika Bokelmann. Als „ganz besonderen Fund“ bezeichnet Dr. Bert Wiegel die archäolgischen Ergebnisse einer Ausgrabung in Stelle: Der Rahdener Archäologe und Verleger hat mit Experten des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) neben dem Klärwerk in Stelle Hinweise auf eine Burg ausfindig gemacht.

Seit mehr als 20 Jahren vermutete Wiegel schon eine weitere Burg im Rahdener Gebiet. Grundlage sind urkundliche Überlieferungen sowie das preußische Urkataster, in dem unter anderem die „Burg Stelle“ erwähnt wird. Im Jahr 2007 hatte es daher schon Grabungen in Stelle gegeben – mit dem Ergebnis, dass ein ehemaliges Rittergut ausgehoben wurde. „Das Gebäude bestand aus Holz und stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert“, sagt Wiegel zum damaligen Fund, der nur knapp 500 Meter von der jetzigen Fundstelle entfernt liegt. Das sei definitv zu jung für eine Burg.

Aufgrund dieser Erkenntnis habe man weitergeforscht. „Seit 2013 haben wir aus privater Initiative heraus diverse Luftbildaufnahmen gemacht“, erklärt der Rahdener Archäologe und Verleger. Die Forscher sind dem Verlauf der Kleinen Aue in Stelle gefolgt, da diese früher die Grenze dargestellt hat. Die Flüsse waren zudem wichtige Übergänge, die stets bewacht werden mussten. Die Betrachtung aus der Vogelperspektive brachte bereits vor drei Jahren den entscheidenden Hinweis. „Wir haben so lange mit der Veröffentlichung gewartet, um das Konzept vollständig und schlüssig zu haben“, so Wiegel.

„Durch die intensive Landwirtschaft ist der Boden komplett eingeebnet“, beschreibt Dr. Bert Wiegel die Lage der Fundstätte. Daher sei auch vor Ort nicht mit bloßem Auge erkennbar, dass in der Nähe des Klärwerks früher eine Burg stand.

Klassische Burg von 1000 bis 1400

Die Archäologen, unterstützt wird Wiegel unter anderem von Dr. Hans-Otto Pollmann vom LWL, entdeckten schließlich die Abdrücke von Erdohlzkonstruktionen, die laut Wiegel eindeutig auf eine Burg schließen lassen. „Es handelt sich um einen klassischen Typ“, erklärt der Rahdener Historiker. So hat es Wiegel zufolge zwischen 1000 und 1400 eine Motte-Burganlage mit einem doppelten Graben und dem charakteristischen zentralen künstlichen Erdhügel in Stelle gegeben.

Ein weiteres Indiz für die Existenz der Burg basiert auf dem Grenzvertrag zwischen der Mindener Kirche und den Edelherren von Diepholz: Im Jahr 1296 sollte das vom Mindener Bischof erbaute „Castrum Stemmwede“ laut diesem Vertrag zerstört werden und innerhalb zwölf Jahren nicht wiederaufgebaut werden. Die Auswertung der Holzrückstände passt mit diesem Zeitfenster zusammen. Im Mittelalter gehörte Rahden zum Fürstbistum Minden und der Bischof als Landesherr ließ Burgen zum Schutz seines Gebietes errichten.

Die neuen Erkenntnisse über die Steller Burg seien insbesondere für die Rahdener Kulturhistorie von großer Bedeutung, unterstreicht Wiegel. Denn anhand der Burgen, neben den Ruinen am Museumshof und der Steller Anlage vermutet er noch weitere Spuren entlang des Flusslaufs, lassen sich Territorialbildungen konstruieren.

Präsentation am 13. April

Über die Neuentdeckung werden Professor Dr. Michael Rind, LWL-Leiter Bodendenkmalpflege, Dr. Hans-Otto Pollmann und Dr. Bert Wiegel sowie Dr. Bao Song von der Ruhr-Universtität Bochum am Mittwoch, 13. April, von 9.45 bis 11 Uhr in einer Präsentation informieren. Es handelt sich dabei um eine öffentliche Veranstaltung der Stadt in der Aula des Rahdener Gymnasiums – alle interessierten Bürger sind daher dazu eingeladen.

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