Junger Mann muss sechs Monate hinter Gitter

Angeklagter zeigt kein Unrechtsbewusstsein

Rahden - Weil er sein Alkoholproblem nicht unter Kontrolle hat und in angetrunkenem Zustand immer wieder Straftaten begeht, muss ein junger Afrikaner nun sechs Monate hinter Gittern verbringen. Er müsse davon ausgehen, dass der Angeklagte auch weiterhin Straftaten begehen werde, begründete Richter Schnasse sein Urteil.

Der Angeklagte wurde vor dem Rahdener Amtsgericht für schuldig befunden, in einem Discounter in Lübbecke eine Flasche Whisky gestohlen zu haben. Außerdem hatte er sich in einer Spielothek und einem benachbarten NP-Markt in alkoholisiertem Zustand geweigert, die Räumlichkeiten auf Anweisung der Mitarbeiterinnen zu verlassen, und anschließend versucht, sich seiner Festnahme zu widersetzen.

Die als Zeugin geladene 64-jährige Verkäuferin des Aldi in Lübbecke beschrieb, dass der Angeklagte im Februar dieses Jahres zweimal kurz hintereinander an ihrer Kasse vorbei gegangen sei, ohne etwas zu kaufen. Als er das Geschäft ein drittes Mal betrat, sei sie misstrauisch geworden, habe ihn im Auge behalten und beobachtet, wie er eine Whiskyflasche in seinen Rucksack steckte. Als er die Kasse erneut passiert hatte, ohne zu zahlen, habe sie den Mann zurückgerufen. Er habe dem auch Folge geleistet und anschließend auf die Polizei gewartet. Der Angeklagte bestritt den Diebstahl und ließ über seinen Übersetzer erklären, er sei bereits vor der Kasse angesprochen worden. Er habe die Flasche bezahlen wollen.

Im Oktober 2015 hatte der Angeklagte am frühen Morgen eine Spielothek betreten. „Er hatte stark getrunken“, berichtete die als Zeugin geladene Servicekraft. Da man die Spielothek nicht alkoholisiert betreten dürfe, habe sie ihn mehrfach auf deutsch und englisch aufgefordert zu gehen und ihm das auch mit Gesten deutlich gemacht. Zwar habe der Angeklagte so getan, als verstünde er sie nicht. Das nahm ihm die Zeugin aber nicht ab.

Laut der Servicekraft ging der Angeklagte zwischendurch immer wieder kurz nach draußen, um Alkohol zu trinken. Mit der Zeit sei er immer aggressiver geworden, weshalb sie sich nicht getraut habe, die Polizei zu rufen. Als er das Casino nach insgesamt zweieinhalb Stunden wieder verließ, verschlossen die Mitarbeiterinnen die Türen und verständigten die Polizei. Der Angeklagte argumentierte, er habe sich in dem Casino aufgehalten, weil es draußen zu kalt gewesen sei.

Aus der Spielothek ausgesperrt, ging der Mann zum benachbarten Niedrig-Preis-Markt. Hier hielt er sich im Kassenbereich auf, den er laut einer Zeugin trotz Aufforderung nicht verlassen wollte. Als sie mit der Polizei gedroht habe, sei er „ausgerastet“. „Er wurde lauter und beleidigend“, so die Zeugin. Der Angeklagte bestritt das. Er habe in dem Markt Alkohol kaufen wollen. Als die Verkäuferin ihn aufgefordert habe zu gehen, sei er rausgegangen. „Ich war nicht aggressiv“, versicherte er.

Die Staatsanwältin überzeugte das nicht. „Sie haben offenbar eine falsche Selbstwahrnehmung. Sie haben immer betont, dass Sie nicht aggressiv waren, aber alle anderen sagen, Sie sind aggressiv. Seit Sie in Deutschland sind, begehen Sie Straftaten“, hielt sie dem jungen Mann entgegen, der vor einem Jahr nach Deutschland gekommen war und davor in Belgien gelebt hatte. Zum Zeitpunkt der Verhandlung war er bereits in Münster und Bielefeld wegen weiterer Straftaten angeklagt. „Sie entwickeln überhaupt kein Unrechtsbewusstsein. Die anderen sind immer schuld“, so die Staatsanwältin, die nicht daran glaubte, dass eine weitere Geldstrafe den Angeklagten beeindrucken würde.

Der versicherte in seinem Schlusswort, er werde wegen seines Alkoholproblems zu einem Arzt gehen, und bat um eine Geldstrafe. Der Richter kam diesem Wunsch nicht nach. Auch er konnte angesichts „sehr vieler Taten in sehr kurzer Zeit“ kein Unrechtsbewusstsein bei dem Angeklagten erkennen. J mer

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